Miet-Irrsinn im Sphinx – ein Fünftel des Hochhauses steht leer
Eine 1-Zimmer-Wohnung kostet monatlich 3000 Franken

Das Hochhaus Sphinx in Zürich ist seit vier Monaten bezugsbereit. Trotzdem steht noch ein Fünftel der 1- bis 2-Zimmer-Wohnungen leer. Liegt es an den hohen Mietpreisen? Die Begründung der Eigentümerin Swiss Life wirft Fragen auf.
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In diesem Hochhaus in Zürich-Wiedikon werden ausschliesslich 1- bis 2-Zimmer-Wohnungen angeboten.
Foto: zVg

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • In Zürich-Wiedikon stehen 15 von 70 Hochhauswohnungen noch leer
  • Die 1- bis 2-Zimmer-Wohnungen sind 60 bis 70 Quadratmeter gross
  • Swiss Life bietet sie den Betroffenen von Leerkündungen als Übergangslösung
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Dorothea VollenweiderRedaktorin Wirtschaft

Dieses Hochhaus ist besonders: Im Sphinx in Zürich-Wiedikon gibts ausschliesslich 1- bis 2-Zimmer-Wohnungen. Wer jetzt glaubt, dass die tiefe Zimmerzahl automatisch mit tiefen Mietzinsen einhergeht, täuscht sich gewaltig. Diese Wohnungen kosten zwischen 2500 und 3300 Franken pro Monat – Nebenkosten kommen noch obendrauf. Das ist recht viel Geld, auch wenn die Wohnungen mit 60 bis 70 Quadratmetern grosszügig geschnitten sind.

Solche Mieten sind selbst für Normalverdiener hoch. So eignen sich diese Wohnungen in erster Linie für Alleinstehende mit einem hohen Einkommen. Eigentümerin des Neubaus ist die Versicherung Swiss Life. Die Wohnungen seien «besonders attraktiv für Ärzt:innen und leitendes Spitalpersonal», schreibt diese auf der Website des Neubaus. Das Hochhaus steht nahe dem Triemli-Spital. Es soll eine breite Zielgruppe von «Urban Professionals» ansprechen. 

Zielgruppe Gutverdiener

Doch fühlen sich tatsächlich so viele Gutverdiener angesprochen, wie sich das die Anlagestiftung vorgestellt hatte? Denn obwohl der Bezugstermin des Hochhauses bereits am 1. Dezember war, steht aktuell noch immer ein Fünftel der Wohnungen leer. Von den insgesamt 70 Wohneinheiten sind 15 nicht vermietet. Und das in Zeiten, in denen viele Mieterinnen und Mieter in Zürich verzweifelt nach einer Wohnung suchen. 

Dazu zählen auch Mietparteien aus anderen Swiss-Life-Liegenschaften. Nur ein paar Strassen weiter reisst der Versicherer gleich mehrere Mehrfamilienhäuser ab. An der Triemlistrasse 127 und 129 und am Letzigraben 247 bis 251 müssen bis Oktober nächsten Jahres 38 Mietparteien raus. Anstelle der Altbauten sollen 72 Alterswohnungen entstehen.

Übergangslösung für Leerkündigung

«Dass noch mehrere Wohnungen frei sind, hängt wesentlich damit zusammen, dass von den noch verfügbaren Wohnungen über die Hälfte nur befristet vermietet wird», erklärt Swiss-Life-Sprecher Robin Rickenbacher.

Der Grund dafür: Die Anlagestiftung will die Wohnungen auf Ende März 2027 für die Betroffenen der Leerkündigung am Letzigraben und der Triemlistrasse freigeben. Sie sollen für die Dauer der Bauarbeiten eine Wohnung im nahe gelegenen Hochhaus Sphinx beziehen können. 

Das tönt erst einmal erfreulich. Immerhin bietet Swiss Life eine Übergangslösung an. Fragt sich jedoch, wie viele der Betroffenen von dieser Übergangslösung tatsächlich profitieren und diese sich auch leisten können.

Nur wenige kommen infrage

Die Anlagestiftung will zwar keine konkreten Angaben zur Höhe der Mieten in den alten Liegenschaften machen, bestätigt aber, dass sie deutlich tiefer liegen als jene im Hochhaus. «Die befristeten Mietverhältnisse für die Übergangslösung im Sphinx werden daher zu Vorzugskonditionen angeboten», sagt Rickenbacher.

Die modernen Wohnungen sind also nur eine temporäre Lösung – und auch nur für jene Mieterinnen und Mieter, die danach in den Ersatzneubau gefüllt mit Alterswohnungen, zurückziehen wollen oder können. 

Was ist mit den anderen Mietparteien? «Ziel ist es, dass für alle Betroffenen eine passende Anschlusslösung gefunden werden kann», sagt Rickenbacher von Swiss Life.

Nichts für Familien

Klar ist: Für Familien taugen die 1- bis 2-Zimmer-Wohnungen im Sphinx nichts. «Natürlich ist es auch etwas eine Scheinalternative», stimmt Gabriela Debrunner (35), Professorin für Raumplanung und Wohnen an der Universität Lausanne zu. 

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«Streng genommen zählt das nicht mehr als Verdichtung»
Gabriela Debrunner (35), Professorin für Raumplanung und Wohnen an der Uni Lausanne
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Trotzdem sei die Schaffung kleinerer Wohnungen durchaus zeitgemäss. «Wir sehen eine zunehmende Individualisierung der Gesellschaft», so die Expertin. «Immer mehr Menschen wohnen lieber allein, weil sie ihre Privatsphäre schätzen – und viele können es sich auch leisten.» Insofern bedienen solche kleinen Einheiten eine Nachfrage. 

Verdichtung geht anders

«Streng genommen zählt das aber nicht mehr als Verdichtung, also höhere Nutzungsdichte, weil auf derselben Fläche nur eine Person lebt, wo sonst vielleicht eine vierköpfige Familie wohnen könnte», so Debrunner.

Im Sphinx beansprucht ein Einpersonenhaushalt 70 Quadratmeter Wohnraum, während es bei einer vierköpfigen Familie, die auf einer Fläche von 120 Quadratmetern wohnt, 35 Quadratmeter pro Kopf sind. Im Schweizer Schnitt sind es 45 Quadratmeter. 

Kleine Wohnungen zu bauen, sei aber auch aus anderen Gründen eine beliebte Strategie von institutionellen Investoren. Für die Wirtschaftlichkeit eines Wohnhauses ist die Anzahl der Wohnungen laut Debrunner entscheidend: je mehr davon, desto höher die Rendite.

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