«Wir haben ihn einfach in Ruhe gelassen»
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Nachbarin über Täter:«Wir haben ihn einfach in Ruhe gelassen»

Annäherung an die Psycho-Welt des Aarau-Amoks
Eigenbrötler, Muttersöhnchen und Kalaschnikow-Fan

Am 30. August 2026 eröffnete Julien G. (43) bei einem Rave in Aarau das Feuer und tötete eine Frau. Der Amokläufer aus Montsevelier lebte zurückgezogen und galt als Eigenbrötler. Angst hatte aber offenbar niemand vor ihm.
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Hier in Montsevelier lebte der Amokschütze von Aarau, Julien G.
Foto: Beat Michel

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Julien G. erschiesst in Aarau eine 22-Jährige mit Sturmgewehr AK-74
  • 43-jähriger Schweizer lebte bis vor kurzem bei seinen Eltern
  • 40 Schüsse, Motiv unklar, Festnahme nach 24 Stunden in Delémont JU

Er lebte zurückgezogen, wollte offenbar mit niemandem etwas zu tun haben. Auch mit über 40 Jahren war er noch auf die Hilfe seiner Eltern angewiesen. Dann wurde er zum meistgesuchten Kriminellen des Landes. 

Amokschütze aus dem Jura

Julien G.* (43) ist der Mann, der am Sonntag an einem Rave in Aarau das Feuer auf Dutzende Partygänger eröffnet hat. Die 22-jährige Italienerin Maria S.* traf er tödlich, sie erlitt einen Durchschuss und starb vor Ort. 

Der Amoklauf von Julien G. in Aarau rekonstruiert.
Foto: Blick Visuals

Gut 24 Stunden nach dem Amoklauf stellte sich G. in Delémont den Behörden, unweit seiner jurassischen Heimat Montsevelier. «Ich bin der Täter von Aarau», sagte er auf dem Polizeiposten. Danach verweigerte er die Aussage. Sein Motiv ist deshalb nach wie vor unklar. Sein Hintergrund: ebenfalls.

Ein Muttersöhnchen ...

Auch seine Nachbarn wissen kaum etwas über jenen Mann, der offenbar im Wahn am Sonntag zu den Waffen gegriffen hat. Das liegt unter anderem daran, dass G. noch nicht lange in Montsevelier gewohnt hat. Hier lebte er in der Wohnung der Tochter von Madelaine Champion (80). Bis dahin hatte G. in Mervelier bei seinen Eltern gelebt. 

«Er ist immer in seiner Wohnung geblieben»
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Reporter vor Täter-Wohnung:«Er ist immer in seiner Wohnung geblieben»

Der Amokschütze scheint ein Muttersöhnchen zu sein. «Seine Eltern haben die Wohnung für ihn gesucht, damit er von zu Hause ausziehen kann», so Madelaine Champion zu Blick.

Julien G. hat offenbar mit über 40 noch bei den Eltern gewohnt. Gegenüber «Le Matin» sagt eine Nachbarin: «Er stand seiner Mutter sehr nahe und hat seine Wäsche nicht selbst gewaschen.» Madelaine Champion sagt: «Die Eltern von G. sind wunderbare, fantastische Leute.» 

... und ein seltsamer Typ

An seinem neuen Wohnort gilt G. als Eigenbrötler. Nachbarin Suzanne Lovis (76) beschreibt ihn gegenüber Blick als sehr zurückgezogen. «In den vergangenen zwei Jahren haben wir nie ein Wort gewechselt.»

Madelaine Champion beschreibt ihn ähnlich: «Ich habe ihn in den zwei Jahren, die er hier wohnt, vielleicht drei- oder viermal gesehen. Er war ein Mann, der den Leuten aus dem Weg ging. Er war immer in seiner Wohnung.» Wenn sie zufällig beim Gang zum Briefkasten auf ihn getroffen sei, habe er auf die Frage «Hallo Julien, wie gehts?» nur knapp geantwortet und sei schnell wieder verschwunden. «Weil ich merkte, dass er nicht gerne redete, haben wir ihn einfach in Ruhe gelassen», sagt Champion.

Auch sonst wollte Waffennarr G. offenbar in Ruhe gelassen werden. Mit dem örtlichen Schützenverein wollte er nichts zu tun haben, online findet man nichts über ihn. Auch keine Fotos. G. ist ein Phantom. 

Trotz allem: Gefährlich wirkte er auf sein Umfeld offenbar nicht. Ein Nachbar sagt zu «Le Matin»: «Er wirkte nicht bösartig, geschweige denn gewalttätig. Ich hatte keine Angst vor ihm.»

Ungewöhnliches Verhalten

Ganz unauffällig war Julien G. dann aber doch nicht. Vereinzelt fiel der Amokschütze seinen Nachbarn mit ungewöhnlichem Verhalten auf. So erzählte G. einer weiteren Nachbarin, dass er sein Auto so eingerichtet habe, dass er darin schlafen könne. Über die Gründe schwieg er sich jedoch aus.

Der Amokschütze könnte allerdings tatsächlich in seinem Auto geschlafen haben. Das Auto habe tagsüber meist vor dem Haus gestanden, nachts jedoch nie, berichtet eine weitere Nachbarin gegenüber «20 Minuten».

Ein ungewöhnliches Verhalten wurde bei Julien G. auch an seinem früheren Wohnort beobachtet. «Als er aus dem Auto stieg, machte er noch zwei Runden, um das Auto zu kontrollieren, ob es auch wirklich abgeschlossen ist. Wie ein Zwang oder ein Tick», sagt ein ehemaliger Nachbar zu Blick.

Ein weiterer Nachbar berichtet: «Schon seit mehreren Jahren war für uns klar, dass er verrückt ist. Manchmal hat G. zehnmal hintereinander die Autotür zugeschlagen.»

Viele Fragen offen

Auch vier Tage nach seiner Festnahme bleibt vieles um den Amokschützen von Aarau im Dunkeln. Julien G. schweigt zu seinem Motiv. Warum er ins gut 60 Kilometer entfernte Aarau fuhr, um auf Menschen zu schiessen, ist unklar. 

Was bislang bekannt ist, zeichnet das Bild von einem zurückgezogen lebenden, unauffälligen Mann, der ohne Grund auf ihm vollkommen fremde Menschen geschossen hat. Und dabei eine junge Frau getötet und sechs weitere Menschen teils schwer verletzt hat.

* Namen bekannt


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