Wo die Milliarden sprudeln
Das sind die grossen Profiteure des Iran-Kriegs

Der Konflikt im Nahen Osten schüttelt die Weltwirtschaft durch. Doch nicht alle Branchen leiden, es gibt auch Gewinner des Iran-Kriegs: Energiegiganten, Rüstungskonzerne und Grossbanken machen den grossen Reibach. Eine Übersicht.
Kommentieren
1/7
Energiegiganten wie Shell gehören zu den grossen Profiteuren des Iran-Kriegs.
Foto: imago/HMB-Media

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Iran-Krieg treibt Energiepreise hoch, Schweizer zahlen mehr im Supermarkt
  • Saudi Aramco erwartet über 22 Milliarden Franken Gewinn im ersten Quartal
  • US-Grossbanken verdienen 37 Milliarden Franken dank starkem Anstieg der Transaktionen
RMS_Portrait_AUTOR_243.JPG
Michael HotzTeamlead Wirtschafts-Desk

Der Irankrieg belastet das Portemonnaie der Menschen. Die Schweizerinnen und Schweizer müssen sich auf höhere Preise im Supermarkt einstellen. Und wegen der Kerosinkrise in der Luftfahrt um ihre Sommerferien bangen. An den Tankstellen haben sich das Benzin und der Diesel bereits deutlich verteuert. Viele Firmen fürchten sich vor steigenden Kosten. Gleichzeitig bringt der Konflikt einige Gewinner hervor, die nun Milliarden-Gewinne einfahren. Ein Überblick.

Energiebranche – Milliarden für Europas Riesen

Zu den grössten Profiteuren gehören die Energiekonzerne. Noch immer streiten sich die USA und der Iran um die für die Wirtschaft so wichtige Strasse von Hormus. Tanker dürfen die Meerenge nicht passieren. Deswegen können die Golfstaaten ihr Öl und Gas nicht ausliefern. Der Welt fehlen plötzlich rund 20 Prozent der Energieproduktion. Das lässt die Ölpreise steigen – und damit auch die Gewinne der Öl-Konzerne. Vor allem jene in Europa.

Der britische Konzern BP fuhr im ersten Quartal 2026 mit 2,5 Milliarden Franken einen mehr als doppelt so hohen Gewinn wie in der Vorjahresperiode ein. Der französische Riese Totalenergies steigerte seinen Gewinn um ein Drittel auf 4,2 Milliarden Franken. Die Erwartungen der Analysten übertraf auch Shell, der zweite Ölgigant aus Grossbritannien. Er erwirtschaftete in den ersten drei Monaten in diesem Jahr einen Gewinn von 5,4 Milliarden Franken – knapp ein Viertel mehr als im ersten Quartal 2025.

Den grossen Reibach dürfte auch das grösste Energieunternehmen der Welt machen: Saudi Aramco. Der staatliche Konzern Saudi-Arabiens profitiert davon, dass sein Land weniger als andere Golfstaaten von der Strasse von Hormus abhängig ist – dank einer Pipeline quer durch die Wüste. Aramco veröffentlicht seine Zahlen für die ersten drei Monate am Sonntag. Analysten erwarten einen Quartalsgewinn von über 22 Milliarden Franken – knapp 15 Prozent mehr als im Vorjahr.

Ausgerechnet die beiden US-Giganten Chevron und Exxonmobil konnten bisher nicht gross vom Krieg des amerikanischen Präsidenten Donald Trump (79) profitieren. Die zwei Konzerne fuhren im ersten Quartal tiefere Gewinne als noch 2025 ein, rechnen aber mit deutlich besseren Zahlen im weiteren Verlauf des Jahres.

Rüstungsindustrie – volle Bücher wegen Aufrüstung

Die grossen Waffenschmieden haben schon seit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine Anfang 2022 Hochkonjunktur. Seither ist insbesondere Europa um Aufrüstung bemüht – und kauft im grösseren Stil bei den Rüstungskonzernen ein. Der Konflikt im Nahen Osten befeuert die Nachfrage nach Waffen weiter – etwa für die Abwehr von Raketen und Drohnen. 

Die drei US-Rüstungsunternehmen Lockheed Martin, Boeing und Northrop Grumman verzeichneten Ende des ersten Quartals alle einen Rekord beim Auftragsbestand. Der deutsche Hersteller Rheinmetall enttäuschte die Analysten zwar mit seinem Quartalsergebnis, der Umsatz wuchs «nur» um 8 Prozent auf 1,8 Milliarden Franken. Unter dem Strich verdiente der Konzern 205 Millionen Franken. Am Wachstumsziel von 40 bis 45 Prozent fürs Gesamtjahr hält man in Düsseldorf aber fest. Zur Einordnung: 2021, im Jahr vor Russlands Überfall auf die Ukraine, machte Rheinmetall einen Gewinn von knapp 600 Millionen Franken. Im letzten Jahr waren es mit fast 1,7 Milliarden Franken rund dreimal so viel.

Trotz des Aufrüstungsbooms: Die Aktien der Waffenschmieden sind zuletzt unter Druck geraten. Der Börsentitel von Rheinmetall hat in den letzten 30 Tagen über 20 Prozent nachgegeben, jener des britischen Konzerns BAE Systems 15 Prozent. Und das Papier von Leonardo aus Italien fiel um gut 10 Prozent.

Grossbanken – Profit dank nervöser Anleger

Der Iran-Krieg hat viel Volatilität in die Finanzmärkte gebracht: Die Aktienkurse schwanken seither deutlich stärker als sonst. Das macht viele Anleger nervös – und lässt sie handeln. Werden mehr Anlagen gehandelt, steigen die Erlöse der Banken. Schliesslich verdienen sie an jeder Transaktion mit. Zudem profitieren die Geldhäuser im Westen, dass Kapital von vermögenden Kunden aus der Golfregion zufliesst.

Das hat den Grossbanken hohe Quartalsgewinne beschert: Die «Big Six» – die sechs grössten US-Banken – haben in den ersten drei Monaten 2026 zusammen 37 Milliarden Franken verdient. Davon entfällt ein Rekordgewinn von 9 Milliarden Franken auf J.P. Morgan, die wertvollste Bank der Welt. 

Auch die UBS legte fürs erste Quartal sehr starke Zahlen vor. Der Gewinn betrug knapp 2,4 Milliarden Franken – 80 Prozent mehr als im selben Zeitraum im Jahr zuvor.

Was sagst du dazu?
Meistgelesen