Sanktionen zeigen Wirkung
Putin gehen die Flugzeuge aus – jedes fünfte steht am Boden

Wegen westlicher Sanktionen fehlen russischen Airlines dringend benötigte Ersatzteile, Wartungen dauern länger. Fast jedes fünfte Flugzeug bleibt am Boden: Besonders betroffen sind private Fluggesellschaften. Bei Azur Air etwa fallen 74 Prozent der Flotte aus.
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Russlands Luftfahrt leidet unter den Folgen der Sanktionen des Westens.
Foto: Imago

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Russische Airlines kämpfen im Sommer mit 19,3 % ausgefallenen Flugzeugen
  • Hauptgrund: Mangel an Ersatzteilen für Airbus- und Boeing-Maschinen
  • Azur Air besonders betroffen: 74 % ihrer Flotte bleiben am Boden
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Patrik BergerRedaktor Wirtschaft

Die Sanktionen des Westens gegen Russland und seinen Präsidenten Wladimir Putin (73) schlagen in der Aviatik voll durch: Mitten in der wichtigsten Reisezeit des Jahres kämpfen russische Airlines mit massiven Problemen. Während europäische Airlines im Sommer praktisch ihre gesamte Flotte in die Luft bringen, muss in Russland fast jedes fünfte Flugzeug am Boden bleiben.

Die Zahlen sind eindrücklich: Laut einer Auswertung der russischen Zeitung «Kommersant» sind Ende Juni von 673 Flugzeugen der elf grössten russischen Airlines insgesamt 130 nicht einsatzfähig. Das entspricht einer Ausfallquote von 19,3 Prozent. Zum Vergleich: In Europa gilt bereits eine Ausfallquote von zehn Prozent im Sommer als wirtschaftlich problematisch, wie das Aviatikportal Aerotelegraph schreibt.

74 Prozent stehen am Boden

Hauptgrund für die Probleme: Russland hat kaum noch Zugang zu Ersatzteilen für Flugzeuge von Airbus und Boeing. Wartungen dauern deutlich länger, weil Komponenten fehlen und Reparaturen improvisiert werden müssen. Das geht an die Substanz, denn die Flotten der russischen Airlines werden immer älter – und damit reparaturanfälliger. Bisher versuchte Russland, über Drittstaaten an dringend benötigte Teile zu kommen. Und brachte stillgelegte Maschinen wieder zum Fliegen gebracht oder schlachtete sie aus. Diese Quellen versiegen nun zusehends.

Die Unterschiede zwischen den Airlines sind gross. Staatsnahe Gesellschaften kommen vergleichsweise glimpflich davon. Bei Aeroflot stehen nur sieben Flugzeuge still, bei der Billigtochter Pobeda fliegt sogar die komplette Flotte.

Dramatischer ist die Lage bei privaten Fluggesellschaften. Negative Spitzenreiterin ist die Azur Air: 17 der 23 Flugzeuge können derzeit nicht eingesetzt werden – das ist eine Ausfallquote von 74 Prozent. Auch Nordwind Airlines ist schwer getroffen. Dort bleibt fast jede zweite Maschine am Boden. Die höchste absolute Zahl abgestellter Flugzeuge verzeichnet S7 Airlines. Insgesamt 33 Jets fehlen im Flugbetrieb, darunter zahlreiche Airbus A320 Neo. Das ist ein Drittel der Flotte.

Besonders hart trifft es zudem die Langstreckenflotten. Bei Rossiya fliegen sechs von acht Boeing 747 und sechs von zehn Boeing 777 derzeit nicht. 

Zusammenarbeit mit Indien

Um diese Probleme mittelfristig zu lösen, stärkt Präsident Putin die eigene Luftfahrt. Um die Sanktionen des Westens zu umgehen, lagert Russland einen Teil seiner Flugzeugproduktion nach Indien aus. Denn: Indien beteiligt sich nicht an den westlichen Sanktionen gegen Russland oder Putin. Indiens Luftfahrt boomt. Doch Indien will mehr als nur Käufer sein – und sich gleichzeitig unabhängiger machen von westlichen Lieferketten.

Gemeinsam mit Russland wird nun der Einstieg in die eigene Flugzeugproduktion vorbereitet. Der staatliche Hersteller Hindustan Aeronautics erhielt Lizenzen für den Yakovlev Superjet. Der Superjet soll zudem in Indien montiert werden. Auch Maschinen vom Typ Ilyushin Il-114-300 werden künftig in Indien gefertigt. Dadurch hofft man in Putins Russland, dass schon bald nicht mehr jedes fünfte Flugzeug am Boden steht.


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