Darum gehts
Donald Trump (79) tobt. Mal kündigt er den totalen Würgegriff gegen den Iran an. Mal schwärmt er auf seiner Plattform Truth Social davon, dass iranische Raketen «wie Schmetterlinge» ins Meer gefallen seien. Dann stoppt er plötzlich seine Marineoperation im Persischen Golf. Nur um Stunden später wieder mit Bombardierungen zu drohen. Chaos statt Strategie.
Und Teheran? Bleibt erstaunlich ruhig. Denn die Mullahs haben offenbar verstanden, was Trump gerade nicht wahrhaben will: Die Zeit arbeitet nicht für Washington. Sondern für den Iran.
Die Zeit arbeitet gegen die USA
Das zeigt jetzt ausgerechnet ein geheimer CIA-Bericht, der an die «Washington Post» durchgestochen wurde und diese Woche in Washington eingeschlagen hat wie eine Bombe. Denn die Analyse zerlegt Trumps öffentliche Kriegsrhetorik praktisch Punkt für Punkt. Während der Präsident seit Tagen den Eindruck erweckt, der Iran sei militärisch fast besiegt, kommt der US-Geheimdienst zu einem anderen Schluss: Das Regime ist angeschlagen – aber längst nicht am Ende.
Laut CIA besitzt der Iran noch immer rund 70 Prozent seines Raketenarsenals und etwa drei Viertel seiner mobilen Abschussrampen. Besonders brisant: Laut dem Bericht habe der Iran seine unterirdischen Raketenlager «weitgehend wiederhergestellt» und könne beschädigte Raketen teilweise bereits reparieren oder neue zusammensetzen. Ein US-Beamter sagte der Zeitung sogar, die Lage sei «bei weitem nicht so katastrophal, wie manche behaupten».
Noch gefährlicher für Trump: Die CIA geht davon aus, dass der Iran die amerikanische Blockade monatelang durchhalten könnte. Mindestens drei bis vier Monate. Vielleicht länger. Öl wird auf Tankern zwischengelagert. Neue Schmuggelrouten über Zentralasien entstehen bereits. Der Iran drosselt sogar bewusst die Förderung einzelner Ölfelder, um die Infrastruktur langfristig funktionsfähig zu halten – und setzt darauf, dass am Ende Washington zuerst einknickt.
Für Trump wird der Krieg innenpolitisch zum Problem
Trump braucht schnelle Siege. Stattdessen bekommt er steigende Ölpreise, nervöse Märkte und immer mehr Zweifel an seiner Strategie. Die Strasse von Hormus bleibt ein Pulverfass. Ausgerechnet Trump, der seinen Wählern tiefere Benzinpreise versprochen hatte, steht plötzlich als Präsident der teuren Zapfsäulen da.
Und die Midterms rücken näher. Viele Republikaner werden unruhig. Trumps Basis wollte keinen neuen Nahostkrieg. Schon gar keinen zähen Abnützungskampf ohne klares Ziel.
Der deutsche Kanzler Friedrich Merz (70) sprach zuletzt offen davon, Washington sei von Teheran «gedemütigt» worden. Spanien wiederum blockierte bereits während des jüngsten Iran-Einsatzes die Nutzung gemeinsamer Militärbasen durch die USA – ein aussergewöhnlicher Affront unter Nato-Partnern.
China schaut genau hin
Auch China beobachtet den Konflikt mit wachsender Genugtuung. Laut «New York Times» haben die USA bereits enorme Mengen an Marschflugkörpern und Präzisionsmunition verbraucht. In Peking diskutieren Militärstrategen inzwischen offen darüber, ob Washington Taiwan im Ernstfall überhaupt noch glaubwürdig verteidigen könnte.
Für Xi Jinping ist das Gold wert. Während die USA Ressourcen im Nahen Osten verbrennen, baut China seinen Einfluss im Pazifik weiter aus. Gleichzeitig braucht Washington Peking plötzlich dringender denn je – etwa beim Ölmarkt oder beim Druck auf Iran. Das verschiebt das geopolitische Machtgefüge.
Die Mullahs müssen Trump gar nicht besiegen. Sie müssen nur lange genug durchhalten. Jeder weitere Tag ohne klaren amerikanischen Erfolg schwächt Washington international, wirtschaftlich, militärisch und politisch.
Trump bleiben nur schlechte Optionen
Eigentlich hat Trump nur noch drei Möglichkeiten. Erstens: Eskalation, also mehr Bombardierungen und härtere Angriffe. Vielleicht sogar der Versuch eines Regimewechsels. Das wäre brandgefährlich. Die gesamte Region könnte explodieren.
Zweitens: Ein Deal. Aber wohl einer, der deutlich schwächer wäre als Trumps ursprüngliche Forderungen. Genau darauf scheint Teheran zu setzen. Der Iran signalisiert Gesprächsbereitschaft – allerdings nur zu Bedingungen, die das Atomprogramm faktisch erhalten würden.
Oder drittens: Trump verkauft den Stillstand als Sieg. Das wäre typisch Trump. Doch genau darin liegt die bittere Ironie dieses Konflikts. Der Präsident, der immer auf Tempo setzt, kämpft plötzlich gegen ein Regime, das auf Zeit spielt.