«Das hat mich fürs Leben geprägt»
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Bregy nach Trauerfeier:«Das hat mich fürs Leben geprägt»

Emotionale SRF-«Arena» zu Crans-Montana
«Die betroffenen Familien werden das nie verarbeiten können»

In der SRF-«Arena» diskutierten die Parteispitzen über die Tragödie in Crans-Montana. Das geschah noch mit viel Zurückhaltung und Trauer – trotzdem liessen die Anwesenden die politischen Fronten durchscheinen.
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In der SRF-«Arena» zur Tragödie in Crans-Montana wurde vor allem viel getrauert.
Foto: Screenshot SRF

Darum gehts

  • Nach Brand in Crans-Montana: Politiker diskutieren in der SRF-«Arena»
  • SVP-Matter nennt Katastrophe «menschengemachte Tragödie», fordert lückenlose Aufarbeitung
  • Mitte-Chef Bregy: «Betroffene können es nie verarbeiten», ruft zu Solidarität auf
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Joschka SchaffnerRedaktor Politik

Nach dem tragischen Brand in Crans-Montana VS verharrte die Schweizer Politik in einer Schockstarre. Forderungen nach einer obligatorischen Gebäudeversicherung oder einem verstärkten Brandschutz wurden nur sehr zögerlich geäussert. Zu gross war die Angst, als Trittbrettfahrer zu gelten.

So zeigte sich auch die SRF-«Arena» zur Tragödie eher als emotionale Gratwanderung statt politischer Schlagabtausch. Am nationalen Trauertag diskutierten die Parteispitzen der SP, Mitte, FDP und SVP nur andächtig darüber, welche Lehren aus dem Inferno gezogen werden sollen. Dennoch: Erste Spannungsfelder wurden bereits sichtbar.

Grosse emotionale Reaktionen

Mitte-Präsident Philipp Matthias Bregy (47) kam direkt von der Trauerzeremonie in Martigny VS ins Studio. «Ich habe noch nie einen Ort erlebt, mit so viel Trauer auf einem Fleck», sagte er. Und auch FDP-Co-Präsidentin Susanne Vincenz-Stauffacher (58), SP-Co-Präsident Cédric Wermuth (39) und SVP-Vize Thomas Matter (59) drückten aus, wie sie die Tragödie und die Gedenkfeier emotional berührten.

«Mir wurde fast schlecht, als ich am 1. Januar davon erfuhr», sagte etwa SVP-Matter. Für ihn steht fest: Das Drama war kein Schicksalsschlag, sondern eine «menschengemachte Tragödie». Klar war daher auch für alle Anwesenden: Die Aufarbeitung müsse lückenlos passieren.

«Ich will wissen, wer verantwortlich ist», sagte Wermuth stellvertretend für alle. «Wir müssen jedes Blatt umdrehen», unterstrich Bregy. Die Frage, ob andere Zuständigkeiten eine solche Tragödie verhindert hätten, bleibt vorerst unbeantwortet.

Zurückhaltende Diskussion

Dann kam es doch noch zu so etwas wie einer Diskussion. Bei den Rufen nach einem verschärften Brandschutz warnte Vincenz-Stauffacher vor voreiligem Aktionismus. Stattdessen müsse vor allem die bestehende Gesetzgebung konsequenter umgesetzt werden. «Die Regelung ist eine Sache, aber die Umsetzung ist viel entscheidender», stimmte Bregy zu.

Als SP-Wermuth zudem darauf hinwies, dass die SP seit Jahrzehnten für obligatorische kantonale Gebäudeversicherungen in der ganzen Schweiz eintrete, kam Gegenwehr von SVP-Seite: Partei-Vize Matter plädierte stattdessen für die Vorteile von föderalen Zuständigkeiten. «Normalerweise ist die Gemeinde selbst näher an der Sache als irgendein Beamter aus der Hauptstadt», so Matter.

«Betroffene werden es nie verarbeiten»

Sowieso plädierte Matter besonders auf die Eigenverantwortung. Bei der Frage nach einem nationalen Sonderfonds, um die Verletzten und deren Familien finanziell zu entlasten, machte er sich für private Unterstützungsleistungen stark. Und FDP-Co-Chefin Vincenz-Stauffacher verwies auf bestehende Instrumente. Währenddessen sprachen sich Wermuth und Bregy klar für einen solchen Fonds aus.

Nach den Unstimmigkeiten ging es zum Schluss der Sendung wieder zur Andacht. «Die betroffenen Familien werden das nie verarbeiten können», sagte Mitte-Chef Bregy abschliessend. Als Gesellschaft könne man aber zwei Sachen beitragen: langfristige Solidarität – und hoffentlich irgendwann klare Antworten.

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