Darum gehts
- Krieg im Nahen Osten beeinträchtigt Schweizer Lieferketten und Energieversorgung
- Schweizer Exportindustrie liefert jährlich Waren im Wert von über 1 Milliarde Franken
- Europa bleibt wichtig: 55 Prozent der Exporte gingen 2025 in die EU
Nächster Schlag für die Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie. Nach dem US-Zollhammer zittern Schweizer Exporteure erneut. «Der Nahe Osten ist ein wichtiger Markt für Schweizer Tech-Industrie», sagt Swissmem-Direktor Stefan Brupbacher (58) im Gespräch mit Blick. Güter im Wert von mehr als einer Milliarde Franken liefern die Schweizer Hersteller jährlich vor allem nach Saudi-Arabien und in die Vereinigten Arabischen Emirate. «Diese Hersteller merken die Auswirkungen des Krieges sofort», betont Brupbacher.
Israel und die USA haben dem Iran den Krieg erklärt. Seit Samstagmorgen bekriegen sich mehrere Länder im Nahen Osten, die Strasse von Hormus ist stark eingeschränkt.
Dabei hatte die Schweizer Industrie nach den Zollschlägen von 2025 gehofft, dieses Jahr endlich aufatmen zu können. «Ende 2025 gab es einen Lichtblick. Dieser ist in den letzten 72 Stunden von dunklen Wolken überschattet worden», so der Direktor der Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie.
Längerer Transport und teurere Energie
Durch den Kriegsausbruch im Nahen Osten sind die Lieferketten vieler Schweizer Firmen massiv gestört. Sowohl auf dem Seeweg als auch via Luftfracht wird es deutlich länger gehen – und mehr kosten. Wie gross die Auswirkungen genau ausfallen, kann der Verbandsdirektor noch nicht einschätzen. «Potenziell wird sich der Krieg verteuernd, verzögernd, erschwerend auf die Lieferketten auswirken», so Brupbacher.
Da die Strasse von Hormus weitgehend blockiert ist, wird die Beschaffung von Öl und Gas stark erschwert. Gerade Firmen in der Metallverarbeitung, die ihren Verbrauch bereits massiv gesenkt haben, brauchen für die Prozesswärme viel Energie. Für diese Firmen gibt es kaum Alternativen zu Erdgas – diese seien dann von Preiserhöhungen stärker betroffen, erklärt Brupbacher.
Ebenfalls einschneidend ist der starke Schweizer Franken. Wegen des Krieges droht dieser weiter durch die Decke zu gehen. «Das schadet unseren Firmen sowieso schon. Kurzfristig ist der starke Schweizer Franken unser grösster Feind», so Brupbacher. Langfristig sorge der Franken aber für Preisstabilität und tiefe Zinsen – beides wiederum ein Vorteil.
Europa als Anker
Es wird sich nun zeigen, inwiefern Exporte 2026 wieder Fahrt aufnehmen können. Gegenüber anderen Ländern sind Schweizer Firmen mit dem neuen Zollsatz in den USA jetzt nicht mehr benachteiligt. «Die Frage ist eher, ob die amerikanischen Wirtschaft bei diesem Chaos noch investiert», so Brupbacher.
Grosser Anker ist deshalb Europa: 55 Prozent der Schweizer Exporte landeten im vergangenen Jahr dort, sowohl in Deutschland als auch in Frankreich und Italien. Doch die EU will in Zukunft mehr Geschäfte innerhalb der EU machen und so Wachstum fördern. «Wir müssen es schaffen, dass die Schweiz nicht ausgeschlossen wird» so Brupbacher. Deshalb sei die Unterzeichnung der Bilateralen III so wichtig.
Jetzt kommt es darauf an, wie viele Aufträge die Schweizer Industrie an Land ziehen kann. Der Auftragseingang hat sich Ende letzten Jahres wieder leicht erholt.