Darum gehts
- Der Iran-Krieg blockiert die Strasse von Hormus, Öl- und Rohstofflieferungen stocken
- Ein Helium-Engpass trifft die Chip-Industrie schwer, KI-Produkte werden teurer
- Der global führende Kondomhersteller erhöht die Preise um 20 bis 30 Prozent
Die Weltwirtschaft schaut mit viel Sorge auf die Strasse von Hormus: Seit dem Ausbruch des Iran-Kriegs können Tanker mit Öllieferungen aus den Golfstaaten kaum mehr die so wichtige Meerenge passieren. Rund 20 Prozent des globalen Energieverbrauchs floss vor dem Krieg durch die Wasserstrasse. Dieses Öl fehlt jetzt – mit den entsprechenden Auswirkungen: Die Autofahrer zahlen an den Zapfsäulen mehr fürs Tanken. Die Airlines stecken in einer Kerosin-Krise. Und jetzt droht auch, dass weitere wichtige Rohstoffe knapp werden.
«Halte der Konflikt an der Strasse von Hormus noch länger an, werden Engpässe bei wichtigen Mineralien deutlich zutage treten», warnte kürzlich Dario Liguti von der Wirtschaftskommission für Europa der Vereinten Nationen (Unece). Konkret geht es um Nebenprodukte, die beim Raffinieren von Öl entstehen – beispielsweise Schwefel, Helium und Naphtha.
Helium-Engpass bedroht KI-Industrie
Diese Rohstoffe braucht die Industrie für die Herstellung von zahlreichen Gütern, die von industriellen Anwendungen eingesetzt werden – von Düngemitteln über Insektizide, Kunststoffe und Streichhölzer bis hin zu Kühlelementen. Naphtha kommt etwa bei der Herstellung von Kerosin zum Einsatz und ist ein wichtiger Baustein der Chemiebranche. Die Schwerindustrie nutzt Schwefel als Legierungselement für Stahl. 30 Prozent der weltweiten Schwefelproduktion passierte vor dem Krieg die Strasse von Hormus.
Gravierende Auswirkungen hat der Engpass beim Helium. Katar, einer der Hauptlieferanten, musste die Heliumproduktion bereits runterfahren. Das Edelgas ist essenziell für die Chip-Herstellung. Verteuern sich Halbleiter und Computerchips, steigen nicht nur die Preise für Smartphones oder Laptops, sondern leidet auch die immer grösser werdende Industrie um künstliche Intelligenz.
Preise für Kondome steigen
Die Lieferengpässe bei kritischen Rohstoffen führen dazu, dass einige alltägliche Produkte deutlich teurer werden dürften. Ein aktuelles Beispiel: Der global führende Kondomhersteller Karex will die Preise um 20 bis 30 Prozent erhöhen, wie die Nachrichtenagentur Reuters zuerst berichtet hat. Kosmetikkonzerne haben ebenfalls angekündigt, dass man für Cremes, Mascara und Lippenstifte bald tiefer ins Portemonnaie greifen muss.
Der Iran-Krieg hat bisher noch nicht merklich bei den Lebensmittelpreisen in der Schweiz durchgeschlagen. Das könnte sich aber künftig ändern. Denn rund ein Drittel der globalen Düngerproduktion kommt aus dem Nahen Osten. Wenn sich die hiesigen Bauern zu deutlich höheren Preisen mit neuem Dünger eindecken müssen, dürften sich auch Frischprodukte wie Fleisch oder Milch verteuern.