Bald wirds kritisch!
Europas Flughäfen warnen eindringlich vor Kerosin-Knappheit

Die Strasse von Hormus bleibt geschlossen. Das hat drastische Folgen: Europas Flughäfen geht Ende Monat das Kerosin aus. Der letzte Tanker erreichte Rotterdam vor zwei Tagen. Experten warnen vor Schäden für die Wirtschaft. Und massiven Problemen in den Sommerferien.
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Kerosin wird in Europa Ende April knapp.
Foto: AFP

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Friedensgespräche zwischen USA und Iran in Pakistan, Hormus-Passage bleibt blockiert
  • Europas Flughäfen droht ab Ende April Kerosinknappheit, strategische Reserven begrenzt
  • 20 % des globalen Rohöls, 50 % des EU-Kerosins kommen aus Hormus
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Patrik BergerRedaktor Wirtschaft

Im Moment ruhen die Waffen im Nahen Osten zwar. In Pakistan treffen sich hochrangige Delegationen der USA und des Iran zu Friedensgesprächen. Die Lage an der Strasse von Hormus bleibt aber angespannt. Die Passage ist faktisch geschlossen – nur eine Handvoll chinesischer Tanker hat sie heute Samstag passiert, wie CNN berichtet. Ein Grossteil der Reeder geht das Risiko nicht ein, beschossen zu werden oder auf eine Seemine zu fahren. Von Normalität also keine Spur. Im Gegenteil: Die Situation beim Kerosin wird langsam dramatisch.

Europas Flughäfen droht schon bald der Treibstoff auszugehen. Experten warnen: Schon in wenigen Wochen könnte es eng werden. Auslöser ist die eingeschränkte Passage durch die Strasse von Hormus – eine der wichtigsten Öl-Routen der Welt. Rund ein Fünftel des globalen Rohöls wird hier transportiert. Und noch viel wichtiger: Über 50 Prozent des für Europa bestimmten Kerosins. Es wird in Raffinierien rund um die Strasse von Hormus hergestellt und dann zu uns verschifft. Weil die Produktion von Kerosin weniger einträglich ist als die von anderen Treibstoffen, sind Europas Raffinerien nicht mehr drauf ausgerichtet.

«Erheblicher Schaden für die Wirtschaft»

Olivier Jankovec (56), Generaldirektor des Flughafen-Dachverbands ACI Europe, warnt in einem Schreiben an die EU eindringlich vor einer «systemischen Treibstoffknappheit», wie die «Bild» berichtet. Und zwar schon in drei Wochen! Sollte sich die Lage nicht rasch entspannen, kann die Kerosinknappheit laut Jankovec die ganze Sommer-Reisesaison beeinträchtigen. Und «der europäischen Wirtschaft erheblichen Schaden» zufügen, wie er weiter ausführt.

Der Hintergrund für seine deutlichen Worte: Der Tanker Rong Lin Wan, ein 250 Meter langer Gigant der Meere, ist vor zwei Tagen in Rotterdam (NL) angekommen. Er war das letzte Schiff voller Kerosin, das den Persischen Golf noch vor Kriegsbeginn mit Ziel Europa verlassen hat, wie das Aviatikportal The Air Current berichtet. Heisst: Weiterer Nachschub kommt nicht. Die Folge: Ende April, Anfang Mai wird Kerosin knapp in Europa. Dann müssen die strategischen Reserven angezapft werden. Doch auch die reichen bei vollem Flugbetrieb nur für wenige Wochen. Laut Experten dürften dann in Europa Hunderte Flüge pro Tag ausfallen.

«Kerosin bleibt Hauptsorge»

Kein Wunder, stehen die Zeichen auch bei der EU auf Alarm. Gestern Freitag hat sich die Taskforce Energieunion getroffen. Sie räumt ein, dass «Kerosin wegen seiner Abhängigkeit von Importen die Hauptsorge bleibt». Derzeit gebe es zwar noch «kein unmittelbares Risiko für die Sicherheit der Öl- und Gasversorgung der EU» wegen des Iran-Krieges. Doch auch die EU-Taskforce warnt vor beträchtlichen mittel- und langfristigen Risiken.

Was das für die Reisenden bedeutet, zeigte sich über die Ostertage in Italien. In Italien mussten Flughäfen über Ostern den Kerosinverbrauch einschränken. Maschinen durften nur noch begrenzt auftanken, Piloten wurden angewiesen, möglichst mit vollen Tanks zu landen. Und: Regierungs- und Rettungsmaschinen hatten Vorrang. Dramatisch war die Knappheit in Brindisi, wo Jets nicht mehr betankt wurden. Auch für Flughäfen wie Reggio Calabria und Pescara galten strikte Beschränkungen beim Tanken.

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