Darum gehts
- Nach Drohnen-Vorfällen über Militäranlagen: Armeechef Benedikt Roos warnt vor Spionage
- Verdächtige Fluggeräte über dem Flugplatz Meiringen BE, der für F-35-Projekt wichtig ist
- Der Armee fehlen Mittel zur Drohnenabwehr
Der Chef der Armee, Benedikt Roos (61), warnte bei einem internen Kaderanlass vor Spionage. Es sei zu einem bislang unbekannten Vorfall über einer Schweizer Militäranlage gekommen, bei dem mehrere Drohnen «in Formation» geflogen seien, berichtete SRF. Roos wird von Teilnehmern mit den Worten zitiert: «Das ist kein Lausbubenstreich mehr. Da braucht es schon ein bisschen Know-how, dass man Formationen von Drohnen über kritische Infrastruktur schicken kann.»
Meiringen – ein sensibler Standort wegen der F-35
Wann und wo sich der Vorfall ereignete, will die Armee nicht mitteilen. Der «Tages-Anzeiger» schreibt, der Vorfall soll sich im Februar über der Kaserne Jassbach im Emmental ereignet haben. «In der Nähe befindet sich die Abhöranlage Wolfrichti, die ausländische Geheimdienste interessieren könnte», so das Blatt.
Es gab im letzten Jahr noch weitere Drohnen-Vorfälle. Etwa beim Luftwaffenstützpunkt in Meiringen BE. Dort wurden wiederholt verdächtige Drohnen beobachtet. Die Armee vermutet , dass es dabei um Spionage geht: Meiringen ist wegen des F-35-Standorts für Nato-Gegner wie Russland oder China interessant.
Trotzdem hat der Armeechef weder bei der Bundesanwaltschaft noch bei der Militärjustiz Anzeige erstattet. Warum, will die Armee nicht verraten. In anderen Departementen sorgt das für Unverständnis. «Wenn es wirklich schlimm gewesen wäre, wäre der Bundesrat informiert worden», sagt eine Quelle. «Die Armee betont das Bedrohungsszenario, um mehr Geld zu erhalten.»
Kühe grasen auf dem Armeegelände
Klar ist: Die Abwehrmöglichkeiten der Armee sind begrenzt. Ihr fehlen die Mittel, um Drohnen wirksam zu erkennen und deren Betreiber sofort zu stoppen. Hinzu kommt, dass der Flugplatz Meiringen in einer offenen Umgebung liegt: Das Areal der Armee endet in der Nähe der Piste, unmittelbar daneben liegen Privatgrundstücke und landwirtschaftlich genutzte Flächen – eine weiträumig ausgelegte Sperrzone fehlt. Manchmal grasen sogar Kühe auf dem Armeegelände. Die Zone ist nur bei aktivem Flugbetrieb gesperrt. Spione hätten demnach abends und am Wochenende leichtes Spiel.
Ausser Meiringen gelten auch die Luftwaffenstützpunkte Payerne VD und Emmen LU als attraktive Standorte für Spionage.