Darum gehts
- Seit Ende Mai herrscht auf der Krim eine schwere Benzinknappheit
- Bewohner nutzen Schwarzmarkt oder fahren ins russische Krasnodar, um zu tanken
- Nur 20 Liter Benzin pro Woche erlaubt, teils nur mit QR-Code
Nur 20 Liter Benzin tanken in der Woche – wie soll das gehen? Seit Ende Mai herrscht auf der Halbinsel Krim Benzinknappheit, wie «Der Spiegel» berichtet. Der Hintergrund: Die Ukraine zieht mit ihren Drohnen die Lastwagen aus dem Verkehr, die Güter wie eben Benzin auf die Krim bringen – und das derzeit sehr erfolgreich. Für den russischen Präsidenten Wladimir Putin (73) ist die Situation beschämend.
Auf der strategisch wichtigen Halbinsel, die Russland seit 2014 besetzt, wurden Ende Mai strenge Massnahmen zum Einsparen von Benzin eingeführt. Die Lage ändert sich von Tag zu Tag. Manche Benzinsorten sind nur mit Coupons erhältlich, in der Stadt Sewastopol bekommt man laut mehreren russischen Medienberichten seine 20 Liter nur mit persönlichem QR-Code.
Die Knappheit breitet sich aus
Ein Blick auf die Website der Regierung der Krim zeigt: Das Problem spitzt sich zu. Dort sind Benzin-Hotlines und eine interaktive Karte eingerichtet, damit Anwohner täglich überprüfen können, ob es an ihrer Tankstelle überhaupt noch Moscht gibt. Die Massnahmen sollen helfen, Rettungswagen und den ÖV betankt zu halten. Wie lange das noch gehen soll? Unklar.
Bei den Bewohnern der Halbinsel herrscht Panik – Benzindiebe sind unterwegs, der Schwarzmarkt blüht auf, russische Touristen kommen nicht mehr nach Hause. Laut Berichten der aus Russland verbannten Online-Zeitung Meduza fahren Krim-Bewohner regelmässig in die benachbarte Region Krasnodar, um dort ihr Auto aufzutanken – und lösen damit auch dort eine Benzinknappheit aus. Die Sprit-Situation ist auch in anderen Landesteilen angespannt. In den Grossstädten Moskau und Sankt Petersburg haben sich laut dem Bericht Anwohner über Engpässe an den Zapfsäulen beschwert.
Putins Probleme
Nicht nur die Benzinknappheit lässt die russische Zivilbevölkerung die Folgen des Krieges spüren. Die Wirtschaft stockt, der Staatshaushalt gerät in Schieflage. Zuletzt schlugen Regierungsvertreter Alarm und warnten Putin vor einem drohenden Mega-Loch in der Staatskasse, weil der Krieg zu viel kostet. Der russische Präsident will es nicht wahrhaben, sucht nach Möglichkeiten, um die Ausgaben anderweitig zusammenzustutzen.
Die Machtbasis des russischen Präsidenten bröckelt umso mehr, je länger der Krieg geht. Hinter den Kulissen wachsen in seinem Machtapparat Frust, Spannungen und Zweifel. Gesellschaft und Alltag sind unter Druck, es herrscht ein Mangel an Soldaten und Arbeitskräften. Auch die Elite scheint nicht mehr an einen Sieg auf dem Schlachtfeld zu glauben.
Ukraine im Aufschwung
Auf der anderen Seite punktet die Kriegsgegnerin Ukraine im Krieg. Neue KI-gesteuerte Drohnen helfen dem kleineren Land, wichtige Stützpunkte zu attackieren. Öl-Raffinerien, Militäranlagen und der Güterverkehr sind wichtige strategische Angriffsziele. Auf der Krim sind die ukrainischen Erfolge nun eben an der Tankstelle zu sehen.
Kürzlich hat Ukraines Präsident Wolodimir Selenski (48) Putin in einem offenen Brief ein Ende des Krieges angeboten. Der russische Machthaber hat kein Interesse an einem Treffen mit Selenski. Er verlangt weiterhin, dass die Ukraine ihre Waffen niederlegt.