Was zur Tragödie im Wallis bekannt ist
Bar-Inferno in Crans-Montana – die Fakten im Überblick

Zehn Tage nach dem Bar-Inferno in Crans-Montana werden immer mehr Details bekannt: Besonders das Betreiberpaar Moretti rückt immer mehr in den Fokus. Blick zeigt dir, was bekannt ist und welche Fragen noch geklärt werden müssen.
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40 junge Menschen starben beim Bar-Inferno in Crans-Montana. Noch sind viele Fragen ungeklärt. Etwa, wie es zum verheerenden Brand kommen konnte.
Foto: AFP

Darum gehts

  • 40 Tote und 116 Verletzte bei Brand in Bar Le Constellation in Crans-Montana
  • Immer mehr Auffälligkeiten in der Vergangenheit der Barbetreiber tauchen auf
  • Bar seit 2019 nicht kontrolliert; Strafuntersuchung wegen fahrlässiger Tötung
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Sandra MarschnerRedaktorin News-Desk

Aus einer Nacht des Feierns wurde ein Alptraum. In der Silvesternacht verloren 40 junge Menschen bei einer Brandkatastrophe in der Bar Le Constellation in Crans-Montana VS ihr Leben. 116 Menschen wurden teils schwer verletzt.

Gegen das Betreiberpaar der Inferno-Bar wurde eine Strafuntersuchung wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung sowie fahrlässigem Verursachen einer Feuersbrunst eingeleitet. Derweil kommen immer mehr Auffälligkeiten aus ihrer Vergangenheit ans Licht. Weitere Mängel im Schutzkonzept der Bar treten zu Vorschein. Blick hat für dich den Überblick. 

Das ist über das Betreiberpaar bekannt

Die Bar Le Constellation gehört dem französischen Ehepaar Jacques (49) und Jessica Moretti (40). 2015 zog das Paar ins Wallis und übernahm das Lokal. Die Bar renovierten sie selbst. Sie halbierten die Treppe vom Unter- ins Erdgeschoss und verkleideten den Barkeller mit offenbar billigem Schallschutzschaum. Bei einer ersten Befragung am Freitag erklärte Bar-Betreiber Jacques Moretti, den Schaumstoff an der Decke selbst mit einer Variante aus dem Baumarkt ausgetauscht zu haben, wie RTS berichtete. 

Auch die Vergangenheit der Betreiber rückt immer mehr in den Fokus. Jacques Moretti sass in Frankreich bereits wegen Zuhälterei im Gefängnis. Noch ist unklar, wie Moretti trotz Vorstrafen überhaupt eine Wirtelizenz im Wallis erhalten konnte. 

Doch auch für die Walliser Justiz ist Moretti kein unbeschriebenes Blatt. 2020 kaufte sich das Betreiberpaar, kurz nachdem es einen Covid-19-Überbrückungskredit erhalten hatte, einen Maserati, wie der «Tagesanzeiger» berichtet. Da das Luxusfahrzeug jedoch als Geschäftsfahrzeug verbucht worden war, lag hier keine Straftat vor. 

Das Luxus-Imperium der Inferno-Wirte

Das Betreiberpaar des Le Constellation kaufte sich im Walliser Luxus-Ferienort Crans-Montana und in der Umgebung in kurzer Zeit ein kleines Immo-Imperium zusammen. Neben dem Le Constellation führten die Morettis noch zwei weitere Lokale im Wallis. Zudem besitzen sie mehrere Einfamilienhäuser. 

Wie das Nachrichtenportal «Inside Paradeplatz» schreibt, sind sowohl die Gastrobetriebe als auch die Häuser mit eigenen Mitteln finanziert. Im Grundbuch sind keine Hypotheken aufgeführt. Der Franzose Sébastien Fanti, Anwalt von zwei Brandopfern, hält das schnelle Vermögenswachstum der Morettis für unheimlich. Gegenüber «Le Parisien» sagte er: «Er war zuerst nur Restaurantleiter, nicht von Anfang an Besitzer. Dann plötzlich kaufte er für über drei Millionen Franken Immobilien, ohne einen Rappen Kredit aufzunehmen.»

Doch trotz Luxus-Image: In der Bar Le Constellation sollen billiger Wodka und billiges Bier in Flaschen und Dosen teurerer Marken umgefüllt worden sein, wie ein ehemaliger Mitarbeiter gegenüber «France Télévision» auspackte. 

Das wissen wir zur Strafuntersuchung

Am Freitag wurde das Betreiberpaar erstmals verhört. Kurz darauf kam Jacques Moretti wegen möglicher Fluchtgefahr in Polizeigewahrsam. Ein Antrag auf Untersuchungshaft wurde gestellt. Seine Frau befindet sich weiterhin auf freiem Fuss. 

Nach Angaben von RTS erklärte Jacques Moretti, dass die im Erdgeschoss gelegene Servicetür während der Brandkatastrophe von innen verriegelt gewesen sei. Dieser Aspekt könnte die strafrechtliche Untersuchung in ein neues Licht rücken. Denn, sollten die Angeklagten bewusst das Risiko der verschlossenen Tür in Kauf genommen haben, könnte ihnen auch Eventualvorsatz vorgeworfen werden. Diese Beurteilung liegt nun jedoch bei der Staatsanwaltschaft. 

Erkannte niemand die Gefahr?

Auch zu den Wunderkerzen wurde das Betreiberpaar befragt. Diese waren in der Silvesternacht an Champagnerflaschen befestigt worden und gelten als Brandursache. «Wir machen das seit zehn Jahren, es gab nie Probleme», zitiert «Le Monde» eine Aussage von Jacques Moretti. Es sei zwar nicht «unmöglich», dass die Kerzen den Brand verursacht hätten, aber er glaube, «es muss noch etwas anderes geben», so der Wirt. Weiter beteuerte Moretti, die Wunderkerzen seien «nicht stark genug gewesen, um den Akustikschaumstoff zu entzünden. Ich habe Tests durchgeführt». 

Brisantes Wunderkerzen-Video von 2019 aufgetaucht
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Mitarbeiter warnte die Gäste:Brisantes Wunderkerzen-Video von 2019 aufgetaucht

Ein Video aus der Silvesternacht 2019 im Le Constellation zeigt jedoch: Bereits damals warnte ein Kellner Gäste der Bar vor dem Schaumstoff an der Decke, als diese die Wunderkerzen nach oben hielten. 

Auch gegen die Gemeinde Crans-Montana hat die Walliser Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufgenommen, wie der italienische Sender Sky TG24 berichtet. Im Fokus der Untersuchungen stehen vor allem Verantwortlichkeit und Zuständigkeit im Bereich der Brandschutzkontrollen. Denn obwohl per Gesetz eine jährliche Kontrolle vorgeschrieben ist, wurde das Lokal seit 2019 nicht mehr kontrolliert.

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