Nach Flotten-Grounding
Verteidigt wird nur noch im Schritttempo

Die Ausbildung findet nur noch behelfsmässig statt. Die Armee musste alle ihre Schützenpanzer M113 aus dem Verkehr ziehen – schon wieder. Aus dem Feld ist nun Improvisationstalent gefragt. Und das wird noch lange so gehen.
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Nichts geht mehr. Die Armee musste im Februar erneut sämtliche Schützenpanzer M113 aus dem Verkehr ziehen.
Foto: Keystone

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Armee musste alle ihre M113-Schützenpanzer grounden – schon wieder
  • Ausbildung der Soldaten erfordert viel Improvisationstalent
  • Reparaturen dauern bis Herbst 2027, Ukrainekrieg erschwert Ersatzteilbeschaffung
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Daniel BallmerRedaktor Politik

Im Februar ging plötzlich gar nichts mehr. Die Armee musste alle 238 Schützenpanzer M113 grounden. Schon wieder! Wegen technischer Probleme hatte die Logistikbasis der Armee bereits Ende 2023 die gesamte Flotte aus dem Verkehr gezogen. Damals lag das Problem bei der Antriebswelle. Dieses Mal war es der Seitenantrieb. Der Defekt könnte Probleme beim Lenken und Bremsen auslösen. Eine Gefahr für Truppe und Dritte.

Am Montag hat die neue Rekrutenschule begonnen. 8289 junge Frauen und Männer starten ihre Grundausbildung. Für Panzersappeure, Artillerie und Panzerbataillone bedeutet das Training unter erschwerten Bedingungen. Mittlerweile aber seien wieder «einige Dutzend Fahrzeuge fahrbereit». Genaue Zahlen will die Armee nicht nennen. Der Feind liest mit.

Andere Fahrzeuge sollen Panzer simulieren

Das Militär versichert: Die Ausbildung in den Rekrutenschulen und Wiederholungskursen sei dennoch sichergestellt. In der RS stünden zur Fahrausbildung fahrbereite Schützenpanzer zur Verfügung. «Es sind keine Fähigkeitslücken absehbar», betont die Armee. Allerdings sind Soldaten und Kader dabei auf einiges Improvisationstalent angewiesen.

Statt des M113 müssen in Übungen teilweise andere Fahrzeuge herhalten. Den Panzer sollen sich die Soldaten halt vorstellen. Einzelne M113 dürfen im Schritttempo fahren – zur Sicherheit muss aber eine Führungsperson vorauslaufen. Oder die M113 werden zu Schiessübungen hingekarrt, wo die Schützenpanzer abgestellt und nicht mehr bewegt werden. Der Begriff «stehendes Heer» bekommt eine ganz neue Bedeutung.

Wesentliche Teile der Ausbildung könnten weiter durchgeführt werden, versichert die Armee. Wenn auch teilweise reduziert. Man ist es sich ja mittlerweile gewohnt, dass die über 50 Jahre alten Fahrzeuge bocken – und orientiere sich an bisherigen Erfahrungen. Anders als in der RS werden in den WK jedoch gar keine Fahrausbildungen mehr durchgeführt.

Beim letzten Grounding musste die Armee denn auch einräumen: «Das Ausbildungsniveau in den WK-Verbänden kann maximal gehalten werden – mehr nicht.» Mit Folgen: So könne «die Einsatzbereitschaft mit den Truppenkörpern derzeit nicht erreicht werden».

«Die Politik eiert nur herum»

«Man bekommt die Ausbildung halbwegs hin, aber der Mehraufwand ist beträchtlich», kommentiert Erich Muff, Präsident der Offiziersgesellschaft Panzer. Der M113 sei von Grund auf aufzumöbeln oder sofort Ersatz zu beschaffen. «Wegen seines Alters und fehlenden Gelds für einen Werterhalt kommt es sonst bald wieder zu Ausfällen.» Der Investitionsstau sei auf dem Feld täglich spürbar. «Die Politik aber eiert nur herum.»

Das Problem beschränkt sich nicht auf den M113 alleine. Schon letztes Jahr berichtete Blick, dass mittlerweile rund jedes fünfte der insgesamt 20’000 Radfahrzeuge der Armee stillsteht. Viele Systeme seien hoffnungslos überaltert.

Und mit den neuen Leitlinien des Bundesrats dürfte sich dies noch verschlimmern, befürchtet Offizier Muff. Künftig will sich die Landesregierung auf die Luftverteidigung konzentrieren. Für die Bodentruppen soll es nur noch einen Bruchteil des Budgets geben. Ex-Armeechef Thomas Süssli (59) hatte gar davor gewarnt, dass dem Heer wegen akuter Finanznot das Aus droht.

«Bodentruppen könnten komplett untergehen»

«Die Bodentruppen machen mir wirklich Sorgen», sagt auch Stefan Holenstein, Präsident des Verbands Militärischer Gesellschaften Schweiz. «Sie könnten in den nächsten Jahren komplett untergehen.» Der Fokus auf Luftverteidigung und Drohnen sei zwar nachvollziehbar. Der grosse Rest dürfe aber nicht auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben werden. «So werden sich die Ausfälle rasch immer mehr häufen. Gleichzeitig sinkt die Motivation der Truppen.»

Mit dem Ausfall des Pannenpanzers M113 muss sich die Armee jedenfalls noch einige Zeit herumschlagen. Gerade wegen des Ukrainekriegs sind Ersatzteile nur schwer zu beschaffen. Das kann dauern – und teuer werden. Die Armee geht davon aus, dass erst im Herbst 2027 alle Fahrzeuge repariert sind. Die Kosten seien noch unklar. Beim letzten Grounding nur wenige Monate zuvor waren es rund 2,6 Millionen.

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