Darum gehts
- Iran-Krieg führt zu Kerosin-Knappheit in Europa, nur noch Vorrat für sechs Wochen
- Schweizer Pflichtlager sichern Kerosin-Versorgung drei Monate bei Totalausfall
- IEA warnt vor globaler Energiekrise, Asien besonders stark betroffen
Die Folgen des Iran-Krieges für die Luftfahrt werden immer krasser. Europa hat laut Fatih Birol (68), Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), nur noch Kerosin für etwa sechs Wochen. Er warnt in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Associated Press am Donnerstag vor möglichen Flugausfällen, sollten die Öllieferungen aufgrund des Iran-Krieges weiterhin blockiert bleiben.
IEA-Direktor Birol zeichnet ein düsteres Bild der globalen Auswirkungen des Krieges. Und spricht von der «grössten Energiekrise, die wir je erlebt haben». Bleibt die Strasse von Hormus noch länger gesperrt, dürfte es dramatisch werden. Er mahnt: «Die Sperrung wird gravierende Folgen für die Weltwirtschaft haben. Je länger sie andauert, desto schlimmer wird es für das Wirtschaftswachstum und die Inflation weltweit sein», sagt Birol weiter.
So siehts in der Schweiz aus
Die drohende Kerosin-Knappheit ist auch für heimische Airlines wie Swiss, Edelweiss oder Helvetic ein Problem. Nicht auf Schweizer Flughäfen, dort gibts genug Kerosin. Käme es tatsächlich zu einer Mangellage, kann der Bund die Freigabe der Pflichtlager verordnen. Und die reichen beim Kerosin für drei Monate – bei einem Totalausfall der Lieferungen. Im allerschlimmsten Fall wird in der Schweiz Kerosin also im Spätsommer knapp.
Kritisch kann es für Schweizer Airlines aber schon viel früher werden. Und zwar dann, wenn sie vor dem Rückflug im Ausland auftanken müssen. Zuletzt hat es über Ostern in Italien damit bereits massive Probleme gegeben. Unsere südlichen Nachbarn mussten über Ostern auf mehreren Flughäfen den Kerosinverbrauch einschränken. Maschinen durften nur noch begrenzt aufgetankt werden, Piloten wurden angewiesen, möglichst mit vollen Tanks zu landen. Und: Regierungs- und Rettungsmaschinen hatten Vorrang.
«Werden einige Flüge ausfallen lassen müssen»
Zurück zu Fatih Birol. Der warnt im Interview vor Folgen weit über die Aviatik hinaus. Etwa vor «höheren Benzinpreise, höheren Gaspreise und höheren Strompreisen». Einige Teile der Welt würden «stärker betroffen sein als andere». Konkret: «Die asiatischen Länder, die auf Energie aus dem Nahen Osten angewiesen sind, stehen an vorderster Front», so Birol. Beim Namen nennt er Japan, Korea, Indien, China, Pakistan und Bangladesch.
«Danach wird es Europa und Amerika erreichen», fügte er an. Und wird konkret: «Wenn die Strasse von Hormus nicht wieder geöffnet wird, werden wir wegen Treibstoffmangel schon bald einige Flüge zwischen der Stadt A und Stadt B ausfallen lassen müssen.»