Darum gehts
- Crans-Montana nach langer Talfahrt im Aufschwung
- Die Zeiten des Hotelsterbens sind hier vorbei
- Die Zunahme bei US-Gästen ist riesig
- Einst hässliches Architekturerbe mausert sich
Die Walliser Tourismusdestination Crans-Montana sorgt derzeit mit einer Tragödie international für Schlagzeilen: Mindestens 40 Menschen sind in der Silvesternacht bei einem Inferno in der Bar Le Constellation gestorben. 119 sind verletzt, zum grossen Teil schwer. Die Stimmung im Ort ist unwirklich: Es herrscht tiefe Trauer, während der Alltag weitergehen muss – irgendwie. Ein Alltag, der aktuell von der touristischen Hochsaison dominiert wird. Auch wenn die Gartenterrassen derzeit leerer sind als üblich zu dieser Jahreszeit.
Vor dem Winter herrschte in Crans-Montana noch Euphorie: Die Leistungsträger waren vor dem Saisonstart überzeugt, die positive Entwicklung fortzusetzen. In den letzten zwölf Monaten konnten die Hotels einen deutlichen Anstieg der Übernachtungen verzeichnen. Nachdem der US-Riese Vail Resorts vor gut zwei Jahren die Bergbahnen übernommen hatte, kehrte im Ort eine gewisse Aufbruchstimmung ein. Inzwischen schlägt sich das auch in den Zahlen nieder.
Bauboom und zweifelhafter Ruf
Dank Vail Resorts gewinnt Crans-Montana auch bei den US-Gästen immer mehr an Popularität. So stieg ihr Anteil an den Hotelübernachtungen innerhalb eines Jahres von 3 auf über 5 Prozent. Die grösste Gästegruppe sind jedoch die Schweizer, gefolgt von Franzosen und Italienern. Im Gegensatz zu den US-Gästen übernachten diese jedoch häufig in Ferienwohnungen – und davon gibt es in Crans-Montana unzählige.
Auf dem Gemeindegebiet finden sich gegen 10’000 Ferienwohnungen und Luxuschalets; in den 1960er- bis 1980er-Jahren hat das Plateau einen gewaltigen Bauboom erlebt. Grosse Appartementhäuser und Betonbauten wuchsen aus dem Boden und brachten der Gemeinde den zweifelhaften Ruf als einer der hässlichsten Orte der Schweiz ein.
Während die Baubranche boomte, erlebte die traditionsreiche Destination touristisch eine jahrzehntelange Talfahrt – mal ging es steil, mal weniger steil abwärts. Ab den 1990er-Jahren wurden Hotels – insgesamt mit über 2000 Betten – in Ferienwohnungen umgebaut. Über die Festtage oder während des European-Masters-Golfturniers war der Ort mit seinem Hang zum Luxus von Leben erfüllt. Dazwischen aber war die Gemeinde in Teilen völlig verlassen.
Neue Hotels und Läden öffnen
In der jüngsten Vergangenheit setzte jedoch langsam ein Aufwärtstrend ein. Neue Luxusläden von Bucherer, Loro Piana oder Ogier wurden eröffnet. Die Talsohle bei den Hotelbetten war durchschritten. In den letzten Jahren gab es spektakuläre Neueröffnungen oder Modernisierungen von Hotels, darunter das luxuriöse «Six Senses Crans-Montana», die «Alaïa Lodge» oder das «Faern Valaisia». Weitere Projekte befinden sich in der Pipeline. Inzwischen werden gar einstige Bausünden als architektonische Bereicherung wahrgenommen, die Crans-Montana als Destination einen ganz eigenen Charakter verleihen.
Aktuell rücken dieser positive Trend und die Übernachtungsstatistiken aber weit in den Hintergrund. Die Verarbeitung des Infernos wird dauern und Narben hinterlassen. Trotzdem reisen ab der ersten Januarwoche die neuen Gäste an. Dann sind es jeweils besonders viele aus Brasilien. Ende Januar macht der Skiweltcup in Crans-Montana halt – der Tragödie zum Trotz. Die Feiern rund um das Rennen dürften für einmal mau ausfallen.