Immo-CEO zu billigem Wohnraum
Darum kann in der Schweiz niemand günstig bauen

Die Schweiz braucht ganz dringend mehr bezahlbaren Wohnraum. Doch können Neubauten überhaupt günstig sein? Billig bauen bleibt ein Wunschtraum, sagt Hiag-CEO Marco Feusi.
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Eins der aktuellen Wohnprojekte der Hiag ist ein 80-Meter-Hochhaus in Zürich-Altstetten.
Foto: Beyonity

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Dorothea VollenweiderRedaktorin Wirtschaft

Wenn die Schweiz etwas ganz dringend braucht, dann ist es mehr bezahlbaren Wohnraum. Um der Wohnungsnot entgegenzuwirken, soll der Wohnungsbau angekurbelt werden. Doch Neubauprojekte sind selten günstig.

Billig wohnt in der Schweiz, wer schon seit Jahrzehnten in seiner Mietwohnung verharrt. Sobald Altbauten abgerissen oder saniert werden, steigt die Miete deutlich.

Fragt man die SP, liegt das an der Profitgier der Investoren. Anders sieht es Marco Feusi (54), CEO des Immobilienentwicklers Hiag. Die Baukosten, sagt Feusi, seien hierzulande einfach sehr hoch. «In der Schweiz kann man nicht günstig bauen», sagt der Immo-Chef im Gespräch mit Blick.

1000 Wohnungen in der Pipeline

Der Hiag-CEO weiss, wovon er spricht. Feusi verantwortet den Bau mehrerer neuer Wohnüberbauungen landesweit. Aktuell befinden sich beim Unternehmen über 1000 Wohnungen in Entstehung oder in Planung. Schon fast fertig ist der Alto-Tower, ein Hochhaus in Zürich-Altstetten. Dort entstehen total 149 Wohnungen auf 24 Stockwerken. Ebenfalls im Bau und zum Teil schon fertiggestellt ist eine weitere grosse Wohnüberbauung in Cham ZG mit 140 Miet- und Eigentumswohnungen.

Bereits geplant, aber noch nicht im Bau, sind Wohnüberbauungen auf Arealen in Frauenfeld TG, Wetzikon ZH, Niederhasli ZH, Pratteln BL und ein weiteres in Zürich-Altstetten.

Bezahlbar ist anders

Die Hiag schafft dringend benötigten Wohnraum. Wenn die neuen Apartments nicht so teuer wären. Eine 2,5-Zimmer-Wohnung im Alto-Tower kostet 3200 Franken pro Monat, inklusive Nebenkosten. 4,5 Zimmer kosten monatlich 4200 Franken. Ein Grossteil der Bevölkerung kann sich solche Mietzinsen nicht leisten. Das erklärt auch, warum ein Drittel der Wohnungen – obwohl ab März bezugsbereit – noch immer nicht vermietet sind.

«In der Schweiz sind die baulichen Anforderungen enorm hoch», so begründet Feusi die hohen Mietzinsen. Bauvorschriften, etwa bezüglich der Schallisolation, verteuern den Bau laut dem CEO enorm. «Niemand will heute noch in eine Wohnung ziehen, in der man die Nachbarn oberhalb oder nebenan hört.» Deshalb werden beispielsweise 24 Zentimeter dicke Geschossdecken und Wohnungstrennwände betoniert. Das gehe ins Geld.

Investoren wollen Nachhaltigkeit

Auch an die Grösse der Räume werden strenge Anforderungen gestellt. «Das kleinste Schlafzimmer muss laut dem Baugesetz mindestens 10 Quadratmeter gross sein, und die Raumhöhen müssen mindestens 2,4 Meter betragen», so Feusi. Die von den Mieterinnen und Mietern gewünschten Standards seien ebenfalls hoch. Wer heute eine 4,5-Zimmer-Wohnung suche, wolle zwei Nasszellen, nicht eine.

Ökologische Standards verteuern den Bau zusätzlich. «Die energetischen Vorgaben sind streng», sagt Feusi. Die Gebäudehülle müsse gut gedämmt sein und die Energieversorgung erneuerbar und effizient. Das hänge nicht nur mit dem eigenen Umweltbewusstsein zusammen. «Unsere Investoren sind Pensionskassen und Versicherungen», so Feusi. Diese hätten heute oft Vorgaben bezüglich Nachhaltigkeit. Wer nicht mithält, verliert wichtige Geldgeber.

Ebenfalls kostenrelevant: der Boden, auf dem ein Wohngebäude steht. Ein zunehmend rares Gut, das sich in den letzten Jahren massiv verteuert hat. «Der Boden macht an städtischen Lagen heute rund 50 Prozent des Werts einer Liegenschaft aus», sagt Feusi.

Hiag will mehr Wohnfläche

Die HIAG ist auf die Umwandlung von ehemaligen Industriearealen spezialisiert. Der Firma gehören rund 2,4 Quadratkilometer Land. Das entspricht etwa 336 Fussballfeldern. Sie gehört damit zu den grössten Grundbesitzern des Landes.

Die Hauptaktionärin der HIAG ist die Familie Grisard. Sie fährt mit ihrem Geschäftsmodell einen erfolgreichen Kurs. Das Immobilienportfolio der Hiag hat aktuell einen Gesamtwert von 2 Milliarden Franken. Das sind rund 800 Millionen mehr als vor zehn Jahren. Aktuell seien noch 85 Prozent davon Gewerbefläche und nur 15 Prozent Wohnfläche. Doch das soll sich ändern. «Wir investieren massiv in den Bau von Wohnungen», sagt Feusi. In zehn Jahren soll deren Anteil bei 25 Prozent liegen.

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