Darum gehts
- Crans-Montana gestand fehlende Kontrollen in Bar Le Constellation ein
- Roduit sieht kein Problem bei Walliser System
- Wallis ohne obligatorische Gebäudeversicherung, drei Kontrollen in zehn Jahren
Die Gemeinde Crans-Montana hat die Bar Le Constellation seit Jahren nicht mehr kontrolliert. Das musste Gemeindepräsident Nicolas Féraud (55) gestern Dienstag vor den Medien einräumen. Es gab eine «Lücke bei den periodischen Kontrollen». Man könne sich nicht erklären, wie das passieren konnte.
Damit bestätigt sich ein Verdacht, der in den vergangenen Tagen immer deutlicher wurde. Und die Gemeinde dürfte selbst in den Fokus der Ermittlungen rücken. Anders als in den meisten anderen Kantonen sind im Wallis die Gemeinden zuständig für die Brandschutzkontrollen. Und das Wallis gehört zu den vier Kantonen, in denen die Gebäudeversicherung nicht obligatorisch ist.
Hat das Wallis ein strukturelles Brandschutzproblem? Diese Frage beschäftigt inzwischen die ganze Schweiz. Die ehemalige Zürcher CVP-Nationalrätin Kathy Riklin (73) schreibt auf X von «Föderalismus und seinen gefährlichen Folgen». Bei Brandschutz dürfe es keinen Wildwuchs geben. Auch international hagelt es Kritik an den Behörden.
«Die Normen im Wallis sind die gleichen»
Und was sagt man im Wallis dazu? «Das Walliser System ist nicht das Problem», sagt der Walliser Nationalrat Benjamin Roduit (63, Mitte) zu Blick. «Die Normen im Wallis sind im Wesentlichen die gleichen wie die der anderen Kantone. Das Problem war, dass fünf Jahre lang keine Kontrollen stattfanden. Die Justiz muss klären, wieso die Kontrollen ausgeblieben sind.»
Blick hat weitere Walliser Politiker und Politikerinnen kontaktiert, die im Schweizer Parlament sitzen. Die meisten wollen sich aus Betroffenheit und Rücksicht vor den Familien nicht zur Silvestertragödie in Crans-Montana äussern.
Mehr Zusammenarbeit unter Gemeinden
Roduit kann sich vorstellen, dass die fünfjährige Lücke mit der Corona-Pandemie zu tun hat. «In der fünfjährigen Periode, in der es keine Kontrollen gab, hat Covid viele Versammlungen verhindert.» In jedem Fall seien fünf Jahre allerdings zu lang.
Laut Roduit könne man sich fragen, ob man genügend Mittel habe, um alle gesetzlich vorgeschriebenen Kontrollen durchzuführen – nicht nur im Wallis, sondern schweizweit. Auch in Kantonen mit Gebäudeversicherungen tragen die Gemeinden teilweise die Brandschutz-Kompetenzen.
«Ich könnte mir zum Beispiel vorstellen, dass die Walliser Gemeinden beim Brandschutz künftig stärker zusammenarbeiten und sich mit Ressourcen unterstützen», sagt er. «Ähnlich wie bei der Polizei könnte ein interkommunales System auch für Sicherheitskontrollen sinnvoll sein.»
SP Oberwallis will kantonale Gebäudeversicherung
Anders sieht das die SP Oberwallis. Eine Stellungnahme der Partei liegt Blick vor. Darin heisst es: «Wir sind überzeugt: Das Walliser System bei der Gebäudeversicherung und beim Brandschutz muss geändert werden.» Die Kantonalisierung der Brandschutzkontrollen würde Gemeinden entlasten, Interessenkonflikte reduzieren und eine weitergehende Professionalisierung ermöglichen. «Eine solche Tragödie darf sich auf keinen Fall wiederholen.»
Laut Roduit macht ein Versicherungsobligatorium im Wallis aber keinen Sinn. «Wenn jemand eine alte Scheune besitzt, bei der er das Risiko selbst tragen will, soll er sie nicht versichern müssen.» Bei Betrieben oder Orten, an denen Menschen zusammenkommen, sei eine Versicherung natürlich wichtig, «aber private Anbieter erfüllen diese Aufgabe sehr gut. Eine staatliche Versicherung bringt keinen Mehrwert».