Darum gehts
- Hypothekarzinsen in der Schweiz steigen wegen Iran-Krieg und Kapitalmarktzinsen
- 10-jährige Festhypotheken stiegen von 1,77 % im Februar auf 1,84 %
- Anteil von 8- und 9-jährigen Festhypotheken stieg auf 18 % in 2026
Wer sich noch an wirtschaftlich ruhige Zeiten erinnern kann, dürfte beim Blick in den Spiegel mindestens einige graue Haare auf seinem Haupt entdecken: Aktuell ist es der Iran-Krieg, der global Unternehmen, Angestellte und Anleger verunsichert. Das kriegen nun die Schweizer Immobilienbesitzer oder solche, die es werden möchten, zu spüren.
Die Hypothekarzinsen in der Schweiz sind zuletzt wieder gestiegen, wie das aktuelle Hypothekenbarometer des Online-Vergleichsdienstes Comparis zeigt. Dies, obwohl die Schweizerische Nationalbank den Leitzins seit letztem Sommer unverändert gelassen hat.
Deutlicher Anstieg seit Februar
Gemäss Zahlen von Comparis liegt eine zweijährige Festhypothek aktuell über alle Anbieter bei 1,48 Prozent. Vor Ausbruch des Iran-Kriegs Ende Februar waren es noch 1,34 Prozent. Bei einer Fünfjährigen ging es von 1,51 Prozent Ende Februar auf 1,63 Prozent hoch. Bei einer zehnjährigen Laufzeit sind es heute 1,84 Prozent gegenüber 1,77 Prozent Ende Februar.
Ein Blick auf die angebotenen Zinsen zeigt Ende März folgende Spannen: Erstrangige Saron-Hypotheken wurden im Durchschnitt zwischen 0,8 und 1,2 Prozent angeboten, fünfjährige Festhypotheken zwischen 1,1 und 1,7 Prozent, zehnjährige Festhypotheken zwischen 1,4 und 2,0 Prozent.
Deutlich mehr Hypotheken mit kurzen Laufzeiten
Auslöser des Zinsanstiegs bei Hypotheken sind die Bewegungen an den Kapitalmärkten. Die Kapitalmarktzinsen sind seit Anfang des Jahres zunächst gefallen und nach Ausbruch des Iran-Krieges deutlich angestiegen. Treiber sind die geopolitischen Risiken, welche die Inflationserwartungen erhöhen. Das zeigt sich derzeit vor allem bei kurzfristigen Zinsen. «Der Anstieg der Marktzinsen bei den kurzen Laufzeiten und die Verflachung der Zinskurve deutet darauf hin, dass die Marktteilnehmenden eher kurzfristige negative Auswirkungen erwarten», schreibt der Comparis-Finanzexperte Dirk Renkert.
Die grosse Ungewissheit führt gemäss Comparis zudem zu einer deutlichen Verschiebung hin zu kürzeren Laufzeiten. So stieg der Anteil von Abschlüssen mit Laufzeiten bis drei Jahren im ersten Quartal auf 27 Prozent. Im Vorquartal lag er noch bei 17 Prozent. Der Anteil der Saron-Hypotheken hat sich gegenüber dem Vorquartal gar verdoppelt.
Experte warnt vor Zinsanstiegen bei längerem Krieg
«Der hohe Anteil von Saron-Hypotheken zeigt, dass Kosten deutlich im Vordergrund stehen», so Renkert. Bei einem länger anhaltenden Iran-Krieg besteht jedoch die Gefahr, dass sich Preise deutlich schneller erhöhen als ursprünglich erwartet. «Unter Umständen wäre die SNB dann gezwungen, die Zinsen anzuheben», warnt Renkert. Das würde direkt auf die Zinsen bei Saron-Hypotheken durchschlagen.
Sollten die Unsicherheiten länger als erwartet anhalten, erwartet Renkert ebenso, dass sich auch die Konditionen bei mittel- und längerfristigen Laufzeiten verteuern.
Kompromisslösung wird beliebter
Im ersten Quartal ist der Anteil der Hypotheken mit mittleren Laufzeiten (vier bis sieben Jahre) und solchen mit zehn Jahren Laufzeit gegenüber dem Vorquartal deutlich gesunken. Gerade bei langen Laufzeiten dürften die höheren Zinsen abschrecken: Die Richtsätze der Banken bei einer zehnjährigen Laufzeit liegen per Ende März 0,25 Prozentpunkte höher als bei einer fünfjährigen Laufzeit.
Bei den Festhypotheken mit acht- und neunjähriger Laufzeit erhöhte sich der Anteil hingegen deutlich. Lag dieser im ersten Quartal des Vorjahres noch bei rund vier Prozent, stieg er zwölf Monate später deutlich auf rund 18 Prozent aller Abschlüsse an. «Festhypotheken mit acht- und neunjähriger Laufzeit sind ein guter Kompromiss für Hypothekarnehmende, die hohe Planungssicherheit suchen und sich die Konditionen im Gegensatz zu zehnjährigen Festhypotheken noch gut leisten können», so der Comparis-Experte.