So kam es zum Drama in Crans-Montana
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Feuer-Hölle in Bar:So kam es zum Drama in Crans-Montana

Brand-Tragödie in Crans-Montana
Selbst aus den USA hagelt es Kritik an den Walliser Behörden

«Vermeidbare Gefahren» – nach dem verheerenden Brand in Crans-Montana gehen US-Medien hart ins Gericht mit der Schweiz. Sie berichten über zahlreiche Versäumnisse der Besitzer und der Behörden.
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Nach dem Inferno in Crans-Montana VS mit 40 Toten regieren in der Walliser Bevölkerung Trauer und Wut.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

  • Brand in Bar «Le Constellation» in Crans-Montana forderte 40 Todesopfer
  • Mangelhafte Brandschutzkontrollen und nicht regelkonforme Baumaterialien wurden festgestellt
  • Neun Opfer waren Franzosen, 23 weitere französische Personen wurden verletzt
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Joschka SchaffnerRedaktor Politik

Trauer, Schock, Konsternation – die internationalen Medien schauen nach dem katastrophalen Brand in der Bar «Le Constellation» mit verschiedensten Emotionen nach Crans-Montana VS. In den Nachbarländern werden die Verstorbenen und Verletzten porträtiert, in Reportagen die Verzweiflung und Wut vor Ort eingefangen.

Die zwei grossen Fragen, die dabei bis über den Atlantik hallen: Wie konnte das nur passieren? Und wer trägt die Schuld? Während sich hierzulande Politik und Behörden weiterhin nur vorsichtig äussern, ist man im Ausland schockiert über die offenbar laschen Brandschutzkontrollen im Wallis.

Video zeigt brennende Decke in der Bar
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Feuer in Crans-Montana:Video zeigt brennende Decke in der Bar

Anteilnahme und etwas Kritik aus der ausländischen Politik

Zwar kommt aus den Nachbarländern vornehmlich Anteilnahme. Der italienische Aussenminister Antonio Tajani (72) reiste nach der Horror-Nacht nach Crans-Montana, seine Ministerpräsidentin Giorgia Meloni (48) sprach ihr Mitgefühl aus. Der israelische Präsident Isaac Herzog (65) bot sofort Israels Hilfe bei der Identifizierung der Opfer an. Und der französische Präsident Emmanuel Macron (48) wird am Freitag in die Schweiz reisen, um am nationalen Trauertag teilzunehmen.

Besonders aus Melonis Kabinett kommen jedoch auch kritische Stimmen: Vize-Ministerpräsident Matteo Salvini (52), Chef der rechtspopulistischen Lega-Partei, fordert harte Konsequenzen für die Verantwortlichen der Tragödie – aus seiner Sicht sowohl Betreiber als auch Behörden.

Stichwort Behördenversagen? Bis diese Frage geklärt ist, werde es wohl zu einem jahrelangen Rechtsstreit zwischen den Bar-Besitzern und der Gemeinde kommen, so der deutsche «Spiegel». Sowohl in Schweizer als auch ausländischen Medien sind sich Experten jedoch bereits einig: Die im Lokal eingesetzten Dämmmaterialien waren alles andere als regelkonform. Und auch die Fluchtwege schienen nicht den gängigen Vorschriften entsprochen zu haben.

Weshalb wurde die Bar zur «Todesfalle»?

«Wie konnte es gerade hier passieren, in der Schweiz, dem Land der Ordnung und der Regeln?», fragt «Der Spiegel» drei Tage nach der Katastrophe. Gleich mehrere Wirte aus Crans-Montana äussern sich anonym gegenüber dem deutschen Magazin: Die Brandschutzkontrollen seien viel seltener durchgeführt worden, als Gemeindepräsident Nicolas Féraud behauptete.

Noch am Donnerstag sagte Féraud vor den Medien, dass diese in der Walliser Gemeinde «jährlich oder zweijährlich» stattfinden würden. Selbst «Le Constellation»-Wirt Jacques Moretti widersprach den Aussagen des Gemeindepräsidenten bereits: Er sei in den letzten zehn Jahren dreimal kontrolliert worden, sagte er nach dem Inferno gegenüber den Tamedia-Zeitungen.

Wäre besser kontrolliert worden, hätte die Tragödie verhindert werden können. So tönt es auch aus den USA. Es habe zahlreiche «vermeidbare Gefahren» gegeben, die die Walliser Bar in eine «Todesfalle» verwandelten, schreibt etwa die «New York Times». Dabei ginge es um ähnliche Sicherheitslücken wie bei vergangenen Katastrophen in den USA oder Brasilien, bei denen 2003 und 2013 Hunderte Personen verstarben.

«Kauft LEDs!»

«Es ist eine Lektion, die wir bereits vor Jahrzehnten hätten lernen müssen, aber weiterhin wiederholen», wird ein amerikanischer Brandschutzexperte in der New Yorker Zeitung zitiert. Und ein Schweizer Experte fügt an: «Ein solcher Unfall wäre mit den Schweizer Normen nicht möglich.» Doch diese seien offensichtlich nicht angewendet worden.

Dabei im Fokus sind auch die Wunderkerzen, die mutmasslich den Brand verursachten. Die französische Tageszeitung «Le Monde» zitiert dabei den Inhaber eines Nachtclubs in Lyon, der nach der Katastrophe sogleich zum Telefon griff. Er schrieb all seinen Kontakten in der Nachtclubbranche: «Kauft LEDs! Da gibt es keinen Spielraum für Verhandlungen!»

Neun der 40 verstorbenen Personen in Crans-Montana waren französische Staatsbürger, 23 weitere Französinnen und Franzosen wurden verletzt. Zwar kritisieren auch die französischen Medien die klaffenden Lücken bei der Brandschutzkontrolle. Gleichzeitig richtet sich der Blick auch nach innen.

Frankreich erlebte bereits sein eigenes Crans-Montana

«Könnte sich eine solche Tragödie in Frankreich wiederholen?», fragt etwa «Le Monde». Auch in der Grande Nation gebe es weiterhin grossen Nachholbedarf, so Experten. Und dies, obwohl das Land bereits vor rund zehn Jahren etwas Ähnliches erlebte: 2016 brannte es im Keller eines Nachtclubs in Rouen. Vierzehn Menschen starben an einer Rauchvergiftung, die meisten von ihnen zwischen 18 und 25 Jahre alt. Geburtstagskerzen hatten einen mit Polyurethanschaum ausgekleideten Raum entzündet – es ist dasselbe Material wie im Wallis.

In Rouen wurden anschliessend zahlreiche Regelverstösse festgestellt. Der französische Staat verschärfte die Kontrollen, zahlreiche Nachtlokale mussten schliessen. Ob die Schweizer Politik mit ihrer Katastrophe ähnlich umgeht, wird sich noch zeigen.

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