Darum gehts
- Gemeinde Crans-Montana entschuldigt sich nicht öffentlich für die Brandkatastrophe
- Keine Kontrolle seit 2019 trotz gesetzlicher Pflicht zu jährlicher Überprüfung
- Experte: Wallis-Gemeinden setzen Brandschutzvorschriften inkonsequent um, Kritik an Gemeinderat
Heftige Kritik, viele offene Fragen, neuer Wirbel: Vertreter der Gemeinde Crans-Montana trauten sich am Dienstag an die Öffentlichkeit und stellten sich zahlreichen Fragen der Journalisten. Unter anderem Gemeindepräsident Nicolas Féraud (55).
Bis zum Schluss hatten Angehörige der Brandopfer versucht, diese Konferenz zu verhindern – vergebens! Sie machen die Gemeinde mitverantwortlich für die Brandkatastrophe. Der Gemeinderat bezeichnete sich hingegen auch als «Opfer», will gar als Zivilkläger am Prozess teilnehmen.
Eine direkte Entschuldigung seitens der Gemeinde blieb aus, jedoch folgten neben Beileidsbekundungen zahlreiche Erklärungen – vor allem rund um den Brandschutz. Was wohl als Verständnishilfe für die Brandkatastrophe gedacht war, sorgte für neuen Wirbel. Vor allem fünf Aussagen liessen aufhorchen. Brandschutzexperte Hugo Cina (70), der selbst in der Walliser Gemeinde Salgesch tätig ist, hat diese für Blick eingeordnet.
Gemeindepräsident Féraud von Crans-Montana erklärte an der Pressekonferenz etwa, dass das Gesetz keine Kontrolle der Qualität der verwendeten Materialien im Rahmen der periodischen Kontrollen vorsehe. Heisst: Die Schallschutz-Schaumplatten an der Decke – die durch die Wunderkerzen in Brand gerieten – wurden nie auf ihre Brennbarkeit überprüft. Dabei warnte ein Kellner bereits in der Silvesternacht 2019/2020 vor diesen Platten, wie in einem Video zu sehen ist.
Experte Cina erklärt hierzu: «Es ist korrekt, dass die Materialprüfung per Gesetz nicht explizit Teil der periodischen Kontrolle ist.» Trotzdem spricht er sich als Brandschutzexperte dafür aus, dass im Rahmen einer Betriebsbewilligung eine Lokalität gesamthaft angeschaut werden sollte. «Bei einem Um- oder Ausbau wird je nach Gemeinde entweder nur ein Teil oder die gesamte Baute inspiziert.»
An der Pressekonferenz erklärte Gemeindepräsident Féraud: «Für die Grösse dieses Lokals reicht ein Feuerlöscher.»
Experte Cina erklärt, dass er das Le Constellation zwar nur aus Bildern, Videos und Skizzen kenne. «Grundsätzlich reicht gemäss Vorschriften ein einziger Feuerlöscher für ein Lokal dieser Grössenordnung.» Speziell: «Sogar grössere Lokalitäten sind nur mit einem Feuerlöscher ausgestattet», sagt Cina. «Freiwillig kann man immer mehr machen. Es gibt Gemeinden, die strenger sind und mehr verlangen, was im Kanton Wallis auch in ihrer Kompetenz liegt.»
Patrick Clivat, Gemeinderat für öffentliche Sicherheit in Crans-Montana, erklärte an der Pressekonferenz, dass Rauchmelder keine Pflicht seien.
Auch Experte Cina hält fest: «Per Gesetz sind in Restaurants und Bars wie Le Constellation keine Rauchmelder vorgesehen. Auch etwa Sprinkler nicht.» Solche seien in Beherbergungsbetrieben, Verkaufsgeschäften oder Parkings erforderlich.
Es seien genügend Notausgänge vorhanden gewesen für die zugelassene Anzahl Kunden, sagte der Gemeindepräsident Féraud.
Gemäss bisherigen Erkenntnissen gab es im Untergeschoss der Bar neben der Haupttreppe noch einen Notausgang – ob dieser in der Unglücksnacht allerdings offen war, ist nicht bekannt. Experte Cina sagt: «Es ist klar geregelt, wie viele Notausgänge ein Lokal zu haben hat.» So gelte bei maximal 200 Personen: drei Ausgänge à 90 Zentimeter oder zwei Ausgänge, einer mit 90 Zentimeter und einer mit 120 Zentimeter Breite. Ab 200 Personen sei die Belegung relevant. «Ebenerdige Ausgänge benötigen 60 Zentimeter pro 100 Personen, während Ausgänge über Treppen 60 Zentimeter pro 60 Personen erfordern.» Falls die beiden Notausgänge frei und breit genug waren, entsprachen sie den Vorschriften.
Obwohl per Gesetz eine jährliche Kontrolle stattfinden muss, wurde die Bar Le Constellation seit 2019 nicht kontrolliert. Gemeindepräsident Féraud meinte: «Wir können uns nicht erklären, wie das passieren konnte.» Man bedaure dies.
Für Experte Cina ist klar: «Der Arbeitgeber des Sicherheitsbeauftragten ist der Gemeinderat. Er überwacht die Tätigkeit des Sicherheitsbeauftragten. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.»
Spiele live mit und gewinne bis zu 1'000 Franken! Jeden Dienstag und Donnerstag ab 19:30 Uhr – einfach mitmachen und absahnen.
So gehts:
- App holen: App-Store oder im Google Play Store
-
Push aktivieren – keine Show verpassen
-
Jetzt downloaden und loslegen!
-
Live mitquizzen und gewinnen
Spiele live mit und gewinne bis zu 1'000 Franken! Jeden Dienstag und Donnerstag ab 19:30 Uhr – einfach mitmachen und absahnen.
So gehts:
- App holen: App-Store oder im Google Play Store
-
Push aktivieren – keine Show verpassen
-
Jetzt downloaden und loslegen!
-
Live mitquizzen und gewinnen