So kam es zum Drama in Crans-Montana
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Feuer-Hölle in Bar:So kam es zum Drama in Crans-Montana

Ein Ruck geht durch die Schweiz
Behörden verschärfen Brandschutz-Kontrollen

Nach dem verheerenden Brand in Crans-Montana reagieren Behörden im In- und Ausland. Gerade in der Gastrobranche sollen Sicherheitsvorkehrungen überprüft werden. Das scheint auch nötig zu sein, wie Zahlen zeigen.
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Nach dem Horrorbrand in Crans-Montana VS ist die Trauer gross.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

  • Tragödie in Crans-Montana: 40 Tote, 116 Verletzte, Sicherheitsfragen offen
  • Kantone stoppen geplante Brandschutz-Lockerung, Lausanne prüft 600 Gastrobetriebe
  • Aargau: Jährlich 900 Kontrollen, in fast jedem dritten Fall Mängel
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Daniel BallmerRedaktor Politik

Der Schock sitzt tief. 40 Tote, 116 Verletzte – die Tragödie von Crans-Montana VS wühlt die Menschen auf, im ganzen Land und weit darüber hinaus. Die Brandkatastrophe in der Bar Le Constellation wirft nach wie vor viele Fragen auf. Rasch wurde der Ruf nach Massnahmen laut.

Und tatsächlich gehen erste Behörden über die Bücher. So hat etwa der Walliser Staatsrat am Dienstag alle Gemeinden aufgefordert, jede öffentlich zugängliche Einrichtung zu kontaktieren, um deren interne Verfahren, die Ausbildung ihres Personals sowie die derzeit bestehenden Sicherheitsvorkehrungen zu überprüfen. Die Kantonsregierung mahnt, dass diese Einrichtungen wirklich regelmässig von einem Brandschutzfachmann überprüft werden müssen. Notfalls seien Massnahmen zu ergreifen, um jedes Risiko für Personen und Infrastrukturen zu vermeiden.

«Hundertprozentige Sicherheit wird es nie geben»

Über die Bücher gehen etwa die Basler Fasnächtler. Viele würden die Sicherheitsvorkehrungen in ihren Kellerlokalen überprüfen, berichtet die «Basler Zeitung». In den zum Teil jahrhundertealten Gemäuern verfügten viele Cliquenkeller über Feuerlöscher, Notbeleuchtungen und teilweise zweite Fluchtwege. Zudem gelte ein striktes Rauchverbot, es dürften keine Kerzen angezündet werden. Bei Grossandrang würden Sicherheitsleute die maximale Personenzahl kontrollieren.

Auch bei den Fasnächtlern in Biel BE gibt es dieses Jahr wohl kein «business as usual». Nach der Walliser Tragödie würden die Verantwortlichen die Sicherheitsvorkehrungen noch einmal gründlich überprüfen, schreibt das «Bieler Tagblatt». Standbetreibern werde eingebläut, wie mit Gasgrills und Deko-Material umzugehen sei. Zuletzt muss die kantonale Gebäudeversicherung grünes Licht geben. Den Verantwortlichen sei aber klar: «Eine hundertprozentige Sicherheit wird es niemals geben.» Die Stadt setze daher vorab auf Sensibilisierung von Gastrobetrieben und Bevölkerung.

Die Stadt Lausanne fordert per Mail rund 600 Gastrobetriebe auf, ihre Sicherheits- und Brandschutzkonzepte zu überprüfen, wie das Westschweizer Fernsehen RTS berichtete. Das betreffe Hotels, Diskotheken, Bars und Restaurants. Zudem haben die Kantone beschlossen, die geplante Lockerung des Brandschutzes vorerst auf Eis zu legen. 

Vor den Ski-Weltcuprennen wollen auch die Berner Oberländer Gemeinden Adelboden und Lauterbrunnen die Sicherheit ihrer Gastrobetriebe überprüfen. Man habe die Betriebe gezielt sensibilisiert, die geltenden brandschutzrelevanten Vorschriften konsequent einzuhalten. Im Fokus stünden etwa die Signalisierung von Notausgängen und dass diese jederzeit freigehalten sind.

In fast jedem dritten Fall Mängel festgestellt

Und sogar der Polizeipräfekt der französischen Hauptstadt Paris kündigte in einem Schreiben an die Gastro- und Nachtclub-Branche Kontrollen an. Die Einhaltung von Sicherheitsvorschriften in öffentlich zugänglichen Einrichtungen, insbesondere Nachtlokalen, solle sichergestellt werden.

Auch Tschechiens Regierungschef Andrej Babis (71) kündigte Brandschutz-Kontrollen ähnlicher Einrichtungen in seinem Land an. Unter den Verletzten von Crans-Montana ist auch eine Tschechin.

Dass immer wieder Mängel auftreten, zeigen etwa die Brandschutz-Kontrollen der Aargauer Gebäudeversicherung. Rund 900 Betriebe würden jährlich überprüft. In fast jedem dritten Fall würden Mängel festgestellt, schreibt die «Aargauer Zeitung». Wo es um die Sicherheit von Menschenleben gehe, würden Sofortmassnahmen verfügt. Nutzungsverbote hingegen würden nur in gravierenden Fällen verordnet. In den vergangenen fünf Jahren sei es nie dazu gekommen.

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