Lange Schlangen vor Tankstellen in Moskau
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Nach ukrainischen Angriffen:Lange Schlangen vor Tankstellen in Moskau

Die grosse «Ufo»-Wende im Krieg – Putin muss zittern
Selenski plant schon nächste Mega-Aktion

Kiew demütigt Moskau mit dem bislang grössten Drohnenangriff seit Kriegsbeginn. Putins Mittel, sich gegen die ukrainischen Geschosse zu wehren, sind beschränkt. Diese Woche könnte sich im Ukraine-Krieg eine völlig neue Front eröffnen.
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Die Moskauer Raffinerie musste als Folge des ukrainischen Angriffs vorübergehend den Betrieb einstellen. Eine Katastrophe für das unter Benzinknappheit leidende Land.
Foto: IMAGO/ITAR-TASS/ Sipa USA

Darum gehts

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Samuel SchumacherAusland-Reporter

Jeder Krieg bringt Bilder hervor, die nie mehr vergessen gehen: die Fotos der Befreiung von Auschwitz, das nackte vietnamesische «Napalm-Mädchen», die Verzweifelten, die sich beim Abzug der Amerikaner aus Afghanistan an US-Flieger klammern. Seit dieser Woche gibts auch aus dem Ukraine-Krieg ein Bild für die Ewigkeit: das «Ufo» von Moskau.

Allem Anschein nach war es eine russische Abwehrrakete, die versuchte, einen ukrainischen Grossangriff auf eine Ölraffinerie in Moskau abzuwehren und dabei einen riesigen Öltank traf, dessen Deckel weit in den schwarz verrauchten Himmel schoss. Das Bild steht symbolisch für ein neues Kapitel im Ukraine-Krieg. Kiew demütigt die Russen mit immer neuen Drohnentaktiken. Für diese Woche planen ukrainische Drohneneinheiten etwas, das sie bislang noch nie gewagt haben.

So spektakulär die «Ufo»-Explosion in Moskau war: Das Hauptaugenmerk der ukrainischen Drohnenangriffe der vergangenen Tage galt dem Süden des besetzten Landes. Die Ukrainer zerstörten mehrere Brücken und Zufahrtsstrassen, über die die Russen von der Krim aus ihre Truppen in der Region Kherson versorgen.

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Wie ein UFO über schwarzem Rauch: Bei einer Explosion in einer Moskauer Öl-Raffinerie flog das Dach eines Öltanks spektakulär in die Höhe.
Foto: Screenshot Telegram

Um mehr als 70 Prozent sind die russischen Militärtransporte in die Gegend laut ukrainischen Quellen eingebrochen. Für Wladimir Putins (73) Kämpfer bedeutet das: Munitionsnot, kein frisches Essen, keine Feldpost. Das ist nicht nur schlecht für die Moral, sondern ziemlich schnell tödlich für die unterversorgten Truppen.

Putin hat zwei Benzin-Optionen

Auch die Zivilisten in den besetzten Gebieten bekommen die jüngsten Angriffe zu spüren. Seit Sonntag, 9 Uhr, sind alle privaten Tankstellen auf der Krim geschlossen. In der Region Twer nördlich von Moskau dürften Privatpersonen nur noch wenige Liter pro Tag tanken.

Dass die Ukrainer Ende Woche jetzt auch noch eine der grössten Ölraffinerien in Tjumen in Sibirien (mehr als 2000 Kilometer von der Front entfernt!) getroffen haben sollen, macht das Ölproblem für Putin nur noch grösser. Ihm bleiben zwei Optionen: Er kann Kraftstoff aus dem Hinterland in die grossen Städte im Westen Russlands verlagern. Oder aber er muss bald auch in Moskau Benzinrationierungen einführen. Beides birgt die Gefahr, dass der Zusammenhalt in Russland zusammenbricht – hoffen mindestens die Ukrainer.

Dass die Ukraine mit ihren Drohnenangriffen auf Russland neuerdings derart massive Schäden anrichten kann, liegt laut Militärexperte Fabian Hoffmann vom Norwegian Defence University College an der systematischen Zerstörung der russischen Flugabwehr, die die Ukraine über Monate hinweg betrieben hat.

Gegen die Drohnenwellen der Ukrainer – allein am 18. Juni attackierten laut russischen Quellen mindestens 555 Drohnen russische Ziele – habe Russland nur noch wenig in der Hand, schreibt Hoffmann auf seiner Plattform Missile Matters. Kommt hinzu: Die Ukraine produziert täglich mehrere Hundert Langstrecken-Drohnen, mit denen ähnliche Grossangriffe wie jener am «Ufo»-Tag jederzeit wiederholt werden können.

In Acht nehmen müssen sich diese Woche auch die Belarussen. Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski (48) hat angekündigt, den nördlichen Nachbarn nicht länger zu verschonen, sollte das Regime von Alexander Lukaschenko (71) Putin in seinem Krieg weiterhin unterstützen. Laut Selenski hat Belarus nahe der ukrainischen Grenzen mehrere Kriegsgeräte aufgestellt, die mit ihren Signalen russische Drohnen bei Angriffen auf die Ukraine unterstützen.

Selenskis mutige Drohung an Lukaschenko

«Belarus hat eine Woche Zeit, die Maschinen auszuschalten. Sonst machen wir es», kündigte Selenski an. Dass er mitten im Krieg gegen die einst zweitmächtigste Armee der Welt bereit ist, eine neue Kriegsfront zu eröffnen, zeigt, wie viel Zuversicht Kiew aus den anhaltenden Drohnenerfolgen gewonnen hat.

Russland, das den Atombomben-Wettlauf gegen die Amerikaner einst verloren und sich im Kalten Krieg als Reaktion auf die offensive Schwäche zur Abwehr-Grossmacht aufgerüstet hat, hat seinen Ruf als unzerstörbares Bollwerk verloren. Davon zeugt nicht nur das «Ufo» von Moskau. Davon zeugen auch die mobilen Drohnenbunker, die Russland an verschiedenen Orten im Land aufstellen lässt. Sie wirken wie architektonische Zeugen des russischen Niedergangs, wie Monumente der Kapitulation.

Wenig in diesem Krieg lässt sich mit Sicherheit sagen. Das Blatt aber hat sich zu Beginn des fünften Kriegssommers definitiv gewendet. Durchaus denkbar, dass auf dem Bürgenstock schon bald wieder internationale Verhandlungen stattfinden werden. Nächstes Mal mit russisch-ukrainischer statt iranisch-amerikanischer Beteiligung.

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