Leute in Bar tanzen und filmen statt zu flüchten
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Party trotz Flammen:Leute in Bar tanzen und filmen statt zu flüchten

Brisante Aussage des «Le Constellation»-Chefs
Wurde Inferno-Bar wirklich nur dreimal in zehn Jahren kontrolliert?

Die Brandkatastrophe in der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana VS wirft drängende Fragen auf: Wie gut wurden die Brandschutzvorschriften kontrolliert? Erste Aussagen des Bar-Betreibers stehen im Widerspruch zu den geltenden Regeln. Blick liefert den Überblick.
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Decke in Brand: Die Bar wurde zur tödlichen Falle.
Foto: zVg

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Verheerender Brand in der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana VS wirft Fragen auf
  • Bar wurde laut Betreiber-Aussagen nur dreimal in zehn Jahren kontrolliert
  • Vorschriften verlangen jährliche Inspektionen für öffentlich zugängliche Gebäude
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Die verheerende Brandkatastrophe in der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana VS erschüttert weit über die Schweiz hinaus. Nach bisherigen Erkenntnissen geriet eine leicht entzündliche Decken-Schaumdämmung durch Wunderkerzen in Brand.

Welche Brandschutzvorschriften gelten? Wie konsequent wurden sie vor Ort kontrolliert? Gab es zu wenig Notausgänge? Und weshalb wurde ein offenbar derart leicht entflammbares Deckenmaterial nicht als Gefahr eingestuft? Nun rücken Sicherheitsfragen in den Fokus – und Aussagen zeigen brisante Widersprüche. Blick liefert den Überblick.

Welche Vorschriften gelten im Wallis?

Wichtig zu wissen: Das Wallis verfolgt beim Brandschutz ein anderes System als die meisten Kantone. Verantwortlich sind an sich – wie sonst auch – die Eigentümer oder Betreiber. Auch inhaltlich entsprechen die Vorschriften jenen der übrigen Schweiz. Der Brandschutz liegt jedoch nicht beim Kanton, sondern bei den Gemeinden; der Kanton koordiniert und beaufsichtigt sie.

«Jede Gemeinde verfügt über einen Sicherheitsbeauftragten», erklärte Hugo Cina (70), der als Brandschutzexperte in der Walliser Gemeinde Salgesch tätig ist, gegenüber Blick. Dieser führe die Kontrollen entweder selbst durch oder delegiere sie an eine Brandschutzfachperson.

Wie oft wurde die Bar in Crans-Montana kontrolliert?

Klar ist: Auch Crans-Montana hat einen Brandschutzbeauftragten. Doch zur Frage, wann und wie oft die Bar «Le Constellation» kontrolliert wurde, haben sich die Behörden öffentlich bisher nicht näher geäussert. Gemeindepräsident Nicolas Féraud blieb dazu vage. Auf eine entsprechende Anfrage des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel» hat er ungehalten reagiert und an die Kantonspolizei verwiesen.

Und die kantonalen Behörden? Der zuständige Staatsrat, Sicherheitsvorsteher Stéphane Ganzer (50, FDP), betonte am Samstag: Die Gemeinde Crans-Montana habe in der Bar Kontrollen durchgeführt. Man verfüge über keine Meldungen über Mängel.

Gegenüber SRF sagte Ganzer auch, er sehe ein «grosses Problem» beim in der Bar verbauten Material. Er stellte die Möglichkeit in den Raum, dass vielleicht nach einer Kontrolle neue Renovationen ausgeführt und neues Material installiert worden sei. «Etwas hat nicht funktioniert und jemand hat einen Fehler gemacht», sagte er. «Da bin ich sicher.»

Der Betreiber der Bar, Jacques Moretti (49), sagte gegenüber den Tamedia-Zeitungen, dass die Bar in den vergangenen zehn Jahren dreimal von den Behörden kontrolliert worden sei. Es sei «alles vorschriftsmässig abgelaufen». Am Samstag gab die Walliser Staatsanwaltschaft bekannt, dass sie eine Strafuntersuchung gegen die Bar-Betreiber eröffnet.

Wie oft müsste die Bar kontrolliert werden?

Trifft die unbestätigte Aussage Morettis zu, wäre dies delikat. Gemäss den Walliser Vorschriften sind «periodische Inspektionen» zur Brandverhütung Pflicht. Sie müssen «alljährlich für Gebäude, die der Öffentlichkeit zugänglich sind oder die besondere Gefahren aufweisen», durchgeführt werden. So steht es in der «Verordnung betreffend Brandverhütungsmassnahmen».

«Öffentlich zugängliche Gebäude wie die Bar ‹Le Constellation› sind jährlich zu kontrollieren», bestätigte Brandschutzexperte Cina. Die Kontrollen erfolgen in Absprache mit den Eigentümern – denn diese tragen ja grundsätzlich die Verantwortung für den Brandschutz.

Zusammengefasst: Die Bar müsste jährlich kontrolliert werden, nicht nur dreimal in zehn Jahren, wie es der Betreiber sagte.

Wie gut ist das Walliser System?

Das Walliser «Vor-Ort-System» bei den periodischen Kontrollen ist stark vertrauensbasiert und basiert auf Nähe. Befürworter sind überzeugt, dass die Beauftragten in den Gemeinden dank der feinmaschigen Struktur näher dran sind – und sich so ein besseres Bild machen können. Kritiker hingegen sehen genau darin das Problem: Wenn jeder jeden kennt, könne Abhängigkeit entstehen – und die nötige Distanz verloren gehen.

Wie konsequent werden die periodischen Kontrollen durchgeführt? «Das ist abhängig von den Gemeinden», so der langjährige Brandschutzexperte Cina. «Es gibt solche, die nehmen das topseriös. Kleinere Gemeinden sind mit der Brandschutz-Administration überfordert – das muss man ehrlich sagen.»

Gastronomen aus anderen Regionen reagieren mit Verwunderung. «In Zürich wäre so etwas nicht möglich», sagte der Zürcher Gastro-Grossunternehmer Michel Péclard (57) gegenüber Blick. «Hier herrschen extreme feuerpolizeiliche Kontrollen», dreimal jährlich würden die Behörden unangekündigt bei ihm vorbeikommen – oder noch öfter.

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