Totales Kontroll-Versagen beim Brandschutz – aber Gemeinde will jetzt unbedingt Opfer sein
Diese Pressekonferenz wurde für Nicolas Féraud zum Desaster

Diese Pressekonferenz wird noch zu reden geben: Die Gemeinde Crans-Montana hat die Inferno-Bar seit Jahren nicht mehr kontrolliert. Trotzdem sieht man sich als Opfer.
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Nicolas Féraud ist der Gemeindepräsident von Crans Montana.
Foto: Keystone

Darum gehts

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Pascal ScheiberReporter Gesellschaft

Rund 120 Medienschaffende versammelten sich am Dienstagmorgen im Kongresszentrum von Crans-Montana. Punkt 10 Uhr betraten der Gemeindepräsident Nicolas Féraud und seine Kollegen den Saal. Die Kollegen sassen auf dem Podium, sagten aber meist nichts.

Seit dem Inferno in der Bar Le Constellation sind fünf Tage vergangen. Die Gemeinde war den Opfern, Verletzten und deren Angehörigen Antworten schuldig. Ist die Gemeinde tatsächlich nicht zu lasch mit den Brandschutzkontrollen vorgegangen? Wieso konnte die Inferno-Bar Le Constellation trotz fehlendem Notausgang und trotz brennbarem Schallschutzmaterial den Betrieb aufrechterhalten? Wer trägt die Verantwortung für 40 Todesopfer und 116 teils Schwerverletzte?

Geliefert hat die Gemeinde nur wenig. Sie präsentierte eine interne Untersuchung. Das schockierende Resultat: Seit 2019 kontrollierten die Verantwortlichen die Bar nicht. Eine «Lücke bei der periodischen Kontrolle», heisst es im Politiker-Sprech. Gemeindepräsident Féraud: «Wir können uns nicht erklären, wie das passieren konnte.» Man bedaure dies.

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Schuld seien die Barbetreiber – der Rest bleibt nebulös

Als Konsequenz für diese tödliche «Lücke» beauftragt die Gemeinde ein externes, spezialisiertes Büro aus dem Wallis mit der «unverzüglichen» Sicherheitskontrolle der öffentlichen Betriebe in der Gemeinde.

Eine weitere Konsequenz: Per sofort verbietet die Gemeinde die Verwendung von «jeglichen pyrotechnischen Gegenständen in geschlossenen Räumen». Weitere Konsequenzen sieht der Gemeinderat nicht vor. Auf die Frage, wieso Nicolas Féraud nicht zurücktritt, sagte er bloss, dass er ein «sinkendes Schiff nicht verlassen kann».

Trotz der Versäumnisse der Gemeinde schiebt der Politiker die Schuld weiter: «Der Barbetreiber war extrem fahrlässig. Er hat Risiken auf sich genommen, die man nicht verantworten kann.» Trotz Lücken bei den Brandschutzkontrollen, schliesst Féraud eine Mitschuld vonseiten der Behörden aus und sieht seine Behörde in der Opferrolle.

Gemeinde sieht sich als Haupt-Opfer

Der Gemeindepräsident verstieg sich sogar zur Aussage: «Die Gemeinde ist als Geschädigte am meisten betroffen, vor allen anderen.» Sie habe deshalb eine Zivilklage eingereicht. «Ich werde diese Last mein ganzes Leben lang mit mir tragen.»

«Ich stehe nicht mehr zu meiner Aussage»
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Waren Kontrollen zu lasch?Gemeindepräsident rudert zurück

Es ist eine von mehreren irritierenden Aussagen des Politikers. Die Medienschaffenden aus dem In- und Ausland fragen nach. Wieso wusste oder kontrollierte niemand die entzündlichen Schaumstoffplatten an der Decke und Wänden? Wieso kontrollierte niemand den Brandschutz? Schulterzucken. Entgegen Aussagen von Zeugen und Bar-Kennern sagte Féraud an der Medienkonferenz, dass genügend Notausgänge vorhanden waren. Ob dem in der Silvesternacht auch so war, weiss er nicht.

Vor wenigen Tagen sagte Féraud noch in einem Interview: «Bei der Kontrolle von Bars gab es bei der Gemeinde Crans-Montana keine lasche Haltung.» Auf die Frage des Blick-Reporters, ob er noch immer dahintersteht, revidiert der Politiker seine fragwürdige Einschätzung vom Wochenende. «Nein, ich stehe nicht mehr zu dieser Aussage. Ich wusste das zu diesem Zeitpunkt noch nicht.»

Dass er Aussagen macht und wieder revidieren muss, kann angesichts der tragischen Umstände nachvollziehbar sein. Dass die Gemeinde den Opfern, Verletzten und Angehörigen nicht mehr Antworten liefert oder Konsequenzen in den eigenen Reihen zieht, jedoch nicht.

Vielmehr beauftragte die Behörde übers Wochenende die Zürcher Kommunikationsagentur «Dynamics Group» mit der Krisenkommunikation. Sie organisierte und leitete die Medienkonferenz. Nach etwas mehr als einer Stunde ist Schluss mit Fragen. Der Gemeinderat wird von Polizisten raus eskortiert und im Konvoi davongefahren.

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