Darum gehts
- Julien G. (43) schoss 40-mal auf Aarauer Rave-Besucher
- Nachbarn beschreiben ihn als zurückgezogen und wortkarg
- Sieben verletzte Personen, davon eine Tote: Maria S. (†22)
40-mal schoss er mit einer Kalaschnikow auf die Besucher des Aarauer Raves. Die Italienerin Maria S.* (†22) verlor dabei ihr Leben, sechs weitere Menschen wurden teilweise schwer verletzt. Das Motiv hinter der schrecklichen Amoktat ist noch völlig unklar. In der Nacht auf Montag nahm die Polizei einen 43-Jährigen aus dem Kanton Jura fest. Blick weiss, wer hinter der Amoktat steckt: Julien G. (43), er lebte zurückgezogen im jurassischen Dorf Montsevelier. Seine Haustür ist mit einem Polizeisiegel versehen.
Blick konnte mit Nachbarinnen des Tatverdächtigen und einem Anwohner aus dem Dorf sprechen. Madeleine Champion (80) beschreibt ihn als extrem zurückgezogen: «Ich habe ihn in den zwei Jahren, die er hier wohnt, vielleicht drei- oder viermal gesehen. Er war ein Mann, der den Leuten aus dem Weg ging. Er war immer in seiner Wohnung.» Wenn sie zufällig beim Gang zum Briefkasten auf ihn getroffen sei, habe er auf die Frage «Hallo Julien, wie gehts?» nur knapp geantwortet und sei schnell wieder verschwunden. «Weil ich merkte, dass er nicht gerne redete, haben wir ihn einfach in Ruhe gelassen», sagt Champion.
Vor zwei Jahren zog G. bei seinen Eltern aus
Auch zum Aussehen von Julien G. äussert sie sich. Er sei «ein grosser Mann, wirklich gross», mit kräftigem Körperbau. Den 43-Jährigen beschreibt sie weiter als «sehr ruhig».
Durch seine Eltern sei er nach Montsevelier gelangt. Bei diesen hatte er zuvor in Mervelier gewohnt. «Seine Eltern suchten eine Wohnung für ihn, damit er von zu Hause ausziehen kann. Und da hier eine Bäckerei renoviert und in eine schöne Wohnung umgebaut wurde, zeigte ihnen meine Tochter Nathalie die Wohnung», erzählt sie. Das Haus, in dem sich G.s Wohnung befindet, gehört Champions Tochter. So sei G. schliesslich in die Wohnung in Montsevelier eingezogen. Die Eltern von G. bezeichnet sie als «wunderbare, fantastische Leute».
«Mein Gott, was für ein Schock!»
Informiert wurde die Nachbarschaft von der Polizei kaum. «Niemand hat etwas gesagt, ausser als die Absperrbänder angebracht wurden. Ich fragte noch, warum, und sie meinten nur: ‹Sie werden den Herrn so schnell nicht wiedersehen.› Ich dachte an einen Unfall oder dass er im Krankenhaus ist, weil die Polizei nichts weiter gesagt hat», erzählt Champion.
Nur durch ihren Sohn habe sie davon erfahren, dass Julien G. wegen der Amoktat am Aarauer Rave festgenommen wurde. «Als wir dann die Wahrheit erfuhren ... Mein Gott, was für ein Schock!»
«Es tut einem im Herzen weh»
Auch bei Susanne Lovies (76), die gegenüber von Julien G. wohnt, ist die Bestürzung gross, dass der Rave-Killer ausgerechnet in ihrer Nachbarschaft gelebt hat. «Ja, es ist sehr, sehr schockierend. Damit rechnet man nicht, das ist sicher. Es tut einem im Herzen weh. Ich denke an die Mutter des Opfers», sagt sie zu Blick.
Von der Polizei sei sie nicht informiert worden. «Gestern Nachmittag habe ich die Spurensicherung gesehen, das hat mir schon Sorgen gemacht, aber ich wusste überhaupt nicht, warum», berichtet sie. Erst ihr Schwiegersohn, der auch im Dorf wohnt, habe ihr den Grund sagen können.
Schlief G. nachts ausserhalb in seinem Auto?
Auch Lovies gegenüber zeigte sich Julien G. stets zurückgezogen – in den zwei Jahren, die er schon im Dorf wohnte, hatten die beiden nie ein Wort gewechselt.
Einer weiteren Nachbarin fiel ein besonderes Detail im Verhalten von Julien G. auf. Nach ihren Angaben besass er ein «normales Auto» und «keinen Kastenwagen», erzählt sie gegenüber Blick. Mit seinem Auto sei er abends oft weggefahren. Vor etwa einem Monat hatte G. ihr erzählt, dass er das Auto so eingerichtet habe, dass er darin schlafen könne.
Wollte nicht mit den Leuten plaudern
Früher lebte Julien G. im nahegelegenen Dorf Corban. Auch da stehen die Personen aus dem Dorf unter Schock. Blick hat einen von ihnen getroffen: «Es schockiert und erstaunt mich. Julien war ein sehr ruhiger Typ. Als man ihm begegnete, ging er weg - er wollte nicht mit den Leuten sprechen oder plaudern.»
«Mir fiel auf, dass sein Verhalten komisch war. Als er aus dem Auto stieg, machte er noch zwei Runden, um das Auto zu kontrollieren, ob es auch wirklich abgeschlossen ist. Wie ein Zwang oder ein Tick», sagt der Anwohner. Als aggressiven Typ beschreibt er ihn aber nicht. «Einfach ruhig und introvertiert», sagt er.
Schützenverein kennt ihn nicht
Für Ulrich Klaey (67), den Präsident des Schützenvereins von Corban, ist G. dennoch ein Unbekannter, wie er Blick erzählt. Zwar habe er dessen Familie gut gekannt, doch Julien G. selbst habe er nie kennengelernt. Er sei auch nie im Schützenverein gewesen und habe auch nie Interesse am Schiessen gezeigt. In der Gegend sei er auch in keinem anderen Schützenverein bekannt.
Eine AK-74, wie der Amokschütze sie benutzte, besitzt der Verein auch gar nicht. «Wir haben Ordonnanzwaffen oder Sportwaffen bei uns im Verein», betont Klaey. Auch Schüsse im Wald habe er nie mitbekommen. Dass der Tatverdächtige von Aarau aus dem benachbarten Dorf kommt, sei für alle ein Schock. «Ich bin überrascht gewesen, als wir erfahren haben, dass der im nächsten Dorf wohnt», so Klaey.
* Name bekannt