Zürcher Wohnblöcke stehen seit acht Monaten leer
«Paradebeispiel dafür, wie Wohnprojekte durch Einsprachen verzögert werden»

Seit acht Monaten stehen an zentraler Lage in Schlieren drei Wohnhäuser leer. Die Anlagestiftung Vertina, der die Liegenschaften gehören, will aufwerten und verdichten. Doch eine Einsprache bremst das Grossprojekt aus.
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Diese zwei Wohnblöcke an zentraler Lage in Schlieren sollen abgebrochen werden.
Foto: zVg

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Einsprache stoppt Abriss von drei Wohnhäusern an zentraler Lage
  • Geplante Neubauten sollen aus 15 Wohneinheiten 37 Wohnungen machen
  • Liegenschaften stehen bereits seit 9 Monaten leer
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Dorothea VollenweiderRedaktorin Wirtschaft

In kaum einer anderen Gemeinde im Kanton Zürich ist der Wohnraum so knapp wie in Schlieren. In der Zürcher Agglo-Gemeinde standen letztes Jahr gerade mal 0,03 Prozent aller Wohnungen leer – das entspricht in etwa drei Wohnungen. Diese Leerstandszahlen, die vom Bund erhoben werden, sind alarmierend. Umso ärgerlicher dürfte es für Schlieremer sein, dass an der Zürcherstrasse drei Wohnhäuser leer herumstehen – und das schon seit letztem Sommer!

Dringend benötigter Wohnraum an zentraler Lage, den niemand nutzen kann. «Wir sehen diesen Fall als Paradebeispiel dafür, wie Wohnprojekte an stark nachgefragten Standorten durch Einsprachen verzögert werden», sagt Danilo Altieri (35), Geschäftsführer der Anlagestiftung Vertina. Der Anlagestiftung gehören die drei Liegenschaften. Sie will die zwei Wohnblöcke und das Mehrfamilienhaus abreissen und durch zwei grosse Neubauten ersetzen. Aus 15 Wohneinheiten sollten 37 werden.

Nachbarn wehren sich gegen Abbruch

Im Mai 2025 hat die Anlagestiftung die Bewilligung für den Abbruch der bestehenden Gebäude durch die Stadt Schlieren erhalten. Doch dann passierte, wovor sich wohl jeder Immobilienentwickler aktuell am meisten fürchtet: Eine Einsprache machte der Anlagestiftung einen Strich durch die Rechnung. 

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«Meine Mandatinnen wollen dafür kämpfen, dass die schönen Wohnhäuser erhalten bleiben»,
Martin Killias (77), Jurist und pensionierter Professor
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«Meine Mandatinnen wollen dafür kämpfen, dass die schönen Wohnhäuser erhalten bleiben», sagt der Jurist und pensionierte Professor Martin Killias (77), der den Rekurs für die Schlieremerinnen eingereicht hat. Die Einsprecherinnen wollen anonym bleiben. Sie wohnen in der Nachbarschaft und wehren sich dagegen, dass bezahlbarer Wohnraum abgerissen werden soll, obwohl noch nicht einmal ein Baugesuch vorliege. 

«Für die Betroffenen heisst das, ihnen stünden jetzt mehrere Monate bevor, in denen sie einen Schutthaufen vor der Tür haben», sagt Killias. «Und das, während so viele eine Wohnung suchen.» Die Mandatinnen seien in Schlieren aufgewachsen. Sie seien «beelendet» darüber, dass wieder ein Stück ihres «alten» Schlieren verschwinde. Die Wohnungen seien laut Killias noch gut erhalten, mit schönen Böden und hohen Decken. 

«Neuer Wohnraum wird verhindert»

Die Anlagestiftung hat für die Einsprache wenig Verständnis. «Der Abbruch der bestehenden Liegenschaften wird so ohne greifbare Begründung verzögert», sagt Altieri. Auf die Einladung für ein persönliches Gespräch habe die Gegenseite laut Altieri nicht reagiert.

Der Rekurs wurde durch das Baurekursgericht vor Ort einstimmig mündlich abgewiesen. «Dieses klare Urteil hätte umgehend akzeptiert werden können», so Altieri. Dass man nun auf ein schriftliches Urteil poche, verursache nicht nur eine weitere Verzögerung von mehreren Monaten, sondern koste auch den Staat zusätzlichen Aufwand. Das schade letztlich den Wohnungssuchenden und den investierten Pensionskassen und deren Versicherten.

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«Wir sehen diesen Fall als Paradebeispiel dafür, wie Wohnprojekte durch Einsprachen verzögert werden»
Danilo Altieri (35), Geschäftsführer Anlagestiftung Vertina
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Der Geschäftsführer sieht im Abriss der Liegenschaften nichts Falsches. «Eine Verdichtung in Zentrumslage ist dringend notwendig», sagt er. Zudem habe man für das Wohnprojekt diverse Begegnungszonen eingeplant, welche die Gemeinschaft unter den Mietern fördern sollen. Auch sei das Projekt nach den Vorgaben des SNBS (Standard nachhaltiges Bauen Schweiz) geplant worden und solle danach zertifiziert werden. 

Löst bauen das Wohnungsproblem?

Wie hoch die Mieten der neuen Wohnungen ausfallen werden, dazu will die Anlagestiftung aktuell keine Angaben machen. Es sollen eher kleine Einheiten entstehen, mit bis zu 3,5-Zimmern. «Wir wollen die Wohnblöcke nicht mit einem Luxusbau ersetzen», sagt Altieri zu Blick. Klar ist trotzdem: Die neuen Apartments werden teurer als die alten. Man werde sich an den Marktmieten orientieren, so die Anlagestiftung. 

Killias Mandatinnen macht das wütend. «Alle wollen bauen, bauen, bauen!» Doch man müsse endlich verstehen: «Dafür werden bezahlbare Wohnungen abgerissen», so Killias. «Mehr bauen, verschärft doch so das Wohnungsproblem!»

Es ist eins der grossen Paradoxe in Zeiten der Wohnungsnot. Während die einen die Lösung des Problems darin sehen, mehr Wohnungen zu schaffen, sehen andere darin der Anfang vom Ende. Und während sich die beiden Seiten bekämpfen, werden Bauprojekte für Monate oder Jahre auf Eis gelegt. Für Mieterinnen und Mieter heisst das: Wohnraum, der eigentlich noch genutzt werden könnte, steht leer. Und davon hat keiner etwas. Darin zumindest dürften sich beide Seiten einig sein. 

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