Darum gehts
- Putin verstärkt militärische Eskalation im Donbass und an Natos Ostflanke
- Russlands Wirtschaft schrumpfte im ersten Quartal 2026 um 0,2 Prozent
- Kriegsausgaben verursachten 63 Milliarden Franken Defizit von Januar bis April
Russlands Machthaber Wladimir Putin (73) hat militärisch die nächste Eskalationsstufe gezündet: In der hart umkämpften Donbass-Stadt Kostjantyniwka setzt die russische Armee auf eine neue russische Infiltrationstaktik. Kleinsttrupps sollen unbemerkt die ukrainische Verteidigungslinie durchbrechen, um dann als Zivilisten verkleidet in der Stadt für Chaos zu sorgen. Blick hat mit dem 40-jährigen ukrainischen Offizier «Stark» über die neue Taktik gesprochen.
Gleichzeitig lässt Putin entlang der Nato-Ostflanke massiv aufrüsten. Jüngstes Beispiel: In Petrosawodsk, 160 Kilometer von Finnlands Grenze entfernt, roden die Russen ein riesiges Waldgebiet. Laut dem finnischen Militärexperten Marko Eklund entsteht dort eine Garnison für Eisenbahntruppen.
Geldpolitik der Notenbank würgt Wirtschaft ab
Lässt Kreml-Chef Putin militärisch die Muskeln spielen, weil es in der Heimat auf ökonomischer Ebene harzt? Die russische Wirtschaft steckt in einer gröberen Krise, so die jüngste Einschätzung von Volkswirten des Wiener Instituts für internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW). Im ersten Quartal schrumpfte die Wirtschaft um 0,2 Prozent. Und fürs Gesamtjahr sagen die Ökonomen noch «ein minimales Wachstum» von 0,6 Prozent voraus – 0,3 Prozentpunkte weniger als noch im Frühjahr. «Trotz vorübergehend höherer Einnahmen aus dem Energiegeschäft durch den Iran-Krieg steckt Russland in einer veritablen Stagnation fest», schreibt das WIIW in einer Medienmitteilung.
Als Hauptgrund für die wirtschaftliche Krise macht das Institut die Hochzinspolitik der russischen Notenbank aus. Mitte Juni beschlossen die Währungshüter in Moskau auf Druck von Putin zwar eine Zinssenkung, der Leitzins beträgt aber immer noch 14,25 Prozent. Zum Vergleich: Die Schweizerische Nationalbank hat seit längerem Nullzinsen.
Die restriktive Geldpolitik «würgt die Wirtschaft ab, weil sie die Kreditaufnahme prohibitiv teuer macht», sagt WIIW-Russlandexperte Vasily Astrov. Dadurch seien die Investitionen im ersten Quartal um 14 Prozent eingebrochen.
Drohnenangriffe haben Benzinkrise ausgelöst
Für zusätzliche Probleme sorgen laut Astrov die aufgrund von Sicherheitsbedenken verhängten Internetsperren, weil sie der stark digitalisierten Wirtschaft Russlands stark schaden. Noch schädlicher sind aber die Angriffe der Ukraine auf russische Energieanlagen. Ukrainische Drohnen greifen gezielt Ölraffinerien an. Und haben so mittlerweile rund ein Drittel der russischen Raffineriekapazität lahmgelegt.
Die Folge: Russland kämpft mit einer veritablen Benzinkrise. Landesweit gibt es Engpässe und kilometerlange Warteschlangen vor Tankstellen. Gleichzeitig schnellen die Spritpreise in die Höhe. In der Bevölkerung steigen Verzweiflung und Wut: «Putin, was zur Hölle passiert gerade in unserem Russland?», wandte sich kürzlich eine russische Bloggerin direkt an den Kreml-Chef.
Popularität von Putin deutlich gesunken
Im Juni begehrten auch hochrangige russische Regierungsvertreter auf. Sie warnten Putin laut der Nachrichtenagentur Bloomberg davor, dass das Land auf einen unbezahlbaren Kriegskurs geraten sei. Sie verlangen Kürzungen bei den Kriegsausgaben. Diese rissen für den Zeitraum von Januar bis April schon ein Loch von umgerechnet 63 Milliarden Franken in die Kreml-Kasse. Das sind fast 50 Prozent mehr, als für das gesamte Jahr vorgesehen war – das Ziel lag bei einem maximalen Defizit von 41 Milliarden Franken.
All diese negativen Entwicklungen kratzen am heimischen Image des scheinbar unantastbaren Machthabers. Die Popularität von Putin hat zuletzt deutlich nachgelassen. Die grosse Wende im Krieg zugunsten der Streitkräfte von Widersacher Wolodimir Selenski (48) ist laut Experte Astrov trotzdem nicht zu erwarten. «Dennoch wird Russland weiterhin dazu in der Lage bleiben, seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine fortzusetzen und zu finanzieren.»