Italienische Tageszeitung nimmt die Schweiz hart ins Gericht
«Mythos der Schweizer Effizienz zerfällt in einer Handvoll Asche»

Das Inferno in Crans-Montana hat Menschen weltweit entsetzt und international für Schlagzeilen gesorgt. Vor allem die italienische Presse lässt kein gutes Haar an der Schweiz.
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Die Brandkatastrophe von Crans-Montana hat international für Betroffenheit gesorgt.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

  • Italienische Tageszeitung mit harter Kritik an Schweiz nach Inferno in Crans-Montana
  • Mangelhafte Kontrollen und Vorstrafen des Betreibers hätte Italien nicht toleriert
  • In Frankreich erinnert man sich an einen eigenen Nachtclub-Brand
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Sandra MarschnerRedaktorin News-Desk

«Die Tragödie im Le Constellation ist eine kulturelle Niederlage», beginnt ein Artikel in der italienischen Tageszeitung «La Repubblica». Darin geht die Zeitung nach dem Inferno in Crans-Montana mit der Schweiz hart ins Gericht. 

«Wir stellten uns die Schweiz als ein Land der Regeln, der Präzision und der akribischen Kontrollen vor», heisst es weiter. «Doch weit gefehlt», lautet das Urteil. 

«Eine tragische und grausame Verhöhnung»

Die Zeitung listet die Versäumnisse auf – der Schaumstoff an der Decke, die unübersichtliche Situation des Notausgangs und das minimal besetzte Personal. «All das in einem Land, zu dem wir immer aufgesehen haben. Eine tragische und grausame Verhöhnung», fasst «La Repubblica» zusammen. 

Doch es gehe noch weiter. Die mangelhaften Kontrollen der Bar «Le Constellation» in den letzten zehn Jahren werden genannt. In Italien «wäre ein solcher Laden innerhalb von fünf Tagen geschlossen worden», meint «La Repubblica». Ein Betreiber mit einem Vorstrafenregister wie Jacques Moretti hätte in Italien überhaupt keine Lizenz für einen Nachtclub erhalten. 

«Der Mythos der Schweizer Effizienz» zerfalle zu Asche

Zwar gebe es bundesweite Vorschriften, doch die Verantwortung für den Brandschutz liege bei den Gemeinden. «Das Ergebnis ist heute für alle sichtbar: ein Spiel aus intransparenten Kanälen, Verzögerungen und Schweigen», schliesst die Zeitung. 

«Der Mythos der Schweizer Effizienz» zerfalle «in einer Handvoll Asche und Namen», schreibt «La Repubblica». «Selbst das zivilisierteste Land kann scheitern, wenn es seine Wachsamkeit vernachlässigt, sich auf die Rhetorik des Vertrauens verlässt oder individuelle Verantwortung mit kollektiver Selbstbestimmung verwechselt.» 

Frankreich erlebte 2016 ein Brand-Inferno

Acht Bar-Besucher aus Frankreich starben in den Flammen, 21 wurden verletzt. 

Die französischen Medien stellen ebenfalls die Einhaltung der Vorschriften in Crans-Montana und der Bar «Le Constellation» infrage. Viele Medien richten dabei jedoch auch den Blick ins eigene Land. «Könnte sich eine solche Tragödie in Frankreich wiederholen?», fragt etwa «Le Monde».

Die französische Zeitung berichtet von Thierry Fontaine, Inhaber eines Nachtclubs in Lyon, der unmittelbar nach den Nachrichten aus Crans-Montana all seine Kontakte in der Nachtclubbranche anschrieb, dass man statt Pyrotechnik auf LED-Kerzen setzen sollte. 

Zudem finden sich in den französischen Medien immer wieder Verweise auf den Nachtclub-Brand in Rouen im August 2016. Vierzehn Menschen starben damals an einer Rauchvergiftung. Ausgelöst wurde der Brand durch Geburtstagskerzen, die der Auskleidung des Raumes mit Polyurethanschaum zu nahe gekommen waren. Auch hier hatten die Ermittlungen gezeigt: Der Notausgang war blockiert, der Feuerlöscher nicht griffbereit und die Fluchtwege mangelhaft.

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