Sperrung der Strasse von Hormus
Krieg im Iran verteuert Lippenstift, Fleisch und Heizen

Steigende Benzinpreise sind nicht die einzige böse Überraschung für das Portemonnaie der Konsumenten. Selbst die Preise für Lippenstift oder Smartphones treibt der Krieg in Iran nach oben.
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Donald Trump droht dem Iran mit «der Hölle», ...
Foto: IMAGO/ZUMA Press Wire

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Iran soll Strasse von Hormus bis 7. April öffnen, Trump droht
  • Ölpreise steigen: WTI 112 Dollar, Brent 110 Dollar über Ostern
  • Schweizer Benzinpreise nahe 2 CHF, Heizöl zwei Drittel teurer seit März
  • Auch bei Kosmetika droht ein Preisschub
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Christian KolbeRedaktor Wirtschaft

Die Iraner müssen die Strasse von Hormus bis Dienstagabend US-Ostküstenzeit für den Schiffsverkehr wieder freigeben. Sonst droht US-Präsident Donald Trump (79) ihnen mit nichts Geringerem als «der Hölle». Was auch immer nach Ablauf des Ultimatums passiert, die Strasse von Hormus dürfte so schnell nicht wieder passierbar sein.

Im Gegenteil: Bis zum 10. April werden die letzten Tanker, die noch vor Kriegsausbruch am 28. Februar das Nadelöhr der Weltwirtschaft in Europa eintreffen. Danach ist mit Nachschub aus dem Persischen Golf fürs Erste Schluss. In den USA dürfte dies ein paar Tage später der Fall sein.

Wie bedrohlich der Versorgungsengpass mit dem Schmiermittel der Weltwirtschaft ist, zeigt sich an den Märkten. Normalerweise liegt der Preis für die US-Sorte WTI unter dem Preis für die globale Referenzsorte Brent. Doch über Ostern hat Verhältnis gekehrt: Das Fass Rohöl der Sorte WTI kostete 112 Dollar, das Barrel Brent 110 Dollar. Das zeigt, die USA sind von der Schliessung der Strasse von Hormus stärker betroffen, als Trump lieb ist.

Die steigenden Rohölpreise verteuern viele Produkte, zum Teil solche, mit denen du nicht gerechnet hast. Und natürlich ganz offensichtlich die Preise für Energie und Benzin. Denn durch die Strasse von Hormus werden nicht nur Rohöl, sondern auch Gas und raffinierte Produkte wie Diesel oder Kerosin transportiert.

Benzin

Über Ostern blieb der Preis für den teuersten Liter Bleifrei 95 an den teuersten Standorten knapp unter der Grenze von 2 Franken. Gut möglich, dass sich das schon morgen Dienstag ändert, die Tankfüllung nochmals teurer wird.

Heizöl und Gas

Heizöl ist zwei Drittel so teuer wie noch Anfang März, Gas kostet rund die Häfte mehr. Zum Glück steht der Sommer vor der Türe, das Auffüllen des leeren Heizöltanks kann noch etwas warten. Auch Gas wird weniger verbraucht, aber die Lager in Europa sind nur zu einem Drittel gefüllt. Das heisst, es muss teures Gas dazugekauft werden, um für den kommenden Winter gerüstet zu sein. Was sich schon bald in der Gasrechnung niederschlagen wird.

Fleisch und Milchprodukte

Rund ein Drittel der globalen Düngerproduktion kommt aus dem Nahen Osten. Auch wenn die Schweizer Bauern für die aktuelle Pflanzsaison den Dünger schon eingekauft haben, irgendwann werden sie ihre Lager wieder auffüllen müssen – zu möglicherweise viel höheren Preisen. Mit Folgen für die Lebensmittelpreise. Die gestiegenen Transport- und Energiekosten, zum Beispiel für Kühlung, dürften schon bald auf die Preise von Frischprodukten wie Fleisch oder Milch durchschlagen.

Smartphones und Medizin

Helium wird knapp – mit gravierenden Folgen für die Industrie. Helium ist ein Nebenprodukt der Flüssiggasherstellung. Und diese steht in Katar seit dem Angriff auf die Raffinerie Ras Laffan praktisch still. Helium ist wichtig für die Kühlung, Chipproduktion oder auch in medizinischen Geräten. Das heisst, es droht ein Mangel an Computerchips für Smartphones und andere elektronische Geräte – mit entsprechenden Folgen für die Preise.

In MRI-Geräten kommt Helium als Kühlmittel zum Einsatz. Sollte der Mangel an Helium anhalten, drohen Wartungsprobleme und Engpässe bei MRI-Terminen.

Lippenstift und Mascara

Der Krieg im Iran hat Folgen bis vor den Schminkspiegel: «Wir beobachten steigende Kosten aufgrund der Energiepreisinflation, die durch Lieferverzögerungen noch verschärft wird», sagt Simone Dominici, Chef des italienischen Kosmetikkonzerns Kiko gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. «Da so viele Container im Nahen Osten festsitzen, ist die Verfügbarkeit von Containern knapper und die Waren ‌werden nicht effizient bewegt.» Was die Preise für Lippenstift oder Mascara ansteigen lässt.

Dazu kommen die Preissteigerungen bei einigen aus Rohöl produzierten chemischen Komponenten sowie steigende Verpackungskosten. Zum Beispiel für aus Kunststoffgranulat hergestellte Tiegel für Cremen.

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