Flickenteppich beim Brandschutz
Kontrollen bei Brandschutz sind kantonaler Flickenteppich

Der Kantonsvergleich zeigt, dass die Walliser Vorgaben streng sind – aber nicht umgesetzt wurden. Politiker fordern nun schweizweit einheitliche Regeln.
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Nach dem Inferno in der Bar Le Constellation in Crans-Montana stellen sich zahlreiche Fragen.

Darum gehts

  • Brandkatastrophe in Crans-Montana fordert 40 Tote und 116 Verletzte
  • Gemeinde versäumte jahrelang vorgeschriebene Brandschutzkontrollen, letzte 2019 durchgeführt
  • Kontrollintervalle von einem Jahr über 5 bis 10 Jahre hin zu Stichproben
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.

40 Tote und 116 zum Teil Schwerverletzte – die Brandkatastrophe von Crans-Montana VS erschüttert die Schweiz und weit darüber hinaus. In der Kritik steht auch die Gemeinde, die einräumen musste, jahrelang vorschriftsmässige Brandschutz-Kontrollen nicht durchgeführt zu haben. Zuletzt sei die Bar Le Constellation 2019 überprüft worden. Obwohl die kantonale Verordnung jährliche Kontrollen vorschreibt.

Diese Brandschutzvorschriften gelten schweizweit. Für ihre Umsetzung und Kontrolle sind die Kantone und Gemeinden verantwortlich. Das aber führt zu einem regelrechten Flickenteppich: Wer kontrolliert, wie oft und mit welcher Qualität, unterscheidet sich stark. Dabei zählen die Walliser Vorschriften im schweizweiten Vergleich sogar zu den strengsten, wie ein Blick in andere Kantone zeigt.

Bern

Im Kanton Bern gibt es keine starre, gesetzlich fixierte Kontrollhäufigkeit. Die Gebäudeversicherung legt diese risikobasiert fest. Für Lokale mit hoher Personenbelegung wie Bars oder Clubs wird ein Kontrollintervall von fünf bis zehn Jahren angestrebt. Bei Lokalitäten in einem Untergeschoss kann das Intervall risikobasiert verkürzt werden. In sogenannten Trendlokalen sind zudem unangekündigte Kontrollen vorgesehen.

Schwyz

In Uri oder Schwyz gibt es wie im Wallis keine kantonale Gebäudeversicherung. Gebäude müssen jedoch obligatorisch gegen Feuer- und Elementarschäden bei privaten Anbietern versichert werden. Wie im Wallis sind die Schwyzer Gemeinden für die Einhaltung und Kontrolle der Brandschutzvorschriften zuständig. Bei bestehenden Bauten erfolgen die Kontrollen stichprobenweise. Priorität haben dabei Lokale, in denen Mängel vermutet werden oder in der Vergangenheit Unregelmässigkeiten festgestellt wurden. Fest vorgegebene Kontrollintervalle gibt es nicht.

Zürich

Im Kanton Zürich gibt die kantonale Gebäudeversicherung die Kontrollintervalle nach dem Gefährdungspotenzial und der Personenbelegung vor. Die Kontrollen werden von der kantonalen Gebäudeversicherung oder den Gemeinden durchgeführt. Für Discos und Dancings für über 300 Personen gilt ein 2-Jahres-Kontrollturnus durch die Gebäudeversicherung, bei kleineren Lokalitäten ein 4-Jahres-Intervall. In der Stadt Zürich mit der höchsten Dichte an Clubs und Bars führte die städtische Feuerpolizei letztes Jahr über 600 Kontrollen durch. Zudem fand bei über 1000 Neu- und Umbauten eine Schlussabnahme statt.

Regelmässige Kontrollen in Zürcher Lokalen

Wie steht es um den Brandschutz im Zürcher Nachtleben? Nachfragen von Keystone-SDA bei mehreren Konzert- und Partylokalen in Zürich und Winterthur ergaben: Kontrollen zum Brandschutz finden regelmässig statt. «Die letzte periodische Kontrolle hatten wir im November 2025», teilte ein Sprecher des Gaswerks in Winterthur mit. Ende Oktober war dies im Salzhaus in Winterthur der Fall, im Exil in Zürich im August. In der Regel kontrolliere die Feuerpolizei jährlich regulär, teilte ein Sprecher des Exils mit.

Eine Sprecherin der Sozialen Dienste der Stadt Zürich, bei denen das Jugendkulturhaus Dynamo angesiedelt ist, sprach von «regelmässigen Kontrollen». Auch unangekündigte Kontrollen würden immer wieder durchgeführt, hiess es. Fokus der unangekündigten Kontrollen sind die Fluchtwege und die Einhaltung der maximalen Personenzahl, wie die Befragten sagten.

Wie steht es um den Brandschutz im Zürcher Nachtleben? Nachfragen von Keystone-SDA bei mehreren Konzert- und Partylokalen in Zürich und Winterthur ergaben: Kontrollen zum Brandschutz finden regelmässig statt. «Die letzte periodische Kontrolle hatten wir im November 2025», teilte ein Sprecher des Gaswerks in Winterthur mit. Ende Oktober war dies im Salzhaus in Winterthur der Fall, im Exil in Zürich im August. In der Regel kontrolliere die Feuerpolizei jährlich regulär, teilte ein Sprecher des Exils mit.

Eine Sprecherin der Sozialen Dienste der Stadt Zürich, bei denen das Jugendkulturhaus Dynamo angesiedelt ist, sprach von «regelmässigen Kontrollen». Auch unangekündigte Kontrollen würden immer wieder durchgeführt, hiess es. Fokus der unangekündigten Kontrollen sind die Fluchtwege und die Einhaltung der maximalen Personenzahl, wie die Befragten sagten.

St. Gallen

Die kantonale Gebäudeversicherung sieht gemäss Feuerschutzverordnung alle fünf Jahre periodische Kontrollen von Gebäuden mit Räumen mit einer grossen Personenbelegung vor. Daneben sind auch stichprobenartige Kontrollen möglich.

Forderungen der Politik

Der Flickenteppich bei Umsetzung und Kontrolle der nationalen Brandschutzvorschriften ruft nun auch die Politik auf den Plan. So fordert SP-Nationalrat David Roth (40) klare nationale Vorgaben zur Qualität und zur Häufigkeit der Kontrollen. Entscheidend sei nicht, wer kontrolliere, sondern dass die Kontrollen transparent, nachvollziehbar und überprüfbar seien, sagt er gegenüber der «Tagesschau» von Fernsehen SRF.

Es sei zu klären, ob es zu wenig Kontrollen gebe, ergänzt LDP-Nationalrätin Patricia von Falkenstein (64). Oft fehle es an Personal und finanziellen Mitteln: «Dann muss man dort einsetzen und diese Kontrollen ermöglichen. Und es braucht vielleicht mehr Personal und es braucht eben mehr Geld, um dieses Personal anstellen zu können.»

Ob eine obligatorische kantonale Gebäudeversicherung schweizweit eingeführt werden soll, ist politisch umstritten. Das Wallis hat sich bisher stets dagegen gewehrt. Nationalrätin von Falkenstein betont gegenüber SRF die kantonale Zuständigkeit, sieht aber Vorteile in einer Gebäudeversicherung, die verschiedene Aufgaben bündelt.

Roth dagegen steht für eine nationale Lösung ein: «Eine öffentliche Gebäudeversicherung garantiert eben nicht nur, dass Schäden gedeckt werden, sondern auch, dass Schäden präventiv vermieden werden», sagt er. «Und das scheint mir richtig zu sein und das muss unbedingt auch eingeführt werden.»

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