Peinliche Parade
Macht sich Putin am Samstag zum Gespött der Welt?

Fusssoldaten und Abwehrsysteme statt Panzer und Raketenwerfer: Moskaus Siegesparade am Samstag könnte für Putin zur live übertragenen Peinlichkeit werden. Der Kreml-Herrscher fürchtet sich vor einem ukrainischen Angriff auf den traditionellen Protz-Event. Zu Recht.
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Wladimir Putin hat ganz offenkundig Angst vor ukrainischen Drohnenangriffen.
Foto: Getty Images

Darum gehts

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Samuel SchumacherAusland-Reporter

Wladimir Putin (73) hat Angst. Angst davor, dass bei seiner «Siegesparade» am Samstag auf dem Roten Platz in Moskau eine neue Waffengattung die Hauptrolle spielen könnte: ukrainische Drohnen.

Aus Furcht vor einem Angriff liess der Kreml den gigantischen Traditionsanlass auf ein Minimum zusammenschrumpfen: keine Panzer, keine Kadetten, kaum internationale Gäste. Um nicht vor der Welt blossgestellt zu werden, will Putin sogar einen 48-stündigen Waffenstillstand mit der Ukraine durchsetzen. Doch Wolodimir Selenski (48) lässt sich vom Propagandameister im Kreml nicht täuschen – und macht seinem Kriegsgegner mit einem Trick noch mehr Angst.

Die Militärparaden am 9. Mai sind in Russland ein Heiligtum. Mit ihnen feiert das Riesenreich den Sieg über Nazi-Deutschland. Normalerweise fährt der Kreml für die Hauptparade in Moskau alles auf, was die zweitgrösste Armee der Welt zu bieten hat.

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Die Siegesparade am 9. Mai könnte für Moskau dieses Jahr zum Desaster geraten.
Foto: AFP

Am Samstag aber setzt Putin den Pomp auf Sparflamme. Ein paar Marschkapellen soll es geben, einige Kampfjets sollen die russischen Farben an den Himmel zaubern – das war es dann fast schon. Aus Angst vor einem ukrainischen Angriff liess Putin mehr als 280 Luftabwehrsysteme aus dem halben Land nach Moskau karren. Damit schwächt er Regionen, die wegen der seit Wochen anhaltenden ukrainischen Langstreckenangriffe ohnehin am Anschlag sind.

Russland muss hilflos zusehen

Kiew hat nach eigenen Angaben weite Teile der russischen Ölindustrie und eine grosse Anzahl Luftabwehrsysteme mit selbstgebauten Drohnen und Marschflugkörpern ausgeschaltet. Allein das strategisch wichtige Öllager in der Schwarzmeerküstenstadt Tuapse traf die Ukraine in kurzer Zeit viermal. Russland musste hilflos zusehen.

Pünktlich zur Paradewoche tauchten ukrainische Drohnen jetzt auch am Moskauer Himmel auf. Eine flog in einen Wohnturm, nur sechs Kilometer vom Kreml entfernt. Eine andere wurde minutenlang von zwei Helikoptern gejagt, bevor sie gestoppt werden konnte. Am Dienstag traf zudem ein ukrainischer Flamingo-Marschflugkörper eine Waffenfabrik mehrere Hundert Kilometer hinter Moskau.

Kein Wunder, dass Putin laut Geheimdienstberichten kaum noch Zeit in seinen Residenzen bei Moskau verbringt, sondern sich lieber in Luxusbunkern in Südrussland verkriecht. Offenbar auch, weil er einen Putschversuch aus den eigenen Reihen fürchtet.

Wenig verwunderlich ist, dass unter diesen Umständen kaum internationale Gäste an die Siegesshow reisen. Der slowakische Regierungschef Robert Fico (61) sagte seine Teilnahme ab. Neben Putin werden am Samstag nur die Präsidenten von Belarus, Kirgistan und Kasachstan auf der Tribüne sitzen. Ein grober Kontrast zu 2025, als 27 geladene Gäste anreisten – darunter Chinas Präsident Xi Jinping (72) und der inzwischen gestürzte venezolanische Machthaber Nicolás Maduro (63).

Wie nervös Putin ist, zeigt sein einseitig ausgerufener Ukraine-Waffenstillstand für Freitag und Samstag. Moskau droht Kiew mit einem verheerenden Grossangriff auf das Stadtzentrum, falls die ukrainischen Drohnen in dieser Zeit nicht ruhen. 

Selenski schlägt Putin mit eigenen Tricks

Doch Selenski kennt Putins Tricks. Der Waffenstillstand beginne schon in der Nacht auf Mittwoch, verkündete der ukrainische Präsident – und setzt Moskau damit unter Zugzwang. Bricht Russland die von Kiew ausgerufene Kampfpause, dürften Selenskis Drohnenspezialisten am Samstag nachziehen.

Dass die Ukraine Russlands Luftabwehr umgehen und Moskau treffen kann, hat sie bewiesen. Ukrainische Militärexperten wie der Politologe und Offizier Andrij Tkatschuk mahnen dennoch zu strategischer Weitsicht. Statt Moskau anzugreifen, sollte die Ukraine jene Militärziele in den Regionen treffen, die durch den Abzug der Luftabwehr entblösst wurden, schreibt Tkatschuk auf Telegram.

Angst hat Putin sowieso. So sehr, dass er offenbar sogar das mobile Internet in Moskaus Innenstadt temporär abschalten will. Dass der Kreml-Herrscher seinen eigenen Luftabwehrfähigkeiten nicht mehr traut und seine Parade kurz und klein streicht, zeigt, wie ernst die Lage für Russland ist.

Wegbrechende Verbündete in Europa, Schwäche im Nahen Osten, Gebietsverluste in der Ukraine, brennende Raffinerien daheim: Vor der Tür des vermeintlich grossen Strategen häufen sich die Probleme. Mit den Bildern der mickrigen Parade am Samstag dürfte für Putin eine weitere Schmach hinzukommen.


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