Darum gehts
- Silvesterbrand in Crans-Montana fordert 40 Tote und 119 Schwerverletzte
- Gemeinden im Wallis verantwortlich für Brandschutz, keine obligatorische Gebäudeversicherung
- Barbetreiber berichtet von nur drei Kontrollen in zehn Jahren
Die verheerende Brandkatastrophe in Crans-Montana VS wirft Fragen auf: Wie kann es sein, dass eine Silvesternacht in einer Bar 40 Tote und 119 Schwerverletzte fordert? Das müssen die Behörden nun klären.
Die Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis hat eine Strafuntersuchung gegen das Betreiber-Paar der Bar «Le Constellation» eröffnet. Denkbar ist zudem, dass auch die Gemeinde selbst in den Fokus der Ermittlungen rückt. Anders als in den meisten anderen Kantonen sind im Wallis die Gemeinden zuständig für die Brandschutzkontrollen. Jede Gemeinde ernennt dazu einen Sicherheitsbeauftragten, da es keine obligatorische Gebäudeversicherung gibt, die die Kontrollen überwacht.
Parlament entscheidet vielleicht schon im März
Damit kocht zugleich eine uralte Debatte wieder auf. Braucht das Wallis eine obligatorische Gebäudeversicherung? Seit Jahrzehnten setzt sich die Linke im Wallis für deren Einführung ein – bisher erfolglos. Die Bürgerlichen schmetterten das Anliegen wiederholt ab. Eines der zentralen Argumente der Linken: Die Gebäudeversicherungen investieren erfahrungsgemäss stark in Prävention, weil sie bei Schäden selbst aufkommen müssen.
Das Anliegen dürfte nun neuen Schwung erhalten – und allenfalls sogar national zum Thema werden. SP-Nationalrat Ueli Schmezer (64) hat im Sommer einen Vorstoss zu staatlichen Gebäudeversicherungen eingereicht. Nach der Silvestertragödie sagt er: «Es muss dringend geprüft werden, ob eine obligatorische Gebäudeversicherung zu besserem Brandschutz geführt hätte. Wenn ja, müssten die Kantone handeln. Und der Bund müsste Druck machen, wenn die betroffenen Kantone weiterhin keine obligatorische kantonale Versicherung einführen.»
Dazu hat das Kantonsparlament schon bald die Chance. Nach dem Bergsturz in Blatten VS im vergangenen Mai hat die Walliser SP-Grossrätin Silvia Eyer (40) einen Vorstoss eingereicht, um eine kantonale Gebäudeversicherung zu fordern. Schon im März könnte er im Kantonsparlament behandelt werden. In einer Stellungnahme der SP Oberwallis, die Blick vorliegt, heisst es: «Wir sind überzeugt: Das Walliser System bei der Gebäudeversicherung und beim Brandschutz muss geändert werden.» Die Kantonalisierung der Brandschutzkontrollen würde Gemeinden entlasten, Interessenkonflikte reduzieren und eine weitergehende Professionalisierung ermöglichen. «Eine solche Tragödie darf sich auf keinen Fall wiederholen.»
Kontrollen von Gemeinden «potenziell problematisch»
Schmezer sieht in einer obligatorischen Gebäudeversicherung mehrere Vorteile. Kantonale Versicherungen hätten einen «sehr direkten Umgang» mit den Eigentümerinnen und Eigentümern der versicherten Objekte. Sie könnten mit der Androhung von höheren Prämien Druck auf nachlässige Eigentümer ausüben. Und sie investierten in Prävention.
«Wenn Gemeinden die Brandschutzkontrollen übernehmen, kann das potenziell problematisch sein», so Schmezer. «Das muss nicht aus bösem Willen geschehen, sondern kann auch auf Überforderung zurückzuführen sein – etwa wenn die zuständige Person in der Verwaltung bereits mit zu vielen anderen Aufgaben belastet ist.»
Erste Äusserungen des Barbetreibers Jacques Moretti (49) lassen zumindest Zweifel daran aufkommen, dass bei den Brandschutzkontrollen alles korrekt verlaufen ist. Moretti sagte gegenüber den Tamedia-Zeitungen, dass die Bar in den vergangenen zehn Jahren dreimal von den Behörden kontrolliert worden sei. Trifft die unbestätigte Aussage zu, wäre dies delikat. Denn für öffentlich zugängliche Gebäude wären jährliche Kontrollen vorgesehen.
Ganzer äussert Zweifel am System
Auch der Walliser Sicherheitsdirektor Stéphane Ganzer (50) scheint Bedenken am Walliser System zu haben. «Ich bin zwar der Meinung, dass die meisten Gemeinden diese Kontrollen korrekt ausführen», sagte er laut dem «Walliser Boten» an der Medienkonferenz vom Freitag. «Doch müssen wir uns fragen, ob es nach diesem Ereignis eine Gesetzesänderung braucht.»
Schon vor seinem Amtsantritt als Sicherheitsdirektor im März 2025 beschäftigte sich Ganzer als Grossrat mit dem Thema. Er verlangte, dass das kantonale Amt für Feuerwesen mehr Geld von privaten Versicherungen erhält. Das Amt koordiniert unter anderem die Brandschutzkontrollen der Gemeinden. Auch die materielle Ausstattung der Gemeinden solle ausgebaut werden, forderte er gemeinsam mit zwei anderen Parlamentariern im Vorstoss.