Darum gehts
- Russland rodet bei Petrosawodsk riesiges Waldstück, wohl für neue Garnison.
- Eisenbahnbrigade mit 250 bis 300 Soldaten soll ab Dezember 2024 operieren.
- Karelien: Bis 15'000 Soldaten des 44. Armeekorps könnten verlegt werden.
Dass Russland entlang der Nato-Ostflanke massiv aufrüstet, ist nichts Neues. Bereits im Mai zeigte eine Analyse des «Wall Street Journal» und der finnischen Black Bird Group, dass Kreml-Chef Wladimir Putin (73) mehrere Militärstützpunkte bauen oder modernisieren lässt. Einer davon liegt, circa 160 Kilometer von der finnischen Grenze entfernt, in der russischen Stadt Petrosawodsk. Nun zeigen aktuelle Satellitenbilder, die der finnische Militärexperte Marko Eklund ausgewertet hat, ein rund einen Kilometer langes und bis zu 400 Meter breites Waldgebiet, das seit Kurzem systematisch abgeholzt wird, wie «Yle» berichtet. Noch im Juni war hier nur Wald zu sehen, jetzt breitet sich die Rodungsfläche stetig aus.
Für Eklund, der lange im finnischen Militärnachrichtendienst tätig war und heute an militärischen Bildungseinrichtungen lehrt, ist die Sache eindeutig: Hier entsteht eine neue Garnison für Eisenbahntruppen. «Das ist ein ausserordentlich grosser Holzeinschlagsvorgang, daher kann es meiner Meinung nach nichts anderes sein, denn Ort und Zeit stimmen überein», zitiert das finnische Nachrichtenportal den Experten.
Stützpunkt mit Bahnanschluss
Die neue Eisenbahnbrigade, im Dezember 2024 offiziell aufgestellt, soll nach Eklunds Schätzung zwischen 250 und 300 Soldaten umfassen. Ihre Aufgabe: Bau, Instandhaltung und Sanierung des Eisenbahnnetzes, über das Russland traditionell Truppen und Waffen transportiert. In westlichen Armeen existieren solche Spezialeinheiten nicht. In Russland dagegen sind sie unverzichtbar, besonders für die logistische Versorgung abgelegener Regionen wie der strategisch wichtigen Kola-Halbinsel.
Die Standortwahl ist kein Zufall. Direkt neben dem künftigen Garnisonsgelände liegt ein Industriekomplex mit Bahnanschluss, so «Yle» weiter. Die Infrastruktur ist vorhanden, die Anbindung gesichert.
Bereits mehrere Stützpunkte modernisiert
Die neue Eisenbahnbrigade ist nur ein Teil von Russlands umfassender militärischer Neuaufstellung an der Nato-Ostflanke. Nach Finnlands Beitritt zum Bündnis richtete Moskau den Leningrader Militärbezirk wieder ein. Parallel modernisiert Russland mehrere Stützpunkte in der Region: Die alte Garnison Rybka wurde reaktiviert, in Nowaja Wilga entsteht eine komplett neue Anlage, und in der sowjetischen Garnison Suoju sind nach Abzug von Ausrüstung zu Kriegsbeginn inzwischen neue Militärfahrzeuge eingetroffen, heisst es weiter.
Auch der Luftwaffenstützpunkt Besowez am Flughafen Petrosawodsk wird erweitert. Satellitenbilder zeigen neue leichte Schutzdächer für Kampfflugzeuge, vermutlich Zeltkonstruktionen auf Metallrahmen, die zumindest Witterungsschutz bieten und die Beurteilung der Einsatzbereitschaft durch westliche Aufklärung erschweren.
«Wir sprechen eher von Tagen oder Wochen»
Derweil wächst in westlichen Sicherheitskreisen die Sorge vor russischen Provokationen. Der finnische Sicherheitspolitiker und Parlamentsabgeordnete Jarno Limnell (52) warnte kürzlich, Moskau könne die Geschlossenheit der Nato nach deren Gipfel in Ankara auf die Probe stellen, nicht mit offenen Angriffen, sondern durch hybride Aktionen: Sabotage, Drohnenflüge, uniformierte Personen in Grenzgebieten, berichtet das Nachrichtenportal «Focus». «Statt von Monaten sprechen wir eher von Tagen oder Wochen», zitiert die finnische Tageszeitung «Iltalehti» den Abgeordneten der konservativen Sammlungspartei.
Die militärische Aufrüstung in Karelien passt in dieses Bild. Mit dem neuen 44. Armeekorps könnten bis zu 15'000 weitere Soldaten in die Region verlegt werden, so «Yle». Für Finnland, seit gut zwei Jahren Nato-Mitglied, eine neue strategische Bedrohung an seiner 1340 Kilometer langen Grenze zu Russland.