Aviatik-Partner gefunden
Mit diesem Trick will Putin zu neuen Flugzeugen kommen

Russland lagert einen Teil seiner Flugzeugproduktion nach Indien aus. Indiens Luftfahrt boomt, mit russischer Unterstützung baut sie nun die ersten eigenen Jets. Wladimir Putin kann so die Sanktionen des Westens umgehen.
Kommentieren
1/5
Der Yakovlev Superjet 100 soll bald in Indien gefertigt werden.
Foto: PD

Darum gehts

  • Russland und Indien kooperieren enger bei Flugzeugproduktion trotz westlicher Sanktionen
  • Indien erhält Lizenzen für Yakovlev Superjet und baut eigene Jets
  • 2047: Indien plant 350 Flughäfen, Wirtschaft wächst bis 2027 um 6,7 Prozent
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
Patrik_Berger_Redaktor Wirtschaft Desk_Ringier Blick_1-Bearbeitet.jpg
Patrik BergerRedaktor Wirtschaft

Russlands Luftfahrt leidet massiv unter den Sanktionen des Westens. Sie blockieren den Zugang zu Ersatzteilen, Wartung und neuen Flugzeugen von Airbus oder Boeing. Die Flotten der russischen Airlines werden immer älter – und reparaturanfälliger. Bisher versuchte man in Russland, über Drittstaaten an dringend benötigte Teile zu kommen. Und hat stillgelegte Maschinen wieder zum Fliegen gebracht oder ausgeschlachtet.

Jetzt haben Wladimir Putin (73) und seine Berater eine neue Möglichkeit gefunden, um an fabrikneue Jets zu kommen. Die Zusammenarbeit mit Indien wird vertieft – und auf die Aviatik ausgeweitet. Denn: Indien beteiligt sich nicht an den westlichen Sanktionen gegen Russland oder Putin. Und träumt schon lange von einem eigenen Passagierjet, wie das Aviatikportal «Aerotelegraph» schreibt.

US-Präsident Donald Trump (79) dürfte diese Zusammenarbeit gar nicht passen: Wegen Sanktionsumgehungen verdoppelte er im Sommer 2025 die Strafzölle gegen Indien auf 50 Prozent. Seither sucht die asiatische Weltmacht verstärkt die Nähe zu anderen Wirtschaftsräumen. Mit Erfolg. Anfang Woche hat Indien ein historisches Freihandelsabkommen mit der EU unterzeichnet, das Zölle auf über 90 Prozent der Waren abbauen soll. 

Indien baut eigene Produktion auf

Erst vor Wochenfrist stellte Indiens Luftfahrtminister Ram Mohan Naidu (38) am WEF in Davos GR die entscheidende Frage: «Warum fliegen wir nicht in einem Flugzeug ‹made in India›?» Denn Indien boomt. Die Wirtschaft wächst laut der Weltbank bis 2027 um bis zu 6,7 Prozent jährlich. Entsprechend explodiert der Luftverkehr. Bis 2047 sollen 350 Flughäfen betrieben werden – fast fünfmal so viele wie noch 2014. Schon heute bestellen indische Airlines Jets in Rekordzahl: Air India orderte 470 Maschinen bei Airbus und Boeing, Indigo hat laut «Aerotelegraph» über 500 offene Bestellungen.

Doch Indien will mehr als nur Käufer sein – und sich gleichzeitig unabhängiger machen von westlichen Lieferketten. Gemeinsam mit Russland wird nun der Einstieg in die eigene Flugzeugproduktion vorbereitet. Der staatliche Hersteller Hindustan Aeronautics erhielt Lizenzen für den Yakovlev Superjet, wie «Aerotelegraph» schreibt. Der Superjet soll auch in Indien montiert werden. Auch Maschinen vom Typ Ilyushin Il-114-300 werden künftig in Indien gefertigt.

Russischer Superjet in Indien gebaut

Den Erstflug hatte der Yakovlev Superjet, ein zweistrahliges Regionalflugzeug, 2008. Die erste Auslieferung erfolgte 2011. Das Flugzeug bietet Platz für 87 bis 108 Passagiere. Es wurde für Kurz- und Mittelstrecken konzipiert und war Russlands erstes ziviles Verkehrsflugzeugprojekt mit umfangreicher internationaler Beteiligung.

Weil Russland vom Westen nun keine Unterstützung mehr bekommt, wird derzeit mit Hochdruck eine neue Variante mit dem Namen Superjet New entwickelt. Sie ist mit russischen Systemen und Triebwerken ausgestattet und soll gänzlich ohne Komponenten der früheren Partner auskommen. Der Superjet News dürfte dereinst mit russischem Know-how in Indien gebaut und dann auch nach Russland exportiert werden. An allen westlichen Sanktionen vorbei.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen