Darum gehts
- Nach Crans-Montana sei Planung im Gesundheitswesen zu überprüfen
- In Schweizer Spitälern gibt es nicht genügend Plätze für so viele Brandopfer
- Kritik: «Es fehlt an Willen und Ressourcen, in diesen Bereich zu investieren»
40 Tote und 116 zum Teil Schwerverletzte – die Brandkatastrophe von Crans-Montana VS erschüttert die Schweiz und weit darüber hinaus. Und es stellt sich die Frage nach den Folgen.
«Wir müssen dieses tragische Ereignis zum Anlass nehmen, unsere eigene Planung zu überprüfen», sagt Lukas Engelberger (50). Für den Präsidenten der kantonalen Gesundheitsdirektoren ist klar: «Wir müssen überlegen, ob man allenfalls Dinge anders machen kann und ob es eine Verstärkung braucht.»
Kleines Land könne das «nicht selber stemmen»
In der verheerenden Silvesternacht habe die Erstversorgung gut funktioniert. Doch habe sich rasch herausgestellt, dass es in Schweizer Spitälern nicht genügend Plätze für Brandopfer gibt, die intensivste Betreuung benötigen. 46 Brandopfer mussten deshalb ins Ausland gebracht werden.
Eine so grosse Zahl von Schwerverletzten könne ein kleines Land wie die Schweiz «nicht selber stemmen», betont der Basler Gesundheitsdirektor Engelberger in der «Samstagsrundschau» von Radio SRF. «So ehrlich muss man sein.»
Man habe schon vor Crans-Montana erkannt, dass es Szenarien gebe, die das Gesundheitswesen besonders fordern könnten. Engelberger nennt etwa Naturkatastrophen wie schwere Erdbeben oder eine erneute Pandemie. Daher werde nun im Rahmen des «Nationalen Verbunds Katastrophenmedizin» (Katamed) ein Aktionsplan erarbeitet.
«Es fehlt an Willen und Ressourcen»
Der Verbund hatte kritisiert, dass die Fähigkeiten des Schweizer Gesundheitswesens zur Bewältigung von Ausnahmesituationen «unzureichend» seien, wie SRF weiter berichtet. «Es fehlt an Willen und Ressourcen, in diesen Bereich zu investieren», hielten die Katamed-Verantwortlichen in einem Bericht fest.
Engelberger räumt Handlungsbedarf ein. Gleichzeitig betont er, dass man auch «demütig» bleiben müsse. Es gebe Szenarien wie schwere Erdbeben, die ohne internationale Solidarität schlicht nicht zu bewältigen seien: «Es würde derart viele Vorhalteleistungen verlangen, wenn man sich das Ziel setzen würde, alle Verletzten in der Schweiz behandeln zu können, dass man für sehr viel anderes keine Kapazität mehr hätte.»
Zudem weist der GDK-Präsident darauf hin, dass eine Verbesserung bei der Vorbereitung von Katastrophen hohe Kosten verursachen werde. «Das hat seinen Preis», hält er fest.