Darum gehts
- Schweiz diskutiert seit Silvester über Brandschutz nach Inferno in Crans-Montana
- Schweiz zählt weltweit zu Ländern mit wenigsten Brandtoten
- Zwischen 2019 und 2023 gab es jährlich 1500 Brände pro Million Einwohner
Seit Silvester diskutiert die ganze Schweiz über den Brandschutz. Dem verhängnisvollen Inferno in der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana VS liegen mutmasslich zahlreiche Versäumnisse bei den Sicherheitsvorkehrungen zugrunde.
Auch die Gemeinde muss sich Vorwürfe machen: Wie sie am Dienstagmorgen mitteilt, wurde das Lokal zuletzt 2019 kontrolliert. Dennoch ist die Walliser Katastrophe ein massiver Ausreisser. In den vergangenen Jahren mauserte sich die Schweiz punkto Brandschutz nämlich nach und nach an die Weltspitze.
Weniger Brände trotz wachsender Bevölkerung
Im Vergleich mit anderen Ländern befindet sich die Eidgenossenschaft bei der Anzahl Brände zwar nur im Mittelfeld. Zwischen 2019 und 2023 kamen auf eine Million Einwohner rund 1500 Zwischenfälle pro Jahr, wie das internationale Zentrum für Feuerstatistiken festhält.
Doch Zahlen der kantonalen Gebäudeversicherer zeigen: Trotz Bevölkerungswachstum und mehr Gebäuden brennt es hierzulande immer weniger. In den 1990er-Jahren haben die Schweizer Kantone ihre Brandschutznormen vereinheitlicht und seither kräftig in die Ausbildungsqualität der Feuerwehr investiert. Mit Erfolg: Die jährlichen Brandfälle haben sich in den letzten 20 Jahren fast halbiert. Und auch die finanziellen Schäden nehmen fortlaufend ab. Beeinflusst wird dies auch von gesellschaftlichen Veränderungen: Geraucht wird weniger, gerade in Innenräumen. Und Gaskochherde verschwinden.
Situationen wie in Crans-Montana sind dennoch ein bedeutender Auslöser: Feuerwerke, Zündhölzer und andere «bestimmungsmässige» Feuer machen nämlich rund 13 Prozent der Fälle aus. Nur durch Elektrizität und Blitzeinschläge verursachte Brände sind in der Schweiz noch häufiger.
Grosse Brand-Tragödien sind selten
Eindrücklich werden die Zahlen jedoch, wenn die Todesfälle betrachtet werden: Seit 2019 gehört die Schweiz zu den zehn Ländern mit den wenigsten Brandtoten. In den vergangenen zwei Jahrzehnten starben hierzulande bei Bränden durchschnittlich 21 Personen pro Jahr. Rund 80 Prozent der Fälle wurden dabei in Wohngebäuden verzeichnet. Zwischen 2019 und 2023 war in Europa nur Luxemburg sicherer.
Das hat auch damit zu tun, dass die Schweiz in den vergangenen Jahren keine einschneidenden Einzelereignisse mehr erleben musste. Acht Menschen verloren ihr Leben, als im November 2018 in Solothurn ein Mehrfamilienhaus brannte. Für zweistellige Opferzahlen sorgte zuletzt 2001 ein Brand im Gotthard-Strassentunnel. Ausfliessendes Dieselöl sorgte nach einer Lastwagen-Kollision für ein Inferno mit elf Toten.
Die Tragödie in Crans-Montana mit 40 Todesopfern ist daher selbst im Vergleich mit vergangenen Feuertragödien ein massiver Ausreisser. Zum Vergleich: Der Höchstwert der letzten 20 Jahre wurde 2024 mit 33 Todesfällen erreicht. 2026 wird also bereits ab dem ersten Tag zum dunklen Kapitel in der Schweizer Brandstatistik.