«Mache mir Sorgen wegen dem Krieg»
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Grosser Andrang bei Tankstelle:«Mache mir Sorgen wegen dem Krieg»

Iran-Krieg löst Ansturm auf Tankstellen aus
Schweizer Autofahrer hamstern Treibstoff – Tankstellen-Betreiber sprechen bereits von 2 Franken pro Liter

Der Krieg im Iran treibt Schweizer zum Sprit-Hamstern. Nicht nur Benzinpreise steigen, sondern auch Heizöl verteuert sich deutlich. Was blüht der Schweiz bei einem längeren Krieg?
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Altendorf SZ: Sonntagabend stauten sich Autofahrer an der Coop-Tankstelle. Vielen anderen im Land ging es gleich.
Foto: Leserreporter

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Krieg im Iran treibt Ölpreise und Schweizer Tankstellenpreise seit Samstag hoch
  • Tankstellen-Inhaber meldet Rekordverkauf
  • Ölpreis Brent stieg auf 78 Dollar, Blockade der Strasse von Hormus entscheidend
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Martin SchmidtRedaktor Wirtschaft

Obwohl der Iran über 3800 Kilometer von der Schweiz entfernt ist, strahlt der Kriegsausbruch dort am Samstag unmittelbar bis in die Schweiz aus. An hiesigen Tankstellen haben sich übers Wochenende regelrechte Blechlawinen formiert. Der Grund für das Sprit-Hamstern: Der Ölpreis schoss innert kurzer Zeit massiv in die Höhe. 

«Ich mache mir bei der aktuellen Nachrichtenlage mit dem Krieg schon Sorgen, dass die Benzinpreise stark steigen werden», sagt Ersa Uluocak (40) gestern Vormittag zu Blick. In Dintikon AG an der Etzelpark-Tankstelle füllt sie gerade ihren Tank bis an den obersten Rand voll.

Weitere Autofahrer tun es ihr nach, bevor die Ölpreis-Explosion sich voll an den hiesigen Zapfsäulen durchschlägt. Sie alle gehen lieber auf Nummer sicher, wie Gespräche mit anderen Kunden bestätigen. 

«Das war ein neuer Rekord»

«Wir haben an unseren acht Tankstellen noch nie so viel Benzin verkauft wie am vergangenen Wochenende. Das war ein neuer Rekord», sagt Etzelpark-Inhaber Michael Knobel (45) zu Blick. Die kleine Tankstellenkette lockt in unterschiedlichen Kantonen besonders preissensible Kundinnen und Kunden an, da sie dank schlanken Strukturen die meisten Konkurrenten preislich deutlich unterbietet. 

«Preise können schnell über 2 Franken steigen»
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Tankstellen-Inhaber:«Preise können schnell über 2 Franken steigen»

Knobel musste bei den Preisen jedoch bereits reagieren: Der Dieselpreis an der Tankstelle ging gestern um 5 Rappen pro Liter auf neu 1.64 Franken hoch. «Der Einkaufspreis ist seit dem Angriff um 12 Rappen gestiegen», sagt er. Im Schnitt kostet der Liter Diesel in der Schweiz rund 1.80 Franken. Beim Benzin hat sich der Einkauf um rund 4 Rappen pro Liter verteuert.

Heizölpreise legen fast 20 Prozent zu

An vielen Schweizer Zapfsäulen sind die Spritpreise bereits um mehrere Rappen hochgegangen. Wie weit es nach oben geht, lässt sich derzeit kaum vorhersagen und hängt unter anderem davon ab, wie lange der Krieg anhält. «Geht es beim Diesel-Einkauf noch mal um 12 Rappen hoch, dann werden einige Tankstellen den Liter für über 2 Franken verkaufen», ist sich Knobel sicher.

Dass die Preise an den Zapfsäulen aktuell nicht explodieren, liegt an den hohen Steuern und Abgaben auf Sprit. Der Einkaufspreis samt Fracht macht nur etwas mehr als ein Drittel des Endpreises für die Kunden aus. Beim Heizöl ist dieser Anteil deutlich höher, weshalb eine Heizöllieferung gestern Montag mit 114 Franken pro 100 Liter fast 20 Prozent mehr als am Freitag kostete, wie ein Blick aufs Vergleichsportal Heizoel24.ch zeigt. 

Ein Drittel des Schweizer Wachstums in Gefahr?

Der Kriegsbeginn am Samstag macht jedoch weit mehr als nur die Autofahrer und Eigenheimbesitzerinnen nervös: Gestern Montag drehten die Börsen deutlich im roten Bereich. Seit die US-Amerikaner und Israelis den Iran aus der Luft angreifen, ist die Strasse von Hormus faktisch blockiert. Das hat den Ölpreis um 10 bis 15 Prozent nach oben getrieben. Dieser Wasserweg ist für die Ölversorgung der Weltwirtschaft zentral. Rund ein Fünftel der weltweiten Ölmengen gehen hier durch. 

Ein Ölfass der Sorte Brent kostete gestern Abend knapp 78 Dollar. Letzte Woche waren es noch um die 71 Dollar.

Eskaliert der Konflikt weiter und der Ölpreis steigt auf 100 Dollar, wird das die Schweizer Wirtschaft merklich treffen: Dann fällt das Wachstum gemäss Forschungsinstitut BAK Economics rund ein Drittel tiefer als prognostiziert aus. «Deutliche Ölpreisschocks würden die Schweizer Wirtschaft spürbar bremsen, aber voraussichtlich nicht aus der Bahn werfen», sagt BAK-Chefökonom Claude Maurer (51).

Schweiz drohen indirekte Konsequenzen

Hohe Energiepreise bremsen die globale Wirtschaft aus und dämpfen die Konsumstimmung. Ein längerer Krieg hätte damit auch Auswirkungen auf den Uhren- und Bankensektor in der Schweiz, falls die USA die Sicherheit in der Strasse von Hormus nicht gewährleisten können.

Die Ökonomen der Bank Julius Bär sehen für die Schweiz in diesem Fall vor allem indirekte Folgen wie längere Lieferzeiten und teurere Vorprodukte für die Industrie. Ein starker Anstieg beim Ölpreis wäre ein globaler Treiber für die Teuerung. In der Schweiz dürfte das zumindest teilweise durch den starken Franken aufgefangen werden. In Zeiten erhöhter Unsicherheit lockt die heimische Währung viel Kapital an, was den Franken aufwerten lässt. Aktuell ist dieser Effekt noch gering. Das zeigt die Hoffnung auf ein baldiges Kriegsende. 

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