Darum gehts
- 150 bis 200 Schiffe stauen sich in der Strasse von Hormus
- Ölpreis steigt von 71 auf 95 Dollar pro Barrel seit Konfliktbeginn am vergangenen Wochenende
- Schweizer Exporte in Nahost: jährlich über 1 Milliarde Franken betroffen
Tanker und Frachtschiffe stauen sich: Statt die Strasse von Hormus zu passieren, liegen sie vor Anker. Seit Ausbruch des Iran-Kriegs am vergangenen Wochenende kann kaum ein Schiff die Meerenge mehr passieren. Blick erklärt dir, was das genau bedeutet und was die Auswirkungen für die Schweiz sind.
Was ist die Strasse von Hormus?
Dabei handelt es sich um eine Meerenge zwischen dem Iran, den Vereinigten Arabischen Emirate sowie dem Oman. Die gerade mal drei Kilometer breite Fahrrinne ist über den Wasserweg der einzige Zugang zum persischen Golf. Die Strasse ist für die Ölversorgung der Weltwirtschaft zentral: Rund ein Fünftel der weltweiten Ölmengen gehen hier durch. Doch Iran hat passierenden Schiffen mit Angriffen gedroht. Deshalb stehen nun Frachter und Tanker still.
Wie viele Schiffe sitzen fest?
Aktuell liegen 150 bis 200 in der Strasse von Hormus vor Anker. «Im Normalbetrieb sind es durchschnittlich etwa 100 Schiffe, die die Strasse täglich passieren», erklärt Jan Eberle, Leiter der Branche Logistik bei GS1 Switzerland. Betroffen sind vor allem Tanker, wie ein Blick auf die Website vesselfinder.com zeigt. Aber auch Frachtschiffe, die beispielsweise nach Indien wollen, kommen aktuell nicht weiter.
Was sind die Auswirkungen?
Die Blockade trifft vor allem den weltweiten Öl- und Gashandel. «Aktuell zeigt sich, dass die Benzin- und Dieselpreise bereits steigen. Das kann einen Engpass widerspiegeln», erklärt der Logistik-Experte. Es muss aber nicht zwingend am Engpass liegen, dass die Preise klettern – aktuell treibt diese vor allem die Marktunsicherheit nach oben. Ein Liter Öl der Marke Brent kostet am Sonntagnachmittag 95 Dollar. Zum Vergleich: Vergangene Woche waren es um die 71 Dollar.
An vielen Schweizer Zapfsäulen sind die Benzinpreise bereits nach Kriegsausbruch am vergangenen Wochenende um mehrere Rappen hochgegangen. Es droht gar ein Dieselpreis von über 2 Franken pro Liter. Viele Schweizerinnen und Schweizer entschieden deshalb, ihr Auto vollzutanken, bevor die Preise noch weiter klettern. «Wir haben an unseren acht Tankstellen noch nie so viel Benzin verkauft wie am vergangenen Wochenende. Das war ein neuer Rekord», sagte Etzelpark-Inhaber Michael Knobel (45) am Dienstag zu Blick. Die kleine Tankstelle lockt besonders preissensible Kundschaft an.
Droht uns das Öl auszugehen?
Der Experte gibt Entwarnung: Eberle rechnet nicht damit, dass durch den Konflikt ein grösserer Engpass bei Öl oder Gas entsteht. «Es droht keine akute Knappheit in der Schweiz, da keine Ressourcen aus dieser Region bezogen werden.» Doch wie verschiedene Berichte zeigen, könnte das Fliegen bald teurer werden. Die Blockade der Strasse von Hormus treibt auch die Preise für Flugzeugtreibstoff nach oben. «Langfristig wird es sich zeigen, welche Auswirkungen sich aus diesem Konflikt ergeben», so der Experte weiter.
Was bedeutet das für Schweizer Lieferketten?
Warentransporte in die Schweiz sind gemäss dem Logistik-Experten bisher nicht direkt betroffen. «Die nicht abschätzbare Dynamik kann jedoch zur Folge haben, dass die Kosten steigen werden und globale Transportwege sich verteuern», so Eberle.
Diese Gefahr sieht auch Swissmem, der Verband der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie. «Potenziell wird sich der Krieg verteuernd, verzögernd, erschwerend auf die Lieferketten auswirken», so Direktor Stefan Brupbacher (58) zu Blick.
Auch Schweizer Exporteure sind betroffen: Güter im Wert von mehr als einer Milliarde Franken liefern die Schweizer Hersteller jährlich vor allem nach Saudi-Arabien und in die Vereinigten Arabischen Emirate. Brupbacher betont: «Diese Hersteller merken die Auswirkungen des Kriegs sofort.»