Darum gehts
- Der Iran blockiert seit Ende Februar die wichtige Strasse von Hormus
- Die globale Ölversorgung ist daher bedroht
- Ab 10. April drohen massive Benzin- und Dieselengpässe in Europa, prognostiziert die US-Bank J. P. Morgan
Seit gut einem Monat tobt der Iran-Krieg. Und seit gut einem Monat ist die Strasse von Hormus, die vom Iran kontrolliert wird, praktisch unpassierbar. Die schmale Meerenge ist für die Ölversorgung der Weltwirtschaft zentral: Rund ein Fünftel der globalen Ölmengen werden durch sie transportiert.
Stehen die Tanker und Frachter über längere Zeit still, drohen früher oder später Engpässe bei der Energieversorgung – auch hier in Europa. Jetzt zeigt eine neue Studie der US-Bank J. P. Morgan: Eine Versorgungskrise hat Europa eher früher. Ab 10. April, um genau zu sein. In fünf Tagen könnte uns «ein massiver Engpass bei Benzin und Diesel bevorstehen». Laut der Grossbank treffen an diesem Tag die letzten vor Kriegsbeginn verschifften Öltransporte ein. Danach wird der Import weitgehend zum Erliegen kommen, so die Prognose.
China und Indien besonders stark betroffen
Andere Regionen trifft es laut der Bank aber noch härter. Asien und der Süden Afrikas erhalten demnach bereits seit 1. April praktisch keine Öllieferungen mehr. Besonders betroffen seien Länder wie China und Indien, die bis zu 90 Prozent ihres Öls aus dem Persischen Golf beziehen. In Südafrika wird bereits seit Mitte März ein Rückgang der Öllieferungen verzeichnet.
Und auch das Heimatland von J. P. Morgan, die Vereinigten Staaten, sowie Kanada bekommen die Folgen des Kriegs bald noch mehr zu spüren: In Nordamerika würden sich die Auswirkungen ab 15. April zeigen, insbesondere bei Dieselimporten. Nahezu ein Drittel des weltweit gehandelten Diesels stammt aus dem Nahen Osten. Ein längerer Stillstand der Strasse von Hormus könnte die globale Infrastruktur, die Landwirtschaft und den Transportsektor «empfindlich stören», so der Befund.
Versorgungslage in der Schweiz noch stabil
Um die explodierenden Rohölpreise zu stabilisieren, hat die Internationale Energieagentur (IEA) bereits am 13. März beschlossen, 400 Millionen Barrel Öl aus den Notfallreserven ihrer Mitgliedsländer freiwillig freizugeben. Auch die Schweiz hat einen Sitz in der IEA.
Unser Land hält sich mit der Freigabe von Ölreserven aber noch zurück, wie Blick damals in Erfahrung bringen konnte. Auf Anfrage teilte das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) mit: «Aufgrund der zurzeit gesicherten Versorgung der Schweiz mit Mineralölprodukten und der vorgesehenen nationalen Flexibilität beteiligt sich die Schweiz vorerst nicht an der freiwilligen Freigabe.»
Für die Schweiz ist die Lage derzeit also stabil. Der Bund verfolge die Lage aber genau und würde bei Bedarf aktiv werden, teilte das BWL mit.