Bund forciert Wohnwende
Jetzt geraten die Hüsli der Babyboomer ins Visier

Viele Babyboomer leben heute allein oder zu zweit in Häusern, die einst für Familien gebaut wurden. Doch jetzt könnten Hunderttausende Hüsli unter Druck geraten: Der Bund will prüfen, wie sich aus den Eigenheimquartieren mehr Wohnraum herausholen lässt.
Kommentieren
1/6
Viele Einfamilienhäuser sind heute unterbelegt und werden von älteren Personen bewohnt.
Foto: Sven Thomann

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Babyboomer halten rund 300’000 Einfamilienhäuser, viele sind unterbelegt
  • Bund plant Studie zu Verdichtungspotenzialen bis Ende 2026
  • Behörden sprechen von einem «breiten Generationenwechsel», der ansteht
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Externe Inhalte
Möchtest du diesen und weitere externe Beiträge (z.B. Instagram, X und anderen Plattformen) sehen? Wenn du zustimmst, können Cookies gesetzt und Daten an externe Anbieter übermittelt werden. Dies ermöglicht die Anzeige externer Inhalte sowie von personalisierter Werbung. Deine Entscheidung gilt für die gesamte App und ist jederzeit in den Einstellungen widerrufbar.
IMG_4140.jpg
Sven AltermattCo-Ressortleiter Politik

Lange galt es als grosses Versprechen der Mittelschicht: Wer es geschafft hat, zieht ins Einfamilienhaus. Doch dieser Traum ist für viele kaum noch bezahlbar. Und er gerät auch sonst unter Druck: Die Wohnungsnot wächst, und die Schweiz soll nach innen verdichten.

Dabei rückt vor allem eine Generation in den Fokus: die Babyboomer. Sie besitzen einen grossen Teil der Einfamilienhäuser. Viele wohnen heute allein oder zu zweit in Häusern, die einst für Familien gebaut wurden. Bei den geburtenstarken Jahrgängen der Nachkriegszeit, den zwischen 1946 und 1964 Geborenen, stellt sich immer öfter die Frage: Was passiert mit unserem Haus?

Die Babyboomer-Frage wird zunehmend zum Politikum. Aus Bern kommen dazu auffallend klare Worte. Gegenüber Blick spricht das Bundesamt für Wohnungswesen von «rund 300’000 Einfamilienhäusern auf grosszügigen Parzellen, die häufig unterbelegt sind und von einer zunehmend älteren Bewohnerschaft bewohnt werden». Viele dieser Häuser seien «kaum für ein selbständiges Wohnen im Alter geeignet» – wegen ihrer Grösse, der hohen Unterhaltskosten, fehlender Barrierefreiheit oder der schlechten Anbindung an Läden und den öffentlichen Verkehr.

Externe Inhalte
Möchtest du diesen und weitere externe Beiträge (z.B. Instagram, X und anderen Plattformen) sehen? Wenn du zustimmst, können Cookies gesetzt und Daten an externe Anbieter übermittelt werden. Dies ermöglicht die Anzeige externer Inhalte sowie von personalisierter Werbung. Deine Entscheidung gilt für die gesamte App und ist jederzeit in den Einstellungen widerrufbar.

Der Bund wittert Morgenluft: Das Hüsli gerät ins Visier der Behörden. In den kommenden Jahren werde «ein breiter Generationenwechsel einsetzen, der oftmals mit einem erheblichen Sanierungsbedarf einhergeht». Das Bundesamt ist überzeugt: «Diese Ausgangslage bietet die Chance für eine qualitätsvolle und sozialverträgliche Verdichtung.»

Eine Provokation für Hausbesitzer?

Und die Behörden wollen jetzt genau wissen, was sich aus den Einfamilienhausquartieren herausholen lässt. Eine nationale Studie, mitfinanziert vom Bundesamt, soll das Entwicklungspotenzial systematisch untersuchen. Sie ist Teil eines grösseren Projekts, das von der Beratungsfirma Wüest Partner angestossen worden ist. Beteiligt sind auch die Kantone Bern und Baselland sowie die Ortschaften Burgdorf BE, Thun BE und Binningen BL. 

Ziel sei eine «datengetriebene und überregionale Grundlage zur zukunftsgerichteten Transformation von Einfamilienhausquartieren». Untersucht werden sollen Bestand, Nutzung und Potenzial der Häuser – mit Fokus auf den demografischen Wandel und das Wohnen im Alter. So weit, so technisch. 

Doch bei vielen Hausbesitzern dürfte das als Provokation ankommen. Denn im Kern geht es um die Frage: Was passiert mit unseren Häusern, wenn sie sanierungsbedürftig sind, ihre Besitzer ins Alter kommen – und gleichzeitig der Platz knapp wird?

«Häufig beträchtliche Baureserven»

Das Bundesamt benennt das Problem deutlich: Das Einfamilienhaus zeichne sich durch «eine geringe Flächen- und Wohnraumnutzung» aus. Viele Quartiere seien vor Jahrzehnten unter Bedingungen entstanden, «die sich seither verändert haben».

Aus Sicht des Bundes braucht es deshalb eine genauere Untersuchung. In der aktuellen Ausgangslage dränge es sich auf, «das Entwicklungspotenzial dieser Quartiere auf nationaler Ebene zu prüfen, insbesondere vor dem Hintergrund der Wohnungsknappheit und der Alterung der Bevölkerung». Besonders in zentral gelegenen Einfamilienhausgebieten gebe es häufig beträchtliche Baureserven, betont das Bundesamt. Die Studie soll das Verdichtungspotenzial nun quantifizieren. Die Ergebnisse werden bis Ende 2026 erwartet.

Bereits etwas Hoffnung macht ein neuer Wohnreport der Versicherung Helvetia: Immer mehr Ältere ziehen um – und könnten den angespannten Immobilienmarkt zumindest teilweise entlasten. Die Generation 55 plus ist demnach umzugsfreudiger als gedacht. Ihr Anteil an allen Umzügen in der Schweiz stieg in den letzten zehn Jahren von 9 auf 12 Prozent.

Harte Eingriffe haben es schwer

Was kann die Politik also tun, um die Wohnwende anzustossen? Die Studie soll «konkrete Handlungsoptionen» liefern. Klar ist: Harte Eingriffe – etwa eine Beschränkung des Eigentums oder Steuern nach Wohnfläche – dürften chancenlos sein. Bleiben freiwillige Ansätze, die Eigentümer zum Umdenken bewegen sollen. 

Was können Hüslibesitzer selbst tun?

Wer ein Einfamilienhaus besitzt, sollte sich auch selbst frühzeitig Gedanken über dessen Zukunft machen. Daran erinnert das Bundesamt für Wohnungswesen ebenfalls. Als Möglichkeit nennt es «sanfte Nachverdichtungen, bei denen der bestehende Gebäudebestand weiterentwickelt und barrierefreie Kleinstwohnungen geschaffen werden».

Heisst: Aus einem grossen Haus könnten mehrere kleinere Wohnungen werden – etwa für ältere Menschen, Familienangehörige oder Mieter. So würde mehr Wohnraum entstehen, ohne dass gleich ganze Quartiere neu gebaut werden müssten.

Der Bund unterstützte in diesem Zusammenhang auch das Angebot des Vereins MetamorpHouse. Dieser setzt sich dafür ein, Einfamilienhäuser in Mehrfamilienhäuser umzuwandeln. Eigentümer sollen motiviert werden, die Zukunft ihrer Liegenschaft frühzeitig selbst in die Hand zu nehmen. Auch andere Studien und Projekte zur Umgestaltung von Einfamilienhausgebieten wurden vom Bundesamt in der Vergangenheit bereits gefördert.

Wer ein Einfamilienhaus besitzt, sollte sich auch selbst frühzeitig Gedanken über dessen Zukunft machen. Daran erinnert das Bundesamt für Wohnungswesen ebenfalls. Als Möglichkeit nennt es «sanfte Nachverdichtungen, bei denen der bestehende Gebäudebestand weiterentwickelt und barrierefreie Kleinstwohnungen geschaffen werden».

Heisst: Aus einem grossen Haus könnten mehrere kleinere Wohnungen werden – etwa für ältere Menschen, Familienangehörige oder Mieter. So würde mehr Wohnraum entstehen, ohne dass gleich ganze Quartiere neu gebaut werden müssten.

Der Bund unterstützte in diesem Zusammenhang auch das Angebot des Vereins MetamorpHouse. Dieser setzt sich dafür ein, Einfamilienhäuser in Mehrfamilienhäuser umzuwandeln. Eigentümer sollen motiviert werden, die Zukunft ihrer Liegenschaft frühzeitig selbst in die Hand zu nehmen. Auch andere Studien und Projekte zur Umgestaltung von Einfamilienhausgebieten wurden vom Bundesamt in der Vergangenheit bereits gefördert.

In Bern will man sich da offenbar noch nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Das Bundesamt für Wohnungswesen verweist darauf, dass die Raumplanung vor allem Sache von Kantonen und Gemeinden ist. Sie seien am besten in der Lage, «Massnahmen oder Anreize zu entwickeln, um die von ihnen angestrebte Entwicklung der betreffenden Gebiete zu erreichen».

Doch eines scheint klar: Wenn die Schweiz mehr Wohnraum schaffen will, führt der Weg auch über die Hüsliquartiere.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen