Diese Meerenge ist noch viel gefährlicher als Hormus
Ukraine setzt im Kampf gegen Putin auf neue Kriegstaktik

Der plötzliche Tod eines mächtigen Ukraine-Unterstützers könnte Selenski und seiner Armee im Kampf gegen die russischen Besatzer einen weiteren Schub geben. Auch Trump scheint endgültig die Seiten gewechselt zu haben.
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Mehr als 100 Tanker und Transportschiffe hat die Ukraine vergangene Woche im Asowschen Meer und in der Strasse von Kertsch getroffen.
Foto: Telegram / wartranslated

Darum gehts

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Samuel SchumacherAusland-Reporter

Die Strasse von Hormus ist nach dem Ende des Waffenstillstands zwischen den USA und dem Iran wieder einer der gefährlichsten Orte der Welt. Doch die Situation in Hormus ist nichts im Vergleich zur Lage in der Strasse von Kertsch, einer gerade mal vier Kilometer breiten Meeresenge zwischen der besetzten Krim und der russischen Halbinsel Taman.

Der neue ukrainische Seekrieg ist Teil der «Krim abschalten»-Kampagne, mit der Kiew die Halbinsel isolieren und für die russischen Besatzer unbewohnbar zu machen versucht. Mit zunehmendem Erfolg.

Nicht weniger als 104 Tanker und Boote, die russisches Öl exportieren oder ausländisches Benzin durch die Meeresstrasse zurück nach Russland verschiffen wollten, hat die Ukraine versenkt – in einer einzigen Woche. Laut dem niederländischen Analysten Marijn Markus übrigens mit solcher Präzision, dass die Schiffe zwar nicht mehr manövrierfähig sind, aber trotzdem kein Öl verlieren.

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Mehr als 100 Tanker und Transportschiffe hat die Ukraine vergangene Woche im Asowschen Meer und in der Strasse von Kertsch getroffen.
Foto: Telegram / wartranslated

Russland erteilt Transportschiffen seit Freitagabend keine Durchfahrtsberechtigungen mehr. Die Anzahl der Frachter im Asowschen Meer, das durch die Strasse von Kertsch mit dem Schwarzen Meer verbunden ist, ist laut dem US-Institut für Kriegsstudien ISW seit Anfang Monat um mehr als die Hälfte zurückgegangen.

Trumps U-Turn punkto Putin

Die Angst geht um vor neuen ukrainischen Attacken, auch bei den indischen Reedereien, die das in Benzin-Not geratene Russland mit einer Ladung von 50'000 Tonnen Treibstoff versorgen wollten. Über diplomatische Kanäle bat Neu Delhi Kiew laut ukrainischen Quellen, den indischen Frachter bitte zu verschonen, mit der Begründung, es handle sich bei der Ladung um eine humanitäre Lieferung. Ohne Treibstoff drohe die russische Landwirtschaft zum Stillstand zu kommen. Es drohe eine Hungersnot.

Hungern muss in Russland niemand. Doch an den Zapfsäulen wird die Lage tatsächlich immer ernster. Moskau kann den Bedarf nach Benzin laut Reuters nur noch zu knapp zwei Dritteln abdecken. Die Benzin-Importe, ohne die der Öl- und Gasriese Russland nach den monatelangen ukrainischen Attacken auf seine Raffinerien nicht mehr klarkommt, sind durch die intensiven Attacken auf die Tankschiffe gefährdet.

78 der 83 russischen Regionen beklagen eine Benzinknappheit und haben das Tanken teils rationiert. Russland hat den Diesel-Export bis mindestens Ende Juli verboten. Die Preise an den Tankstellen sind alleine im Juni um sieben Prozent in die Höhe geschnellt. 2026 ist ein extrem schlechter Jahrgang für die Treibstoff-Produzenten in Wladimir Putins (73) Riesenreich.

Nicht zuletzt deshalb, weil jetzt auch Donald Trump (80) Gefallen gefunden hat an der ukrainischen Strategie. Der US-Präsident will Kiew nicht nur die Bausätze für Patriot-Flugabwehrraketen zukommen lassen, sondern heisst neuerdings auch ukrainische Schläge ins tiefe russische Hinterland gut. Trump scheint zur Einsicht gekommen zu sein, dass jede weitere Annäherung an Putin den Krieg in die Länge ziehen wird. Stattdessen macht er jetzt via Ukraine massiv Druck, um den Kreml-Chef an den Verhandlungstisch zu ziehen.

Plötzlicher Tod eines amerikanischen Ukraine-Unterstützers

Noch weiter steigen wird der Druck, sobald die USA ein aufgegleistes neues Gesetz verabschieden werden, das ausländische Käufer von russischem Öl mit massiven Strafzahlungen bestrafen wird. Das Gesetz hat Unterstützer in beiden US-Parteien und zudem den Support des Weissen Hauses.

Bereits in wenigen Tagen könnte es verabschiedet werden, nicht zuletzt wegen eines tragischen Vorfalls. Der republikanische Senator Lindsey Graham (†71), der das Gesetz mitverfasst und bis zuletzt auch bei seinem Freund Donald Trump dafür geweibelt hat, ist am Samstag unerwartet verstorben – nur wenige Stunden nach seiner Rückkehr von seiner zehnten Ukraine-Reise seit Kriegsbeginn.

Am Freitag noch traf er den ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski (48) in Kiew. Kurz darauf schwang Graham in einem seiner allerletzten «X»-Posts erneut die Werbetrommel für das strenge Russland-Gesetz. Trump, ausgestattet mit einem feinen Gespür für dramatische Momente, dürfte sich die Chance nicht nehmen lassen und die radikalen neuen Sanktionen durchwinken – zu Ehren seines verstorbenen Freundes.

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