Brisanter Sicherheitsfall
War es Russland? Drohnen über ABC-Labor Spiez

Das ABC-Labor in Spiez soll die Schweiz vor atomaren, biologischen und chemischen Gefahren schützen. Hier kam es zu einem Drohnenvorfall.
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Das Labor Spiez soll von Drohnen ausspioniert worden sein.
Foto: Keystone

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Unbekannte Drohnen fliegen über Schweizer Militäranlagen
  • Spiez-Labor, Schlüsselort gegen Chemiewaffen, mehrmals Ziel russischer Agenten
  • Drohnen-Betreiberzahl stieg 2023–2025 um 85 % auf 124'000, Abwehr unzureichend
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Raphael RauchBundeshausredaktor

Der Chef der Armee, Benedikt Roos (61), hat in Armee-Kreisen vor unbekannten Drohnenformationen über einem Schweizer Militärgelände gewarnt. Wo genau, bleibt im Dunkeln. Das Verteidigungsdepartement mauert – und befeuert damit die Gerüchteküche.

Der «Tages-Anzeiger» berichtete von einem Vorfall über der Kaserne Jassbach im Emmental. In unmittelbarer Nähe befindet sich die Abhöranlage Wolfrichti, ein potenzielles Ziel für ausländische Geheimdienste. Auch in Meiringen BE, wo künftig die F-35-Kampfjets stationiert werden, tauchten wiederholt unbekannte Drohnen auf. Für Militärstrategen ist klar: Der Standort ist hochsensibel – und für Staaten wie Russland oder China von grossem Interesse.

Objekt russischer Agenten

Laut einem hochrangigen Armee-Angehörigen meinte Roos aber einen anderen Vorfall: Eine Drohnenformation soll ein Spezial-Labor in Spiez BE ausspioniert haben, das für atomare, biologische und chemische Gefahren zuständig ist.

Der Vorfall weckt Erinnerungen an den Giftanschlag von Salisbury 2018, bei dem der Nervenkampfstoff Nowitschok eingesetzt wurde. Der Doppelagent Sergej Skripal (75) und seine Tochter wurden damals vergiftet, Experten aus Spiez waren an der Analyse beteiligt. Auch war Spiez bei der Aufarbeitung von Assads Giftgas-Einsätzen in Syrien involviert. Das Labor gilt als Schlüsselakteur im globalen Kampf gegen Chemiewaffen – und war mehrmals im Visier russischer Agenten.

Achillesferse der Landesverteidigung

VBS-Vorsteher Martin Pfister (62) wollte im Gespräch mit Blick weder bestätigen noch dementieren, dass Drohnenformationen das ABC-Labor Spiez ausspioniert haben. Das Fedpol ist involviert: «Das Bundesamt für Polizei nimmt in der Thematik der Drohnensichtungen eine koordinierende Rolle wahr und unterstützt den Informationsaustausch der involvierten Behörden in der Schweiz und im Ausland», sagt ein Fedpol-Sprecher.

Der Vorfall legt eine unbequeme Wahrheit offen: Fehlende Drohnenabwehr ist die Achillesferse der Landesverteidigung. Der Schweiz fehlt es dafür an Geräten, aber auch an Gesetzen. Bis heute gibt es keine Pflicht zur elektronischen Identifikation im Luftraum. Wer fliegt, bleibt oft unsichtbar. Dies ist insofern problematisch, als sich die Zahl der registrierten Drohnenbetreiber in den letzten zwei Jahren fast verdoppelt hat: von 67’200 Ende 2023 auf 124’000 Ende 2025 – ein Plus von 85 Prozent.

Kompetenz-Wirrwarr

Die EU ist dran, die Regeln zu verschärfen – die Schweiz will die Regeln übernehmen. Die neue Direktorin des Bundesamts für Zivilluftfahrt, Francine Zimmermann (43), treibt auf nationaler Ebene eine Verschärfung voran. «Wir wollen, dass alle Luftraumnutzende digital sichtbar sind, sodass bemannte und unbemannte Luftfahrt ein gemeinsames Lagebild erhalten. Unser Ziel ist, mögliche Sicherheitsrisiken frühzeitig zu erkennen», sagt Zimmermann zu Blick. Allerdings bringt das Vorhaben nur etwas, wenn sich die Beteiligten kooperativ verhalten. «Wer eine Drohne bewusst böswillig einsetzen will, lässt sich von Regeln nicht aufhalten», sagt Zimmermann.

Hinzu kommt ein Kompetenz-Wirrwarr: Wer ist zuständig, wenn eine verdächtige Drohne auftaucht? Polizei, Armee, Skyguide? Und wer soll sie abschiessen? Die Bazl-Direktorin räumt ein, dass die Zuständigkeiten nicht klar geregelt seien: «Die Frage, wie mit nicht identifizierbaren unbemannten Luftfahrzeugen umzugehen ist und welche Behörden für Abwehrmassnahmen zuständig sind, wird derzeit im Rahmen einer interdepartementalen Arbeitsgruppe des Bundes geklärt.»

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