Darum gehts
- Die geplanten Leerkündigungen im Zuger Hertizentrum wurden nach Protesten gestoppt
- Die Korporation Zug verhinderte das Vorhaben durch ihr Veto
- 68 Wohnungen betroffen, Mietzins nach Sanierung maximal 30 Prozent des Einkommens
Für die Bewohnerinnen und Bewohner des Hertizentrums war es eine Hiobsbotschaft: Die Eigentümerinnen der vier Zuger Wohnhäuser – darunter die kantonale Pensionskasse – wollten aufgrund einer geplanten Totalsanierung reinen Tisch machen – und die total 68 Wohnungen leerkündigen.
Nach grossem Aufschrei kam es dieser Tage plötzlich zur Kehrtwende. Die eigentlich vorgesehene Informationsveranstaltung zum Grossprojekt wurde kurzfristig abgesagt. An ihrer Stelle folgte ein Schreiben an die Mieterschaft: Übungsabbruch wegen «unvorhergesehene Umstände». Sorgte die öffentliche Entrüstung bei den Vermieterinnen doch noch zu einem Umdenken? Wie Recherchen der «Zuger Zeitung» zeigen, geschah das Einknicken alles andere als freiwillig.
Zuger SVP-Finanzdirektor im Fokus
Im Zentrum der Chaos-Tage steht ausgerechnet der Zuger Regierungsrat Heinz Tännler (65, SVP). Er ist als Finanzdirektor im Vorstand der Pensionskasse und Chef ihrer Anlagekommission. Beim grossen Rückzieher tritt Tännler als Auskunftsperson auf – und spricht von einer «verunglückten Kommunikation».
Nur: Der grosse Plan der Zuger Pensionskasse und der zweiten Eigentümerin WWZ AG mit den Hertizentrum-Hochhäuser scheiterte vor allem am Veto der Korporation Zug – der Vereinigung, auf deren Land die Wohngebäude stehen. «Ich war sehr überrascht, als ich aus der Zeitung von der geplanten Leerkündigung erfuhr. Davon war nie die Rede gewesen», sagt Urban Keiser, Präsident der Korporation, gegenüber der «Zuger Zeitung».
Die Korporation habe bereits bei anderen Projekten bewiesen, dass Sanierungen auch bei bewohnten Gebäuden möglich sind, so Keiser. Den Eigentümerinnen machte er daher klar: Ohne Rücknahme der Leerkündigungen werde die Korporation die notwendige Zustimmung zum Bauprojekt verweigern.
Kein überrissener Mietzins
Tännler bestätigt das Treffen mit Keiser gegenüber der «Zuger Zeitung». Nach einer Überprüfung der Unterlagen sei ihm selbst unklar gewesen, ob die Pläne mit dem Baurechtsvertrag vereinbar wären. Daraufhin berief er eine Sitzung der Anlagekommission ein, die die Rücknahme der Leerkündigungen beschloss.
Nicht nur könnten die Bewohnerinnen und Bewohner also auch während der Sanierung im Hertizentrum wohnen sollen – sie sollen auch vor einer überrissenen Mieterhöhung geschützt werden. «Ich verspreche, dass niemand der aktuellen Bewohnenden nach der Sanierung eine Marktmiete bezahlen muss, wenn sie oder er sich diese nicht leisten kann», so Tännler. Der neue Mietzins würde bei maximal 30 Prozent des Einkommens liegen – sofern nicht schon mehr bezahlt wird.
Statt Leerkündigungen bleibt also bloss ein Kommunikationsfiasko übrig. Mit ihrer eigentlichen Absicht ist sie jedoch nicht alleine: Auch andere Vorsorgestiftungen zeigten sich in den letzten Jahren rücksichtslos, wenn es um ihre Immobilien ging.
Grosskündigungen in Bern und Genf
Erst im Januar kündigte etwa die Pensionskasse der Burgergemeinde Bern den Vertrag mit insgesamt 18 Mietparteien – zur Ertragsoptimierung. Sanieren wollte die Stiftung die drei Liegenschaften in der Stadt Bern nämlich nicht. Vielmehr will die Kasse den Mietzins der Wohnungen um 41 bis 64 Prozent erhöhen.
Für Aufruhr sorgten kürzlich auch die Tätigkeiten der Pensionskasse des Kantons Basel-Stadt in Genf. 107 Mietparteien und 15 Geschäfte schmiss die Einrichtung aus fünf ihrer Immobilien. Der Westschweizer Mieterverband Asloca sprach gar von einem «Präzedenzfall». Selbst die städtische und kantonale Politik geht nun in den Widerstand.
Trotz all der anderen Beispiele sitzt der Schock in Zug tief. Die Eigentümerinnen hätten den lokalen Bezug verloren, kritisiert etwa die Korporation Zug. Bei den Bewohnerinnen und Bewohnern regiert aber vor allem eines: die Erleichterung.