Geheimdienstberichte: Die Russen-Armee hat in der Ukraine ihren Kipp-Punkt erreicht
Vor dieser Statistik muss Putin zittern!

Russland bombardiert Kiew heftiger denn je. Doch ausgerechnet hinter den dramatischen Bildern zeichnet sich eine überraschende Entwicklung ab: Putins Armee verliert an Schwung, während die Ukraine an mehreren Fronten plötzlich die Initiative zurückgewinnt.
Kommentieren
Die Ukraine setzt zunehmend auf Drohnen – und bringt Russland damit an mehreren Fronten unter Druck.
Foto: Anadolu via Getty Images

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
Die Zusammenfassung von Blick+-Artikeln ist unseren Nutzern mit Abo vorbehalten. Melde dich bitte an, falls du ein Abo hast.
BlickMitarbeiter06.JPG
Chiara SchlenzAusland-Redaktorin

Drei Jahre lang war die Richtung des Kriegs klar. Russland griff an, die Ukraine verteidigte sich, so gut es ging. Moskau verlor Zehntausende Soldaten, gewann aber Monat für Monat Terrain. Langsam, blutig, aber stetig verschob sich die Front zugunsten des Kreml. Jetzt könnte sich diese Dynamik ändern.

Während russische Raketen in diesen Tagen mit voller Wucht auf ukrainische Städte niedergehen, zeichnet sich an der Front ein bemerkenswerter Trend ab. Denn die gigantische Russen-Armee hat einen Kipp-Punkt erreicht. Es könnte der Beginn einer neuen Phase des Kriegs sein.

Russland bezahlt immer mehr für immer weniger

Der Krieg wurde lange durch eine brutale Gleichung bestimmt: Russland konnte höhere Verluste verkraften als die Ukraine. Selbst kleine Geländegewinne galten deshalb in Moskau als Erfolg, auch wenn der Blutzoll enorm war. Doch diese Rechnung scheint nicht mehr aufzugehen.

Russische Truppen kommen heute deutlich langsamer voran als noch vor einem Jahr. Während die russische Armee in den ersten Monaten 2025 durchschnittlich fast zehn Quadratkilometer pro Tag eroberte, liegt dieser Wert 2026 nur noch bei rund vier Quadratkilometern. Im April musste Moskau laut dem Institute for the Study of War (ISW) sogar einen Netto-Gebietsverlust von 116 Quadratkilometern hinnehmen.

Noch wichtiger: Erstmals seit Kriegsbeginn häufen sich Hinweise, dass Russland monatlich mehr Soldaten verliert, als neu rekrutiert werden können. Laut ISW fehlten Moskau allein im Januar rund 9000 Soldaten, um die Verluste auszugleichen. Um das diesjährige Rekrutierungsziel zu erreichen, müsste das Verteidigungsministerium täglich mehr als 1100 neue Vertragssoldaten gewinnen – tatsächlich gelingt derzeit offenbar nur die Anwerbung von rund 940 pro Tag.

Die Ukraine hat ihre grösste Schwäche behoben

Besonders bemerkenswert: Die Verbesserung der ukrainischen Lage beruht nicht auf einem einzelnen Waffensystem oder einer neuen Wunderwaffe. Vielmehr scheint Kiew eines der zentralen Probleme der vergangenen zwei Jahre gelöst zu haben: die russische Drohnenüberlegenheit.

1/6
Russland überzieht die ukrainische Hauptstadt mit den heftigsten Luftangriffen seit Kriegsbeginn.
Foto: keystone-sda.ch

Militäranalysten beobachten seit Monaten, dass ukrainische Einheiten zunehmend die Kontrolle über den Luftraum direkt hinter der Front zurückgewinnen. Russische Nachschubwege werden angegriffen, Truppenbewegungen früh erkannt und Kommandoposten präzise getroffen. Gleichzeitig gelingt es den Ukrainern, ihre eigenen Drohnen deutlich tiefer im russischen Hinterland einzusetzen. Die Folgen zeigen sich entlang der gesamten Front. Russische Verbände benötigen mehr Zeit für Angriffe, Nachschub erreicht die Front langsamer, Reserven können schwieriger verlegt werden.

Der Krieg kommt nach Russland

Noch gravierender ist, was Hunderte Kilometer hinter der Front passiert. Ukrainische Drohnen treffen mittlerweile regelmässig Raffinerien, Öldepots, Militärflugplätze und Verkehrsknotenpunkte tief im russischen Hinterland. Selbst Moskau bleibt nicht verschont. Flughäfen müssen zeitweise schliessen, Mobilfunknetze werden abgeschaltet, Sicherheitsmassnahmen rund um den Kreml verschärft.

Besonders empfindlich sind die Angriffe auf die russische Logistik. Denn die Front im Donbass wird längst nicht nur an den Schützengräben entschieden. Wer Treibstoff, Munition und Ersatzteile schneller an die Front bringt, gewinnt den Abnutzungskrieg. Genau dort setzt die Ukraine an.

Kein Sieg – aber eine Chance

Von einer ukrainischen Gegenoffensive wie im Herbst 2022 kann dennoch keine Rede sein. Doch: In der zweiten Februarhälfte eroberte die Ukraine erstmals seit der gescheiterten Gegenoffensive von 2023 wieder mehr Gebiet, als sie verlor. Das allein macht noch keine Kriegswende. Es zeigt aber, wie stark sich die Dynamik an der Front verändert hat.

Zum ersten Mal seit langem diskutieren Militärbeobachter nicht mehr primär über die Gefahr eines ukrainischen Zusammenbruchs. Stattdessen stellt sich eine andere Frage: Hat Russland seinen militärischen Höhepunkt bereits überschritten?

Noch gibt es darauf keine klare Antwort. Aber die Entwicklung der vergangenen Monate zeigt, dass Putins Armee trotz ihrer Grösse nicht unerschöpflich ist. Die Offensive, die den Kreml einer Entscheidung näherbringen sollte, droht stattdessen in einem immer kostspieligeren Abnutzungskrieg festzufahren. Und genau darin liegt die eigentliche Überraschung dieses Sommers: Nicht die Ukraine hat zuletzt wertvolle Zeit verloren. Sondern Russland.

Was sagst du dazu?
Liebe Leserin, Lieber Leser
Der Kommentarbereich von Blick+-Artikeln ist unseren Nutzern mit Abo vorbehalten. Melde dich bitte an, falls du ein Abo hast. Noch kein Blick+-Abo? Finde unsere Angebote hier:
Hast du bereits ein Abo?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen