Vizepräsidentin der Gemeinde entschuldigt sich «für alles»
In einem Interview mit RTS kurz nach der Gedenkzeremonie äussert sich Nicole Bonvin Clivaz, die Vizepräsidentin der Gemeinde Crans-Montana, zur Brandkatastrophe in der Silvesternacht. «Wir entschuldigen uns bei allen trauernden und leidenden Familien und bitten um Vergebung», sagt sie dem Sender. Die Gemeinde entschuldige sich «für alles. Für jene tragische Nacht, dafür, dass wir nicht alles richtig gemacht haben, dafür, dass es in unserer unmittelbaren Umgebung geschah.»
Die Vizepräsidentin erkennt im Interview an, dass die Gemeinde für die Katastrophe mitverantwortlich sei. Insbesondere für die mangelnde Kontrolle der Bar in den letzten fünf Jahren. «Wir tragen eine Verantwortung für diesen Mangel. Die Untersuchung wird uns zeigen, warum diese Versäumnisse aufgetreten sind. Heute haben wir noch keine endgültigen Antworten.» Ein Rücktritt des Gemeinderates komme laut der Vizepräsidentin momentan aber nicht infrage.
Jetzt spricht der Vater von Jacques Moretti
Jean Moretti, der Vater des Betreibers der Todes-Bar Le Constellation, hat sich im Gespräch mit «24 Heures» geäussert. Er sei angewidert von der Art und Weise, wie die Presse seine Familie behandelt. «Was hat die Vergangenheit meines Sohnes, die Jugendsünden, für die er bis zum letzten Cent bezahlt hat, mit den 40 Toten zu tun?», fragt er. Sein Sohn sei ein «fleissiger Arbeiter», der alles mit eigenen Händen aufgebaut habe.
Er sagt, dass die Brandkatastrophe seinen Sohn stark mitgenommen habe. «Ich habe Jacques noch nie in meinem Leben weinen sehen», sagt er dazu. «Es ist eine unerträgliche Situation für die Toten, aber auch für die Lebenden. Die Familie Moretti ist durch diese Geschichte auf jeden Fall für immer verdammt.» Moretti bestätigt auch, dass das Haus seines Sohnes in der Schweiz unter Polizeischutz gestellt wurde.
Papa Moretti verspricht: «Wir werden uns nicht verstecken oder uns vor unserer Verantwortung drücken.» Er verteidigt die korsische Familie: «Wir sind seriöse Leute, keine Kriminellen! Ich kenne meinen Sohn. Er würde niemals weglaufen. Es ist eine Frage der Ehre. Wir denken an die Opfer. Auch wir haben Angehörige und geliebte Menschen verloren.»
Und weiter: «Wir weinen jeden Tag. Ich kann nicht mehr schlafen. Wenn die Presse Jacques in Stücke reissen will, ist das deren Sache. Am Ende werden wir uns nur vor der Justiz verantworten müssen. Mein Sohn trägt Verantwortung, weil es sein Unternehmen ist, aber ob er schuldig ist, wird sich noch zeigen.»
Jessica Moretti möchte sich bei Opfern entschuldigen
Jessica Moretti, die Ehefrau des verhafteten Barbetreibers Jacques Moretti, verlässt nun auch das Gericht. «Ich möchte mich bei allen Opfern entschuldigen», sagt sie gegenüber Journalisten in einem Video von Léman Bleu. Weiter sagte sie: «Meine Gedanken sind ständig bei den Opfern. Es ist eine unvorstellbare Tragödie, die in unserem Lokal passiert ist.»
Barbetreiber Jacques Moretti festgenommen
Der Barbetreiber von Le Constellation wurde wegen möglicher Fluchtgefahr inhaftiert. Das bestätigt die Walliser Staatsanwaltschaft. Er wurde nach der längeren Anhörung durch die Staatsanwaltschaft in Gewahrsam genommen. Die Ingewahrsamnahme sei durch die zuständige Staatsanwältin Catherine Seppey angeordnet worden. Dass Jacques Moretti in Untersuchungshaft kommt, muss jetzt durch das Walliser Zwangsvollstreckungsgericht bestätigt werden.
In den Tagen nach der Brandkatastrophe hatte die Walliser Staatsanwaltschaft die Möglichkeit einer Verhaftung zunächst ausgeschlossen. Die Begründung: Es bestehe keine Fluchtgefahr für Jacques Moretti und seine Frau. Die Ermittlungen dauern an.
Polizisten betraten Hotel und nicht Bar Le Constellation
Ein Video auf Blue News zeigt augenscheinlich, wie etwa 20 Polizisten mit mehreren Kisten die Bar Le Constellation betreten. Gegenüber Blick-Reporter Florin Schranz erklärte die Polizei jedoch, dass die Beamten nicht die Bar betreten hätten, sondern das angrenzende Hotel. In den Kisten habe sich Verpflegung für die Einsatzkräfte befunden.
Anmerkung der Redaktion: Zuerst hatte auch Blick berichtet, die Polizisten würden die Bar Le Constellation betreten.
Inferno-Bar-Betreiber erscheinen zu Anhörung
Acht Tage nach der tödlichen Brandkatastrophe in der Bar Le Constellation erscheint das Betreiber-Ehepaar Moretti zu einer Anhörung bei der Staatsanwaltschaft in Sitten VS. In grosser Anzahl ist auch die nationale und internationale Presse vor Ort.
Gemeinde und Inferno-Paar haben Haftpflicht am gleichen Ort
Wer muss die Kosten für den durch das Bar-Inferno in Crans-Montana übernehmen? Diese Frage wird aktuell heiss diskutiert. «Wie wir nach Rücksprache mit der Gemeinde Crans-Montana bekannt geben, ist die AXA Schweiz die Gemeindehaftpflichtversicherung von Crans-Montana und die Betriebshaftpflichtversicherung der Bar Le Constellation», teilt der Versicherer nun mit. Beide hätten «branchenübliche Standardprodukte mit einer limitierten Deckungssumme» abgeschlossen.
Die AXA macht klar, dass sie ihren «Verpflichtungen als Versicherung vollumfänglich» nachkommen will. «Fest steht zudem, dass die Versicherungssummen der Gemeinde und der Bar im Fall einer Haftung bei weitem nicht ausreichen, um für alle finanziellen Schäden der überlebenden Opfer und Hinterbliebenen aufzukommen.» Wer für den entstandenen haftet, muss die laufende Untersuchung klären.
Die Versicherung bringt zudem einen runden Tisch ins Spiel, an dem «idealerweise unter der Leitung des Bundes» sämtliche involvierte Parteien und Versicherer «unbürokratische und langfristig tragfähige Lösungen definieren, um für die finanziellen Schäden der überlebenden Opfer und Hinterbliebenen aufzukommen»
Auf Nachfrage von Blick teilt die AXA mit: «Erste Schadenmeldungen sind bei uns eingegangen. Zu Details äussern wir uns aus Datenschutzgründen nicht. »
Jetzt eröffnet auch Italien ein Verfahren
Laut mehreren übereinstimmenden Berichten italienischer Nachrichtenagenturen hat nun auch die Staatsanwaltschaft in der italienischen Hauptstadt Rom eine Untersuchung wegen Brandstiftung und fahrlässiger Tötung eröffnet. Unter den 40 Todesopfern des Bar-Infernos waren insgesamt sechs italienische Staatsangehörige.
Die Römer Staatsanwälte kümmern sich im Allgemeinen auch um Fälle, die Italiener im Ausland betreffen. Laut der Agentur Ansa hatte das italienische Aussenministerium unter Leitung von Aussenminister Antonio Tajani (72) dem Berufungsgericht in Rom eine Mitteilung über die Ereignisse der Silvesternacht übermittelt. Zuvor hatten bereits Staatsanwaltschaften in den Ländern Belgien und Frankreich ein Verfahren eröffnet.
Betreiberpaar soll am Freitag verhört werden
An dem Tag, an dem die ganze Schweiz für die Opfer der Brandkatastrophe von Crans-Montana trauert, soll das Betreiberpaar Moretti zum ersten Mal vernommen werden. Der Termin am Freitag soll um acht Uhr morgens stattfinden, berichtet «Le Matin» unter Berufung auf eine anonyme Quelle aus dem Umfeld der Ermittlungen.
«Wir hoffen auf ein heilsames Erwachen in Bezug auf die Ermittlungen nach dieser Anhörung am Freitag», erklärte Opferanwalt Sébastien Fanti, der vier Familien von Verletzten vertritt. Romain Jordan, der ebenfalls vier Familien vertritt, ergänzt gegenüber der Nachrichtenagentur AFP: «Meine Mandanten sind erleichtert, dass sie endlich ins Verfahren einbezogen werden.»
Diese Anhörungen dürften sich laut einer anderen Quelle, die mit dem Fall vertraut ist, auch auf die persönliche Situation des Paares beziehen. «Die persönliche Situation der Angeklagten, insbesondere in wirtschaftlicher Hinsicht, zu ermitteln, ist von entscheidender Bedeutung», sagt Jordan.
Ermittelt wird gegen Jacques und Jessica Moretti wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässigen Entfachens einer Feuersbrunst.
Wegen Tod von Schülerin: Auch Belgien leitet Verfahren ein
Nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana VS hat die Staatsanwaltschaft der belgischen Provinz Wallonisch-Brabant ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Ziel sei es, Kontakte zwischen den Familien der Opfer mit Wohnsitz in Wallonisch-Brabant und den Schweizer Behörden zu erleichtern.
Eine Schülerin der sechsten Klasse einer Schule in Rixensart war bei dem Brand in Crans-Montana in der Silvesternacht ums Leben gekommen, wie die Staatsanwaltschaft der belgischen Provinz der Nachrichtenagentur Belga am Donnerstag weiter mitteilte.
Am Montag hatte bereits die Pariser Staatsanwaltschaft eine Untersuchung der Brandkatastrophe von Crans-Montana eingeleitet. Auch sie will die französischen Familien bei den von den Schweizer Behörden durchgeführten Ermittlungen begleiten. Das Aussenministerium in Paris hatte neun tote Franzosen bestätigt, darunter mehrere Minderjährige und 23 Verletzte.
Falls du das Unglück in Crans-Montana mitbekommen haben solltest oder noch vor Ort bist, melde dich gerne bei uns unter der Telefonnummer 044 259 8989, via E-Mail redaktion@blick.ch oder Whatsapp 079 813 8041.