«Das ist peinlich für die Schweiz»
0:34
Blocher zu Crans-Montana:«Das ist peinlich für die Schweiz»

Blocher zu Crans-Montana
«Ich schäme mich für die Schweiz»

Nach dem verheerenden Brand in Crans-Montana mit 40 Todesopfern kritisiert Christoph Blocher nicht nur die Schweiz scharf, sondern zeigt auch Verständnis für die Kritik aus Italien.
Kommentieren
1/5
Alt Bundesrat Christoph Blocher hält sich mit scharfen Worten zur Tragödie in Crans-Montana VS nicht zurück.
Foto: Thomas Meier

Darum gehts

  • Christoph Blocher kritisiert nach Crans-Montana-Tragödie Verlotterung der Zustände in Schweiz
  • Er fordert Bescheidenheit und Entschuldigung der Schweiz im Ausland
  • Feuerinferno forderte 40 Tote und 116 Verletzte in Crans-Montana
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.

Die Tragödie in Crans-Montana VS und die Kritik an der Schweiz scheinen auch SVP-Übervater Christoph Blocher (85) mächtig zu wurmen. Nach dem Feuerinferno von Crans-Montana mit 40 Toten und 116 Verletzten waren gerade aus Italiens Politik und Medien harsche Töne zu hören.

Alt Bundesrat Blocher scheint jedoch noch nicht so genau zu wissen, was er von den Giftpfeilen aus dem Ausland halten will. In den Sendungen «Teleblocher» und «Weltwoche Daily» schiesst der Doyen der Sünneli-Partei zwar zuerst zurück. «Die sind auch froh, dass mal jemand anderes Dreck am Stecken hat», sagt er etwa in Ersterer. Doch zugleich ist für Blocher klar: Das Horror-Inferno sei Ausdruck einer «Verlotterung der Zustände».

Verhüllte Kritik ins Ausland

«Ich schäme mich, dass so etwas in unserem Land möglich geworden ist», sagt Blocher in der «Weltwoche»-Sendung. Für die Kritik aus dem Nachbarland zeigt er daher Verständnis. «Italien hat kein so grosses Sicherheitsbedürfnis, es wäre auch dort möglich. Das Unbegreifliche daran ist aber, dass es ausgerechnet in der Schweiz passiert ist.»

Das Image der Eidgenossenschaft sei wohl überproportional grösser gewesen als die tatsächlichen Zustände, so der alt Bundesrat im Gespräch mit der «Weltwoche». «Das ist natürlich peinlich für die Schweiz, das Land der Sicherheit und Sorgfalt, wo nie etwas passiert», so Blocher bei «Teleblocher». «Hinzu kommt fast etwas Schadenfreude: ja, ja, diese Schweizer, diese Musterknaben.»

«Bescheidenheit gefragt»

Betroffen von der Tragödie sind auch viele Franzosen. «Aber die sind relativ ruhig, weil der Wirt ein Franzose ist», kommentiert Blocher. Betreiber Jacques Moretti (49) stammt von der Mittelmeerinsel Korsika, seine Frau Jessica (40) wuchs an der Côte d'Azur auf. Natürlich sei das der Grund für die französische Zurückhaltung, meint das SVP-Urgestein.

Nach so viel verhüllten Gegenangriffen nimmt sich Blocher in der «Weltwoche» den Wind jedoch gleich selbst aus den Segeln: Die Kritik aus dem Ausland mit Kritik zu kontern, sei der schlechteste Weg. «Es ist Bescheidenheit gefragt», so Blocher. Heisst: Die offizielle Schweiz müsse sich im Ausland entschuldigen – und im Inland das Geschehene lückenlos und sorgfältig aufarbeiten.

Scharfe Worte gegen die Gemeinde

Giftig wird der SVP-Übervater aber auch, wenn es um Gemeindepräsident Nicolas Féraud (55) geht: «Er hat für mich einen sehr schlechten Eindruck gemacht.» Für Blocher ist es unverständlich, dass Féraud versuchte, nach der Tragödie die Gemeinde als Hauptbetroffene darzustellen. «Das ist reiner Egoismus!»

Von einem «Walliser Problem» zu sprechen, da sei er aber vorsichtig, so der Doyen. «Wir haben eine gewisse Verlotterung in der Schweiz.» Das sei schleichend passiert, so Blocher. Mittlerweile könne eine solche Tragödie also hierzulande überall passieren.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen