Russe zückt in der Warteschlange das Messer
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Tankstellen-Chaos in Russland:Mann zückt in der Warteschlange das Messer

Krise an Russlands Tankstellen
«Putin, was zur Hölle passiert gerade?»

Russland kämpft aktuell mit einer enormen Benzinkrise. Landesweit gibt es Engpässe und kilometerlange Warteschlangen vor Tankstellen, Spritpreise schnellen in die Höhe. In der Bevölkerung steigen Verzweiflung und Wut.
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Kilometerlange Schlangen an Russlands Tankstellen sorgen für Frust bei Autofahrern.
Foto: Screenshot Tiktok

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Russlands Benzinkrise: Ukraine zerstörte ein Drittel Raffineriekapazität
  • Wartezeiten bis zu 28 Stunden, Rationierung bei Tankstellen
  • Benzinproduktion Juni: 850’000 Barrel täglich, 17 Prozent weniger als 2025
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Sandra MarschnerRedaktorin News-Desk

Kilometerlange Schlangen vor Tankstellen, dazwischen genervte Autofahrer, die bereits vor Stunden den letzten Rest Geduld verloren haben. Und selbst an der Zapfsäule angekommen, dürfen Autofahrer nur eine begrenzte Menge Kraftstoff ins beinahe leergefahrene Fahrzeug füllen.

Russland kämpft mit einer Benzinkrise. Aufgrund gezielter ukrainischer Drohnenangriffe auf Ölraffinerien wurde mittlerweile rund ein Drittel der russischen Raffinierekapazität lahmgelegt, sagte Christopher Weafer vom geopolitischen Beratungsunternehmen Macro-Advisory gegenüber Euronews. In mehr als der Hälfte des Landes sorgt das für Benzinengpässe. Auch die Benzinversorgung ist landesweit unterbrochen.

Wut und Sorge wegen Benzinmangel

Videos auf Social Media zeugen von ewig langen Warteschlangen – selbst in der Hauptstadt Moskau. Luftaufnahmen von der Rosneft-Tankstelle bei Atanmanowka im Südosten Russlands zeigen eine kilometerlange Autoschlange. Bis zu 28 Stunden sollen Autofahrer hier für Benzin angestanden haben.

Zusätzlich zu den Blechlawinen vor russischen Tankstellen nehmen in der Bevölkerung Wut und Besorgnis zu. Videos in den sozialen Medien zeigen Menschen, die sich um Plätze in der Warteschlange prügeln, über steigende Preise und strikte Rationierungen streiten. «Ein Land, das Öl produziert, und trotzdem gibt es kein Benzin», sagt ein Moskauer gegenüber lokalen Medien.

«Was zur Hölle passiert gerade?»

Eine russische Bloggerin richtet sich in einem Video auf Social Media direkt an Präsident Wladimir Putin (73). «Putin, was zur Hölle passiert gerade in unserem Russland? Wir haben so verdammt viel Zeug, aber ich sitze schon seit drei Tagen an Tankstellen fest», klagt sie. Immer wenn sie es nach stundenlangem Warten zu einer Tankstelle schaffe, heisse es nur, dass das Limit an Tankmengen bereits erreicht worden sei. Stattdessen brauche sie eine Tankkarte – doch auch diese seien streng begrenzt.

Andere wiederum sehen es als eine Art Lottogewinn, überhaupt tanken zu können. Selbst wenn das Auto nur mit rationierten 30 Litern aufgefüllt werden darf. In einem Video jubelt eine Russin beim Tanken neben der Zapfsäule und ruft überglücklich «Wir haben Benzin, wir sind reich! Auf gehts!» Andere schlagen aus der Situation Profit und verkaufen Plätze in den Warteschlangen vor den Tankstellen an verzweifelte Autofahrer. Die Preise für solche Warteschlangenplätze liegen laut Social-Media-Berichten zwischen 3000 und 5000 Rubel (rund 31 bis 51 Franken).

Warum trifft die Krise Russland besonders hart?

Wie Christopher Weafer gegenüber Euronews erklärt, kommt die Benzinkrise momentan zu einem «kritischen Zeitpunkt für die russische Wirtschaft». Dies, weil die landwirtschaftliche Saison und insbesondere die Erntezeit Fahrt aufnehme. Gerade im Agrarsektor bestehe eine hohe Nachfrage nach Dieselkraftstoff.

Zudem werde die Reparatur beschädigter Raffinerien durch Sanktionen erschwert. Ersatzteile liessen sich nur noch erschwert oder verteuert besorgen. Nach Angaben von Weafer würde allein die Reparatur der Moskauer Raffinerie – die 40 Prozent des Benzins für die Hauptstadt und die umliegende Region geliefert hatte – mindestens drei Monate dauern.

Welche Verluste verzeichnet die russische Wirtschaft?

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sank die Menge an Rohöl, die in Russland im Juni zu Benzin verarbeitet wurde, laut Weafer um 25 Prozent auf 3,95 Millionen Barrel pro Tag. Das ist der niedrigste Stand seit über 20 Jahren. Die Benzinproduktion sank dabei um 17 Prozent auf 850’000 Barrel pro Tag (gegenüber 1,03 Millionen Barrel im Vorjahr) und deutlich unter die Inlandsnachfrage.

Allein in der vergangenen Woche stiegen die Benzinpreise in Sewastopol, der grössten Stadt auf der von Russland besetzten Krim, um 30 Prozent, teilte das staatliche Statistikamt Rossat am Mittwoch mit. Vergangene Woche lag der durchschnittliche Benzinpreis demnach noch bei 72.38 Rubel (rund 0.75 Franken) pro Liter. Wenige Tage später waren es in den von Engpässen betroffenen Regionen nach Angaben von Reuters bereits 2.42 Dollar (1.94 Franken).

Wie reagiert der Kreml auf die Benzinkrise?

Der Kreml spielte die Treibstoffknappheit zunächst als lokale Engpässe herunter. Am Sonntag sah sich Putin gemäss Reuters jedoch gezwungen, Probleme durch die ukrainischen Angriffe auf Ölraffinerien einzuräumen. Er versprach Massnahmen, um den Markt wieder zu stabilisieren.

Auch Putins Energiebeauftragter Alexander Novak erklärte am Mittwoch, dass man sich der Probleme durch die Benzinkrise annehme. Autofahrer werden aufgerufen, nur bei Bedarf zu tanken. Hamsterkäufe werden untersagt. Die Ausfuhr von Benzin und Flugbenzin wurde laut Euronews eingeschränkt. Zudem wurde auch ein Exportverbot für Dieselkraftstoff erwogen.

Russland habe nun mit dem Import von Benzin auf dem Seeweg aus Indien begonnen, berichtet Reuters. Auch Kasachstan habe demnach zugestimmt, im Juli und August 50’000 Tonnen Benzin an Russland zu liefern.

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