Darum gehts
- Im Wallis gibt es keine obligatorische Gebäudeversicherung
- Ex-SP-Chef Bodenmann fordert seit 45 Jahren kantonale Versicherung wegen Prävention
- Bodenmann schätzt Schaden auf eine Milliarde Franken
Im Kanton Wallis gibt es nach wie vor keine obligatorische Gebäudeversicherung. Alle, die ein Haus besitzen, können sich freiwillig bei einem privaten Anbieter versichern lassen. Sehr zum Ärger des ehemaligen SP-Präsidenten Peter Bodenmann (73). Der Walliser lobbyiert schon seit 45 Jahren für eine kantonale Gebäudeversicherung. «Neben den viel tieferen Prämien weist es zwei weitere markante Vorteile auf: Prävention und Kontrolle. Wie dramatisch die Gemeinden damit überfordert sind, sehen wir jetzt leider auf tragische Weise am Beispiel von Crans-Montana», sagt er im Interview mit der «NZZ».
Ein Problem sei die Nähe. Jede Gemeinde habe einen lokalen Brandschutzexperten. «Selbst wenn die alle fähig sind: Sie müssen tagsüber dem Betreiber eines Lokals Vorschriften machen, abends kehren sie dann vielleicht im selben Lokal ein.»
Bodenmann fürchtet Überreaktion
Gefragt, ob nicht auch private Versicherer ein Interesse an Brandschutzmassnahmen hätten, antwortet Bodenmann: «Müsste, hätte, Fahrradkette. Privatversicherer folgen einer ganz anderen Logik.» Sie würden sich nicht für Prävention und Kontrolle interessieren.
Bodenmann führt selbst ein Hotel. Bei ihm hätten sie Brandmelder, Feuerlöscher und Sprinkleranlagen in jedem Raum.
Bodenmann fürchtet einen Schaden von einer Milliarde Franken. Die Brandschutzexperten in den Gemeinden werden wohl nicht gut schlafen, mutmasst er. «Sie werden jetzt überreagieren, mit verheerenden Folgen. Viele Hotels und Gastrobetriebe werden die zusätzlich ins Haus stehenden Investitionen nicht stemmen können oder wollen», sagt er der «NZZ». Die Schweiz sei mit einer «Katastrophe in bisher nicht bekannten Dimensionen konfrontiert». Der Sturm werde nicht vorbeiziehen.
Die Debatte über eine obligatorische Gebäudeversicherung dürfte nach der Tragödie in Crans-Montana weiter Fahrt aufnehmen. SP-Nationalrat Ueli Schmezer (64) hat bereits im Sommer einen Vorstoss zu staatlichen Gebäudeversicherungen eingereicht. Und das Walliser Kantonsparlament könnte schon im März einen Vorstoss behandeln, der nach dem Bergsturz in Blatten eingereicht wurde.