Darum gehts
- Kein Börsencrash trotz gescheiterter Iran-USA-Verhandlungen am Wochenende in Islamabad
- Ölpreise steigen vorübergehend über 100 US-Dollar, Konflikt belastet globale Wirtschaft massiv
- US-Verbrauchervertrauen auf Tiefststand seit 74 Jahren, SMI steigt um 0,7 Prozent
Der grosse Knall an den Börsen blieb am Montag überraschend aus: Dabei waren die Verhandlungen in Islamabad zwischen den USA und dem Iran am Wochenende gescheitert. US-Präsident Donald Trump hatte daraufhin eine vollständige Blockade der wichtigen Strasse von Hormus verkündet. Das Schulterzucken an den Aktienmärkten sorgt sogar bei den Anlageexperten für Stirnrunzeln: «Die gestrige Reaktion an den Finanzmärkten war erstaunlich», sagt Raiffeisen-Anlagechef Matthias Geissbühler (50) zu Blick.
In der Vorwoche hatten die Aktienmärkte nach der Verkündung des Waffenstillstands und in Erwartung konstruktiver Verhandlungen noch deutlich zugelegt. «Entsprechend wäre nach dem negativen Ergebnis eine stärkere Korrektur zu erwarten gewesen», so Geissbühler. Gerade auch, weil die Ölpreise am Montag deutlich angestiegen und zeitweise wieder über die Marke von 100 Dollar pro Barrel geklettert sind.
Die Gefahr einer weiteren Eskalation
Geissbühlers Erklärung: «Die Marktteilnehmer rechnen offensichtlich damit, dass es innerhalb der nächsten Tage doch noch zu einem Abkommen zwischen dem Iran und den USA kommen wird.» Ähnlich fällt die Einschätzung bei der Luzerner Kantonalbank aus: Positiv zu werten sei, dass die Kriegsparteien grundsätzlich gesprächsbereit sind, heisst es in der Analyse vom Dienstag.
Bankanalysten raten aber derzeit zu einer defensiven Strategie. Auch Geissbühler mahnt für den weiteren Börsenverlauf zur Vorsicht. «Das Risiko einer erneuten Eskalation ist weiterhin hoch und würde zu deutlichen Korrekturen an den Aktienmärkten führen.» Heisst: Der grosse Knall an der Börse könnte bei einem lange andauernden Krieg also doch noch kommen.
Normalisierung könnte Monate dauern
Wirtschaftlich ist der Schaden jedoch bereits angerichtet. Auch wenn es zu einer baldigen Lösung des Konfliktes und einer Öffnung der Strasse von Hormus kommen würde. Seit Kriegsausbruch sind die Preise für Öl und dadurch auch jene für Gas, Benzin, Diesel und Kerosin enorm stark gestiegen. Selbst bei einem Ende des Kriegs dauert es Wochen oder Monate, bis es zu einer Normalisierung der Energiepreise kommt, ist Geissbühler überzeugt: «Denn erstens sind die Lieferketten gestört und zweitens ist die Energieinfrastruktur im Nahen Osten teilweise zerstört worden.» Die Ölpreise dürften also noch länger hoch bleiben.
Wie geht es den Schweizer Firmen? Was läuft an der Wall Street? Und wie entwickelt sich der Goldpreis? Wir halten dich über die neusten Entwicklungen an den Märkten auf dem Laufenden – hier im Liveticker.
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Das Resultat ist ein weiterer Inflationsanstieg in den kommenden Monaten sowie anhaltend höhere Kapitalmarktzinsen. Die Luzerner Kantonalbank hat ihre Inflationsprognose fürs Jahr bereits auf 0,8 Prozent deutlich nach oben korrigiert. Höhere Zinsen und eine steigende Inflation sind eine Belastung für die globale Wirtschaft. Das dürfte sich auch negativ auf die Börsen auswirken.
Miserable Konsumentenstimmung in den USA
«Dass der Iran-Krieg Spuren hinterlässt, kann man beispielsweise am Konsumentenvertrauen ablesen», sagt Geissbühler und verweist auf jüngst publizierte Indizes: In den USA ist der von der Universität Michigan veröffentlichte Consumer Sentiment Index auf den tiefsten Stand seit Aufzeichnungsbeginn vor 74 Jahren gefallen. Und auch in der Schweiz ist der vom Seco veröffentlichte Index zum Konsumentenvertrauen im März deutlich gefallen.
An der Schweizer Börse bleibt man am Dienstag trotz allem weiterhin optimistisch. Der Leitindex SMI liegt zur Mittagszeit gut 0,7 Prozent im Plus.
Dieser Artikel dient ausschliesslich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Die dargestellten Meinungen und Einschätzungen beruhen auf sorgfältiger Recherche, können jedoch nicht die individuelle Prüfung und Beratung durch Fachleute ersetzen. Börsenentwicklungen sind von vielen Faktoren abhängig und nicht vorhersehbar. Investitionen in Aktien, Kryptowährungen und andere Finanzprodukte bergen Risiken, einschliesslich des möglichen Verlusts des eingesetzten Kapitals.
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