Darum gehts
- Iranische Angriffe erschüttern Dubai, Berner Nico Tschanz bleibt vor Ort
- 94 Verletzte, drei Tote seit Kriegsbeginn am Wochenende in den VAE
- Tschanz fliegt Mitte März nach Bern, Rückflug nach Dubai bereits gebucht
Immer mehr Schweizerinnen und Schweizer zieht es nach Dubai. Einer von ihnen ist Nico Tschanz (36). Der Berner lebt seit über vier Jahren in der Wüstenmetropole – seiner Traumdestination, wie er sagt. Doch in der Luxusstadt in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) herrscht wegen des Iran-Kriegs seit einer guten Woche Ausnahmezustand. Die VAE sind bislang die Hauptleidtragenden der iranischen Vergeltungsaktionen.
«Es geht mir grundsätzlich gut», sagt Tschanz am Telefon zu Blick. «Doch die Häufigkeit der Angriffe in den ersten 48 Stunden hat mich überrascht.» Für den Schweizer eine ungewohnte Situation im Touristenhotspot.
Ausgerechnet jetzt besucht ihn seine neue Lebenspartnerin aus der Schweiz zum ersten Mal. Die beiden führen eine Fernbeziehung. «Die meisten Sorgen mache ich mir um sie. Ich hoffe, sie kann bald nach Hause zurückkehren», so Tschanz. Aktuell sieht es so aus, als könnte seine Freundin am Sonntag mit Emirates in die Schweiz zurückfliegen. Für ihn ist dagegen klar: «Ich bleibe in Dubai».
Feuerball am Himmel
Einmal sass das Paar am späten Abend auf dem Balkon, als ein Feuerball angeflogen kam. «Wir sind sofort reingegangen und haben die Fenster und Vorhänge geschlossen», so Tschanz. Passiert ist zum Glück nichts. «Solche Situationen können sehr beängstigend sein – du kannst es einfach nicht abschätzen.»
Die grösste Gefahr in Dubai droht aktuell von herunterfallenden Drohnensplittern. Das Luftabwehrsystem der VAE zerstört die Raketen zwar bereits hoch im Himmel, die Teile regnen dann aber trotzdem auf die Erde herab. In den VAE wurden seit dem Kriegsausbruch gemäss einer lokalen Zeitung 112 Menschen verletzt, drei Personen verloren ihr Leben.
Seit Tschanz besser über das Luftabwehrsystem informiert ist, fühlt er sich sicherer. «Wenn es dreimal hintereinander knallt, wurde die Rakete erfolgreich abgefangen. Das ist also ein gutes Zeichen», erklärt der Berner. Anfangs hätten ihn die Explosionen noch verunsichert.
Seit Mittwoch habe es in seiner Region jedoch kaum mehr Angriffe gegeben, sagt Tschanz. Die VAE informieren mittels Push-Benachrichtigungen über mögliche Angriffe, damit die Bevölkerung Zeit hat, sich in Sicherheit zu bringen. Diese Kommunikation funktioniere sehr gut.
Laut Tschanz kehrt langsam wieder der Alltag in Dubai ein. Die Supermärkte und Fitnesscenter öffnen wieder. Doch einkaufen geht in der Luxusstadt eigentlich kaum jemand. Normalerweise bestellt man online, innert 15 Minuten kommt die Lieferung zu Hause an. «Das funktioniert aktuell nicht mehr. Ich gehe jetzt wieder selber einkaufen – wie ich das aus der Schweiz kenne», so Tschanz.
«Panik bringt nichts»
Von Panik oder leeren Regalen in den Supermärkten hat er bisher nichts bemerkt. «Das Leben läuft einfach viel langsamer ab als sonst», so der Auswanderer. Doch viele Einwohner bleiben zu Hause, Touristen versuchen die Metropole zu verlassen. Vor dem Burj Khalifa, wo sich sonst riesige Massen tummeln, sind die Strassen aktuell wie leer gefegt. Tschanz beunruhigt das aber nicht: «Es bringt nichts, in Panik zu verfallen.»
Doch nicht alle sehen die Situation so entspannt wie der Schweizer. Er kennt auch ein Paar, das in den Oman geflüchtet ist. Andere Auswanderer wollen zurück in die Schweiz. «Ich kann nachvollziehen, dass sie sich aktuell hier nicht sicher fühlen», sagt Tschanz.
Mitte März kehrt auch er für einen Besuch zurück in die Schweiz. Als Vertreter der Auslandschweizer-Organisation (ASO) für VAE hat er eine Sitzung in Bern. «Wenn möglich, komme ich etwas früher in die Schweiz als geplant. Doch zuerst sollen Familien und Kinder heimreisen können», sagt Tschanz.
In der Schweiz zu bleiben, steht für ihn aber nicht zur Debatte. Sein Rückflug nach Dubai ist bereits gebucht. «Mein Leben ist hier, das habe ich mir so ausgesucht.»